2026/09/22

Just another brick

Ich kann die seit einigen Jahren übliche Praxis der Internetpresse, was das Phänomen bzw. das Konzept der Paywall betrifft, im Grunde nachvollziehen und habe auch Verständnis dafür. Es ist das gute Recht der einzelnen Medien, Geld für bestimmte Artikel und Inhalte an sich zu verlangen, vor allem, wenn diese zum Beispiel besonders aufwendig recherchiert oder aktuell äußerst brisant sind. Als Leser ärgert es mich natürlich hin und wieder, aber was soll’s: Auch früher ist es vorgekommen, dass ich mir eine Zeitung oder Zeitschrift nicht gekauft habe, nur weil mich ein kurzer Artikel darin womöglich interessiert hätte – wobei natürlich auch das Gegenteil vorgekommen ist.

Was ich jedoch bei diesen Paywall-Artikeln sonderbar finde, ist in manchen Fällen das Konzept hinter der Praxis bestimmter Medien. Einerseits dann, wenn man dem Leser aktuelle – sagen wir so: brandheiße – Informationen präsentiert, die Details dann hinter der Paywall versteckt, aber ich als Leser dieselben Informationen mit einigen Klicks auch auf anderen Internetseiten wiederfinde. Ebenso sonderbar sind für mich Fälle von längeren Artikeln oder Forschungsergebnissen, die auf Resultaten ausländischer Studien beruhen. Das wird dem Leser dann entweder direkt mitgeteilt wird, oder er kann das aufgrund des Artikels selbst schlussfolgern. Jedoch handelt es sich dabei häufig um Ergebnisse, die ich als Leser wiederum leicht wiederfinden kann, auch wenn ich dazu eventuell den Weg über eine Fremdsprache gehen muss, nicht nur den Weg über eine andere Seite im Internet.

Klar, die Devise lautet wohl im Fall dieser Zeitungen und Zeitschriften – wie so oft im Leben: Zeit ist Geld. Sprich: man präsentiert dem Leser Informationen oder Ergebnisse quasi auf dem Tablett, und er muss auf diese Weise nicht den Umweg über das eventuell etwas mühsamere Suchen oder womöglich über – verstandene oder nicht verstandene – Fremdsprachen gehen. Trotzdem habe ich in solchen Fällen hin und wieder das Gefühl, dass man für dumm verkauft wird. Aber schließlich wird man im Leben ziemlich oft mit diesem Gefühl konfrontiert, man denke nur an Werbung jeglicher Art.

2026/08/07

Des Historikers Freud ist des Landwirts Leid

Der diesjährige Sommer hat bislang schon mehrere Rekorde geknackt. Lokale und womöglich auch globale Temperaturrekorde und historische Tiefststände an diversen großen und kleinen Flüssen bzw. sonstigen Gewässern. Und dabei liegt der Großteil des Monats August noch vor uns – will heißen: Der diesjährige Sommer ist noch längst nicht vorbei.

Die Medaille hat jedoch auch in diesem Fall – wie so oft – zwei Seiten. Was unter anderem für die Landwirtschaft in vielen Regionen eine einzige Katastrophe ist und aufgrund der aufeinander folgenden Hundstage insbesondere auch viele von uns, vor allem unsere älteren Mitbürger, vor große gesundheitliche Herausforderungen stellt, hat im Kreis der Historiker, Museologen und Archäologen zu vielleicht nie erhofften Fundstücken und Schätzen geführt.

So sind alleine aus der Donau neben Minen, Waffen, Geschossen und Alltagsgeräten zum Beispiel die folgenden Funde zum Vorschein gekommen: In der Slowakei das Wrack eines deutschen Schiffs, das im Jahr 1944 nach einer Minenexplosion gesunken war, und in Budapest ein fast vollständig erhaltenes deutsches Militärmotorrad – vermutlich ein Relikt der Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht im Jahr 1945 – samt der Überreste zweier deutscher Soldaten. Es erübrigt sich wohl, auszuführen, dass solche, über achtzig Jahre alte historische Schätze eine unglaubliche Fundgrube für die Fachleute bedeuten.

