2008/09/23

Shoot and run

Nicht schon wieder, dachte ich mir, als ich die Nachricht gelesen habe, dass in einer Berufsschule in einer finnischen Kleinstadt ein 22-jähriger Amokläufer neun Menschen getötet und sich selbst danach schwer am Kopf verletzt hat. In regelmäßigen Zeitabständen hören wir nun schon von solchen Taten, die vor etlichen Jahren vor allem in den USA typisch waren.
Danach folgen dann immer die altbekannten Diskussionen, ob der Einfluss von Horrorfilmen, und -büchern, Computerspielen und Bands mit härterer Musik und härteren Texten dazu führen können, dass Jugendliche ganz einfach durchdrehen. Ich glaube zwar, dass da etwas dran ist, aber das eigentliche Problem sehe ich anderswo: nämlich in der Familie und im Freundeskreis.
Ich selbst habe früher viel mit Shoot-and-run-Computerspielen wie Quake und Wolfenstein gespielt, regelmäßig Horrorfilme gesehen, lese immer noch solche Bücher und höre immer noch Musik, die nichts für Weicheier ist. Trotzdem bin ich nicht durchgedreht, trotzdem ist es mir nie in den Sinn gekommen, so etwas zu begehen. Genauso wenig, wie Millionen anderer Fans auf der ganzen Welt.
Was für Eltern und Verwandte müssen diese Jugendlichen eigentlich haben? Welche Werte werden ihnen da vermittelt? Was wird ihnen vorgelebt? Kümmern sich diese Eltern überhaupt um ihre Kinder? Fragen sie sie abends, was sie den ganzen Tag so gemacht haben? Ich glaube, wohl kaum, denn in einer durchschnittlichen, um nicht zu sagen normalen Familie, wo sich die Eltern um die Kinder kümmern und ihnen positive Werte vermitteln, kommt so etwas, glaube ich, nicht vor.
Noch dazu habe ich in den jetzigen Berichten gelesen, dass in Finnland jede vierte Familie eine Schusswaffe besitzt, womit das Land hinter den USA und Jemen auf dem dritten Platz liegt. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen zuerst mit diesen traurigen Fakten auseinandersetzen, bevor sie die Verantwortung auf bestimmte Autoren, Filme oder Bands schieben. Denn eine zerrüttete Familie mit einer Schusswaffe ist an sich schon eine explosive Mischung...

Kommentare:

  1. Schlimm, wenn man wieder von so einem Unglück erfährt. Doch wer die ganze Schuld auf unsere Musik, Filme, Handys, Computers..... usw. abzuschiebt, der macht es sich sehr einfach.
    Für mich hängt viel in der Erziehung und im direkten Umfeld des "Schützen". Heutzutage werden viele Kinder mit Ihren Sorgen, Wünschen usw. alleine gelassen. Keiner hört ihnen zu......
    Früher war es auch nicht anders. Da wurden dann Drogen konsumiert und sämtliche Freunde abhängig gemacht.
    Das ist zumindest meine Meinung.

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  2. Sehr richtig, so sehe ich das auch, Nila!

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  3. Als ich das letzte Mal bei einer Zugfahrt einen Jugendlichen im schwarzen "Leder"mantel gesehen habe, habe ich automatisch erst mal eine Gänsehaut bekommen.
    Vielleicht gibt es ja ein Attentäter-Gen?

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  4. Ja, es ist durchaus möglich, dass das ganze etwas mit den Genen zu tun hat. Ich glaube, vor allem, was die Aggression betrifft. Und das ganze wird dann, wie so vieles, durch verschiedene negative Beispiele und die Erziehung verstärkt.

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  5. Aus aktuellem Anlass und wegen Deines Verweises hierher -> sehr gut formuliert

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  6. Vielen Dank, Thomas. Leider ist der Artikel wieder mehr als aktuell.

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