2009/01/09

Man ist dann mal weg

Es ist schon interessant, wie die Medien das Leben der Menschen beeinflussen. Und da meine ich nicht nur das Fernsehen und das Internet, sondern auch die klassischen Bücher.
Zwei Bekannte haben mir nämlich unabhängig von einander unlängst berichtet, dass sie planen, im Sommer den Jakobsweg zu gehen. Ich denke, das ist ein sehr beachtenswerter Entschluss und wenn man die mehreren Tausend Kilometer erfolgreich hinter sich bringt auch eine beachtenswerte Leistung.
Das ganze hat jedoch auch einen spirituellen Hintergrund, der bei diesem und ähnlichen Unterfangen leider viel zu oft wortwörtlich auf der Strecke bleibt. Viele versuchen sich nur daran, weil sie in den letzten Jahren bei Paulo Coelho oder Hape Kerkeling darüber gelesen, oder in den Medien, bzw. von Freunden davon gehört haben. Und womöglich noch damit prahlen wollen, wenn sie zurückkommen.
Die meisten von uns haben ja von diesem Pilgerweg bis vor wenigen Jahren gar nichts gehört! Und nun ist ein regelrechter Hype darum entstanden, der – so sehe ich das zumindest – dieser so lobenswerten und beachtlichen Leistung einen schlechten Beigeschmack verleiht. Zumal ja der Jakobsweg nicht der einzige Pilgerweg oder Wallfahrtsort ist!
Vielleicht in zig Jahren, wenn der Wirbel um den El Camino etwas nachgelassen hat, würde es sich tatsächlich lohnen, ihn zu absolvieren. Mal das ganze Leben hinter sich zu lassen, für mehrere Wochen auszusteigen, seine Grenzen kennen lernen, Gott und der Welt näher kommen und Menschen aus weit entfernten Ländern treffen. Aber jetzt nicht, das ist gewiss. Oder hat jemand ein überzeugendes Argument parat?

Kommentare:

  1. Stimmt. Auf diesen Jakobsweg ist ein richtiger RUN entstanden.
    Aber ganz ehrlich. Mich würde er auch irgendwie reizen. Aber jetzt nicht wegen Religion, Wallfahrten oder Gott näher zu kommen. Sondern einfach Just for fun. Und ja, Menschen lerne ich immer sehr gerne kennen, da ich von Natur aus, sehr kommunikativ bin. Es wäre der Reiz, den inneren Schweinehund zu besiegen...
    Lol, scheinbar habe ich kein Argument für dich.

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  2. Das ist vielleicht auch der Reiz: jeder dort hat seine ganz eigene Motivation. Aber wenn eben alle mitmachen, dann stößt das auch ab.

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  3. Einer meiner Bekannten ist diesen Weg bereits zwei Mal gegangen. Allerdings vor dem Hype durch die von dir genannten Bücher. Wenn er davon erzählt hören alle ganz gespannt zu.

    Hype hin oder her - es kommt auf deine innere Einstellung an. Es gibt sicher Zeiten, wo der Weg nicht überfüllt ist.

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  4. Das sicherlich, Stefan, aber innerlich würde es mich zweifellos wurmen, das ich da aus persönlichen Gründen mitmache und dabei so ein großes Trara drum herrscht...

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