Somit können wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Zukunft blicken. Wenn sich die oft zitierten Szenarien der Klimaexperten bewahrheiten, sollten wir uns spätestens jetzt bewusst sein, dass der diesjährige Sommer wohl noch der kühlste der vor uns liegenden Sommer sein wird. Andererseits lässt diese Version darauf hoffen, dass auf diese Weise aus den Gewässern in unseren Gefilden weitere ähnliche oder noch größere Schätze zum Vorschein kommen werden. Fragt sich nur, ob der Preis, den wir alle dafür zahlen müssen, nicht doch unverhältnismäßig hoch sein wird.

2026/07/22

Spaniens Blüten blühen wieder

Es dürfte wohl nicht allzu oft vorkommen, dass zwischen zwei Fußball-Weltmeisterschaften nicht die üblichen vier, sondern nur dreieinhalb Jahre vergehen, wie das in diesem Jahr der Fall war. Und innerhalb von nicht einmal vier Jahren hat es Argentinien bei der am Sonntag zu Ende gegangenen WM erneut ins Finale geschafft – unter der Leitung des inzwischen 39-jährigen Lionel Messi, was bei der letzten WM in Katar wohl nicht wirklich zu erwarten war. Das Ergebnis ist inzwischen jedoch allgemein bekannt, und der kleine Zauberer, der im Finale genauso blass blieb, wie die gesamte argentinische Mannschaft, musste sich bei seinem wohl letzten Auftritt im Trikot der Nationalmannschaft mit der Silbermedaille begnügen.

Auch wenn ich den Argentiniern vor dem Spiel den Triumph ebenso gegönnt hätte, wie den letztendlich siegreichen Spaniern: Aufgrund des Finales war der Sieg der Mannen von Trainer Luis de la Fuente mehr als verdient. Die völlige Passivität und defensive Einstellung des Gegners ohne nennenswerte Torschüsse war für mich als neutraler Zuschauer im Grunde eine klare Enttäuschung. Auch wenn das Spiel natürlich ein typisches Finale war, wo die Langeweile nur dem Umstand der Verlängerung und dem spät fallenden entscheidenden Tor wich. Aber schließlich waren wir beim Finale im Dezember 2022 sehr verwöhnt worden, und es war klar, dass ein solches Szenario nur schwer zu wiederholen sein wird.

Rodri & Co haben es nun also wieder auf den Fußball-Olymp geschafft und sind nach 2010 wieder Weltmeister geworden. Es wird spannend sein zu sehen, ob damit wieder eine ähnliche glorreiche spanische Ära eingeläutet wurde, wie damals unter Vicente del Bosque mit den beiden EM-Siegen 2008 und 2012 und der WM-Trophäe dazwischen. Auch wenn ich in den letzten Jahren nur selten dazu komme, Fußballübertragungen zu verfolgen, freue ich mich irgendwie auf die WM 2030 in Marokko, Portugal und – wie treffend – Spanien. Nicht zuletzt deswegen, weil wir alle in Europa wieder die Möglichkeit haben werden, mehr Spiele zu sehen. Ich verstehe, dass bei einer Weltmeisterschaft aufgrund der Übertragungszeiten notgedrungen viele Zuschauer weltweit auf der Strecke bleiben. Aber es war schon etwas enttäuschend, dass das Finale am Sonntag diesmal – einerseits aufgrund der Zeitverschiebung, andererseits natürlich aufgrund der vielen kleinen und wenig interessanten Mannschaften – das einzige Spiel war, das ich von Anfang bis Ende gesehen habe.

2026/07/04

Mannswerdung

Zu den unbezahlbaren Momenten, über die ich an dieser Stelle hin und wieder schon berichtet habe, zählt zweifelsohne auch der vor einigen Tagen in Bezug auf den ältesten Junior im Haus. Wenn zwei grundsätzliche Faktoren vorliegen, nämlich einerseits ein Kind, andererseits ein Sohnemann, ist die perfekte Möglichkeit gegeben, sich in Männersachen stolz als weiser, über ein umfassendes Wissen verfügender Vater zu präsentieren. Und zwar, wenn man dem Ältesten das erste Mal zweigen kann, wie man sich rasiert. Das trifft insbesondere dann zu, wenn man sich – so wie ich – für das Thema Rasieren und Bartpflege interessiert. Wobei ich aber für die Zukunft hoffe, dass ich meinen beiden Sprösslingen nicht nur das Rasieren beibringen kann, sondern auch – oder viel eher –, wie man sich einen Bart wachsen lässt.

