2009/03/11

Psychopath

Ich bin ja vieles gewohnt, mag ich doch ziemlich viele Horrorfilme und -romane, aber dieses Werk hat selbst mich umgehauen. Die Art und Weise, wie Bret Easton Ellis in seinem inzwischen legendären Buch American Psycho bis ins kleinste Detail Misshandlungen, Morde und sexuelle Orgien beschreibt, war mir ehrlich gesagt zu viel.
Nicht, dass das Grundmotiv des Buches schlecht wäre: Patrick Bateman, ein Yuppie wie aus dem Bilderbuch, der sich in seinem Leben alles leisten kann, führt trotz der von Außen sichtbaren Nonchalance ein leeres Dasein ohne wirkliche Freunde, ohne Liebe und Zärtlichkeit. Er versucht, seinem Leben einen Sinn zu geben und wird quasi zum Serienkiller, der heimlich, still und leise Prostituierte, Obdachlose und sogar Kinder quält, ermordet und verstümmelt, aber trotzdem die Fassade des erfolgreichen, steinreichen jungen Geschäftsmanns aufrechterhält.
Auch mit der Aussage des Buches, das Anfang der neunziger Jahre erschienen ist, kann ich mich identifizieren, vor allem in der heutigen Welt inmitten der Weltwirtschaftskrise und angesichts der vielen unerklärlichen, ähnlichen Verbrechen, die von Menschen verübt werden, die im Grunde genommen ein leeres, tristes Dasein führen und fast keine Gefühle haben. Denken wir an dieser Stelle nur an die jüngsten Gewaltserien an Schulen in Deutschland und Finnland.
Was aber die schockierenden Details und deren Darstellung betrifft, bin ich eher ein Befürworter der Andeutungen und der „verblümten“ Beschreibungen. Auch in diesem Fall hätte das meiner Meinung nach vollkommen ausgereicht, obwohl ich verstehe, warum Ellis einen anderen Weg eingeschlagen hat.
Dazu kommt der Erzählstil des Autors, der unzählige Male diverse Luxusmarken aufzählt, um damit seine Protagonisten und die Situationen zu charakterisieren. Auch in diesem Fall kann ich das Ziel nachvollziehen, bin aber der Ansicht, dass weniger mehr gewesen wäre.
Alles in Allem handelt es sich also um einen beeindruckenden und noch immer höchst aktuellen Roman, der mich persönlich jedoch sprachlich und darstellerisch eher abstößt. Ich bin jetzt gespannt, ob das andere Buch um Patrick Bateman, Lunar Park, etwas zurückhaltender gestaltet ist.

Kommentare:

  1. Wie ich schonmal in einem anderen Blog sagte: Manche Sachen möchte man gar nicht bis in´s letzte Detail wissen!
    Zumal ich auch ein "visueller" Leser bin, also ich mich so in das Buch hinein versetzte, dass ich vor dem inneren Auge eine Art Film sehe und wenn dann manche Sachen zu ausführlich erklärt sind, dann hab ich auch die entsprechenden Empfindungen. So hab ich z.B. das Buch "Das Mädchen im rotem Mantel". Dort kommt eine Szene, wo das Kind im Schlaf von Käfern am ganzen Körper befallen und gebissen wird. Mich hat´s da richtig geschüttelt. *brrrrrrr*

    AntwortenLöschen
  2. In solchen Situationen ist weniger tatsächlich mehr. Aber manche Autoren denken halt nicht so, wie wir...

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe mir das Buch mal vor Jahren gekauft, aber vollständig gelesen habe ich es nicht. Nicht wegen der Beschreibung der Taten, oder weil die mich abgestossen haben (so weit bin ich ehrlich gesagt gar nicht gekommen), sondern weil mich die Erzählweise tierisch genervt hat.
    Es hat mich nicht im entferntesten interessiert mit welchen Shampoo und welcher anschließenden Spülung der Typ sich gerade die Haare wäscht. Diese haarkleine bis ins Detail gehen bei so alltäglichen Dingen ging mir ziemlich auf den Zeiger. So das ich dann schon weit vor den ersten wirklichen schrecklichen Morden dann aufgehört habe zu lesen.
    Die Schreibe von Ellis sagt mir einfach nicht zu. Selbst zu seinem Roman "unter null" habe ich keinen Zugang gefunden.

    AntwortenLöschen
  4. Stimme dir zu, Andi, ich wollte aber trotzdem weiterlesen und das Ende wissen :)

    "Unter null" kenne ich nicht, aber "Lunar Park", das ich gerade begonnen habe, ist bisher ganz anders. Sowohl stilistisch, bzw. erzähltechnisch, als auch inhaltlich. Aber mehr dazu, wenn ich das Buch beendet habe.

    AntwortenLöschen