Ich kann die werte Leserschaft beruhigen: Die zu überwindende größte Hürde haben wir beide genommen. Diese bestand in einer Tatsache, an die man beim ersten Lesen vielleicht gar nicht denken würde, nämlich darin, dass ich mich nun schon seit etlichen Jahren überhaupt nicht mehr rasiere (welche Freiheit!). Somit konnte wollte ich dem Junior verständlicher Weise für die Schritte nicht zu Demonstrationszwecken zur Verfügung stehen. Das tat aber dem ersten Versuch keinen Abbruch – dieser war erfolgreich, sogar ohne, dass sich der Sohnemann geschnitten hätte.

Dabei ist dieses letztere Moment keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Als im Thema bewanderter Mann weiß ich nämlich seit über einem Jahrzehnt, dass man im Fall der Arten von verschiedenen Rasierern in den Wettbewerb der großen Nassrasierer-Marken nicht einsteigen darf – oder aus diesem so schnell wie möglich aussteigen sollte. Wenn man sich schon rasieren will oder muss, ist die beste Wahl immer noch die gute alte G*llette Mach1.

Weil früher vieles, wenn auch nicht alles, besser war, haben wir den ersten Versuch selbstverständlich mit dem im obigen Artikel erwähnten und auch abgebildeten Rasierhobel absolviert. Und weil Sohnemann Nr. 1 einerseits sehr an seinem Großvater hängt, den er leider nie kennenlernen durfte, und weil er noch dazu aus vielerlei Hinsicht ein Retro-Fan ist, war dieses gemeinsame Erlebnis ein dreifaches – ich könnte auch sagen, aus dreifacher Sicht unbezahlbar: Wenn man sich das erste Mal in seinem Leben mit dem ehemaligen, etwa fünfzig (!) Jahre alten Rasierhobel seines geliebten Großvaters und – hoffentlich auch geliebten – Vaters rasieren darf, gibt es dafür meines Erachtens weder als Vater noch als Sohn Worte, mit denen man das treffend beschreiben könnte.

2026/06/14

180 Seasons

Sage und schreibe 27 Jahre ist es her, dass ich Metallica das erste Mal live sehen durfte. Was mich ein bisschen nachdenklich macht, ist nicht nur, dass seitdem knapp drei Jahrzehnte vergangen sind. Sondern auch die Tatsache, dass die Band damit seit 1999 deutlich mehr Jahre auf dem Buckel hat, als sie damals alt war. In den vergangenen Tagen hatte ich das Privileg, Metallica nunmehr zum siebten und gleich auch zum achten Mal live zu erleben. Im Rahmen ihrer aktuellen Tour anlässlich ihres neuen Albums 72 Seasons gastierten sie an gleich zwei Abenden in der ungarischen Hauptstadt – mit zwei komplett verschiedenen Sets in Form eines „No Repeat Weekend“. Eine geniale Idee, denn auf diese Weise kommt das jeweilige Publikum in den Genuss, mit 32 Songs quasi einen Querschnitt aus dem gesamten Oeuvre des Viergespanns zu erhalten.

Schon das an sich ist eine einmalige Gelegenheit, die durch zwei bedeutende Umstände noch getoppt wurde. Einerseits durch die Bühne in der Mitte des Stadions und die ebenfalls phänomenale Idee mit vier Drumkits in den vier Ecken der Bühne, wo jeweils vier Lieder gespielt werden und die anderen Musiker die Möglichkeit haben, auf dem Ring vor dem Publikum rundherum zu gehen und zu spielen. Andererseits durch den Umstand, dass die Band gerade ihren zweiten Frühling erlebt. Nach diversen drogen- und vor allem alkolholbedingten Problemen hat Sänger und Gitarrist James Hetfield zu alter Stärke zurückgefunden, und der von den Medien viel gescholtene Schlagzeuger Lars Ulrich hat wohl durch seinen eisernen Willen und viel Übung sein Spiel auf eine höhere Stufe bringen können. Der „neue“ Bassist Robert Trujillo ist aus der Band einfach nicht mehr wegzudenken, zumal auch er schon 23 Jahre dabei ist, und der unauffällige Leadgitarrist Kirk Hammett hat all das oben Beschriebene allem Anschein nach jahrzehntelang still erduldet, ohne mit der Wimper zu zucken.

An zwei Abenden konnten wir uns nun selbst ein Bild davon machen, dass die neue Höchstform nicht nur eine Meinung der Journalisten ist und nicht nur in den Konzertmitschnitten so zu sein scheint. Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. Mit einem Budapester Stadionrekord von zweimal über 75 000 Zuschauern lieferten Metallica eine bombastische Bühnenshow mit Songs aus ihrer 45 Jahre dauernden Karriere ab, die seinesgleichen sucht und über die ich nur in Superlativen sprechen kann. Sowohl was das Visuelle, den Sound und auch was die Songauswahl betrifft. Wobei auf jeden Fall zu bemerken ist, dass die Band bei perfektem, trockenem Konzertwetter auftreten konnte, was bei Open-Air-Veranstaltungen Anfang Juni keine Selbstverständlichkeit ist. Und dass die Musiker, die nach acht langen Jahren wieder nach Budapest zurückkehrten, augenscheinlich sehr gut gelaunt waren und richtig Bock auf die beiden Konzerte hatten. Bei diversen launischen Künstlern ist das auch nicht selbstverständlich.

Ein kleines bisschen Wehmut war und ist jedoch dabei. Für mich waren diese beiden Shows, die am ersten Abend zwei ein viertel und am zweiten Abend zwei Stunden dauerte, nicht nur aus den oben beschriebenen Gründen bedeutsam. Sondern auch, weil man nie wissen kann, ob man irgendwann noch einmal die Möglichkeit haben wird, Metallica in dieser Form live zu erleben. Einerseits kann man das – Höchstform hin oder her – bei Ü60-Musikern leider nie wissen, andererseits werden ausgedehnte Welttourneen mit voranschreitendem Alter erfahrungsgemäß immer seltener. Ob es eine Abschiedstournee geben kann, hängt ebenfalls von vielen äußeren Umständen ab, wie auch die Frage, ob man für diese überhaupt Karten ergattern kann. Insofern waren diese beiden Abende für mich mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als der Jubiläumsauftritt von Iron Maiden im Vorjahr.

Trotz der klein bisschen Traurigkeit bleibt jedoch festzuhalten: Noch ist nicht aller Tage Abend, aber wenn es denn so kommen sollte und irgendwann in Zukunft nur mehr die Videos und Konzertberichte ein wenig Trost spenden, so war dieses doppelte Konzerterlebnis für mich ein krönender, unvergesslicher Abschluss. Wenn man eine der größten Rockbands – und vielleicht die bekannteste und beliebteste – aller Zeiten achtmal live erleben durfte, gibt es überhaupt keinen Grund zu meckern. Alles andere wäre schlicht und einfach Unersättlichkeit.

2026/06/06

„Dad – what was punkrock...?“

Ein Blog, der seinen Namen nicht umsonst einem Hit der Toten Hosen verdankt, kann es sich gar nicht leisten, nicht über das vor kurzem erschienene letzte reguläre Studioalbum der Düsseldorfer zu berichten und an ihrem Abschied vom Studio quasi wortlos vorüberzugehen. Und – das sei vorausgeschickt –, das neue, letzte Album mit dem Titel Trink aus! Wir müssen gehen verdient allen Respekt und zählt meines Erachtens zu den stärksten Werken der Band, die inzwischen bereits 44 Jahre auf dem Buckel hat.

Das erste Wort, das mir beim Anhören der Platte in den Sinn kam, war Wehmut, und zwar sowohl was die Texte als auch was die Musik betrifft. Klar, es finden sich auch einige wenige kürzere Songs auf dem Album, die eher zum Mitgrölen geeignet sind oder textlich weniger zu bieten haben. Zum überwiegenden Teil sind es aber Lieder, die zum Nachdenken anregen, tiefe Gefühle hervorrufen und eigene Erfahrungen, Erinnerungen aufleben lassen. Und zwar in Bezug auf die Band und auf Erlebnisse und Momente im Leben gleichermaßen.

Auch das Quintett selbst nimmt – wie es sich für ein Abschiedsalbum gehört – in etlichen Songs Bezug auf das Erlebte, auf Lieder, Personen und Orte. Wobei es mich jetzt im Nachhinein ein wenig verwundert, dass sie zum Beispiel an ihre geliebte Heimatstadt Düsseldorf im gleichnamigen Song erst jetzt eine überaus gelungene Hommage richten. Diese wird in Zukunft mit Sicherheit bei vielen Gelegenheiten erklingen.

Ähnlich überraschend ist der Auftritt von Farin Urlaub von der Band Die Ärzte beim Auftakt des Albums im Lied Hier sind die Hosen. Ein genialer Schachzug, der mit der Großstadtlegende um die Rivalität der beiden Bands ein für alle Mal abrechnet. Die beiden, vielleicht stärksten Songs von den insgesamt sechzehn des Albums sind für mich das nostalgische Was früher einmal war mit Bezügen auf den großen Hit Wort zum Sonntag und das gesellschaftskritische Was ist mit uns los.

Letzteres Lied wird angesichts unserer bis zum Äußersten polarisierten und teilweise verfeindeten Welt sicherlich für Gesprächsstoff sorgen. Wieder einmal, muss man hinzufügen, denn Die Toten Hosen haben aus ihrer Meinung und ihren politischen, gesellschaftlichen Ansichten noch nie ein Geheimnis gemacht – man denke nur an den Klassiker Sascha… ein aufrechter Deutscher von 1992. Das freilich wurde und wird ihnen auch oft von diversen Gruppierungen oder Anhängern verschiedener Bewegungen in den Medien und im Netz unter die Nase gerieben. So wie im Übrigen auch die Tatsache, im Laufe der Jahre immer mehr radiofreundliche, eingängigere Lieder und Stadionhymnen geschrieben zu haben.

Was das letztere Argument betrifft: Bands, die sich textlich und musikalisch im Laufe der Jahrzehnte nur wenig verändern, haben zweifelsohne ihre Daseinsberechtigung. Auch ich kann solchen Gruppen etwas abgewinnen, Stichwort AC/DC, Manowar oder ZZ Top. Aber von jedem Musiker oder jeder Band zu erwarten, dass sie nach zwanzig, dreißig – geschweige denn 44 – Jahren mit ihren Songs noch dort verweilen, wo sie in ihren Zwanzigern waren, kann wohl nicht ernst gemeint sein. Das ist auch von einem Menschen an sich nicht zu erwarten.

Alles in allem halte ich Trink aus! Wir müssen gehen für einen äußerst gelungenen, starken Abschied. Ein Album, an das man sich gerne zurückerinnern wird, und krönender Abschluss der Diskografie einer Band, die den Punkrock international Jahrzehnte lang stark geprägt hat – und das mit überwiegend deutschsprachigen Texten. Ein sehr würdiger, noch dazu selbst gewählter Abschied der Toten Hosen also, was sich, wie gesagt, in den Songtexten und den musikalischen Lösungen immer wieder offenbart. Und in dieser Hinsicht kann man den Düsseldorfern wahrlich nichts vorwerfen, denn in diesem Punkt sind sie sich zweifelsohne treu geblieben. Wie sangen sie schon vor genau vierzig Jahren, im Jahr 1986, im Lied Wort zum Sonntag? „Das Ende setzen wir uns selbst / Und niemand anders auf der Welt / Begreift besser jetzt als nie / Es kommt erst, wenn es uns gefällt!“

2026/06/04

Volljährig

Nein, die Sprösslinge hier im Haus sind noch keineswegs so weit, dafür wird aber dieses virtuelle Tagebuch heute sagenhafte achtzehn Jahre alt. Was mich schon zumindest ein klein wenig stolz macht. Auch, wenn manchmal die Zeit, die von mir für relevant gehaltenen Themen oder die erforderliche Kreativität fehlen, so gibt es hier doch in kürzeren oder längeren Zeitabständen Neues zu berichten.

Ich hoffe, dass der von mir verzapfte Inhalt den werten Lesern zumindest hin und wieder Spaß macht, sie zum Nachdenken bringt oder sie ihr Interesse, was meine Person betrifft, auf diese Weise ein wenig befriedigen können.

Wie es hier weitergeht und ob es mir gelingt, zwei Jahrzehnte durchzuhalten, steht noch in den Sternen. Bis dahin wird noch viel Zeit vergehen. Ich denke, dass Beste ist auch in diesem Fall, wenn ich mich mit den bisherigen kleinen Schritten auf das runde Jubiläum zubewege. Will im konkreten Fall heißen: mich auf den nächstfolgenden Beitrag in diesem nunmehr volljährigen Blog konzentriere. Aber vorher puste ich noch schnell die achtzehn Kerzen auf der virtuellen Geburtstagstorte aus.

2026/05/26

Herren und Frauen Schlaumeier

Meinungsmacher und Besserwisser in den (sozialen) Medien können mich wirklich auf die Palme treiben. Wobei selbsternannte Meinungsmacher und Apostel wohl die schlimmsten sind. Am Wochenende bin ich beim Lesen im Internet mal wieder über so einen Typen gestolpert, der seinen Lesern erklären wollte, wie ein Mann sich im kurz bevorstehenden Sommer kleiden sollte. Ich erspare jedem die Details, es reicht zu wissen, dass der Beitrag selbstverständlich auf die üblichen Kategorien und Kleidungsstücke zu sprechen kam: Hemden, Polohemden, kurze Hosen, Sandalen und ähnliches, wobei der selbsternannte Modeguru seinen Lesern quasi vorschreiben wollte, wie man sich bei über 30 Grad zu kleiden habe – und wie nicht. Denn alles andere, was von seinen Vorgaben abweicht, ist natürlich – wenn man zwischen den Zeilen liest – ein absolutes No-Go, peinlich oder gar lächerlich.

Neben solchen Modeaposteln fallen mir noch zwei Bereiche in den verschiedenen Medien ein, in denen Neunmalkluge häufig anzutreffen sind. Einerseits im Sport – und insbesondere im Fußball –, wo sich Fans, die im Grunde Laien sind, und Journalisten als Experten präsentieren und ihren aktuellen Senf dazugeben. Aber auch ehemalige Spieler, die womöglich seit Jahrzehnten nicht mehr nah am Geschehen dran sind, von ihrem Ruf als Spieler leben, nie als Trainer gearbeitet oder als solche kläglich versagt haben, gehören dazu.

Und dann wären da noch – quasi als Dritte im Bunde – die selbsternannten oder von den Medien hochgehobenen Literaturpäpste, die uns Lesern weismachen wollen, warum ein Roman gut oder schlecht sei, oder warum der eine Schriftsteller angeblich zum literarischen Kanon gehört bzw. gehören sollte, der andere aber auf keinen Fall. Ja sogar, warum einem ein Buch gefallen sollte – und wenn es das nicht tut, dann habe man es eben nicht verstanden und sei als Leser ganz einfach noch nicht so weit in der Entwicklung fortgeschritten.

Über oder unter jeden solchen Beitrag oder Artikel eines Meinungsmachers sollte man dazuschreiben, dass es sich um die Meinung eines Einzelnen, nämlich die des Verfassers, handelt. Und vielleicht auch das geflügelte Wort, das mir beim Lesen der Beiträge von solchen Besserwissern häufig in den Sinn kommt. Die werten Leser wissen schon: Ich meine natürlich das folgende: Meinungen sind wie… Nasen. Jeder hat eine, aber keinen interessiert die des anderen.

2026/04/29

So wahr mir Hippokrates helfe

Man könnte ja meinen, zumindest Ärzte erreichen in Sachen Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit, Verlässlichkeit oder gar Menschlichkeit ein gewisses Niveau. Schließlich haben sie irgendwann einmal den Hippokratischen Eid abgelegt, besser gesagt das Genfer Gelöbnis geleistet. Dass dem nicht so ist, habe ich in letzter Zeit am Beispiel meines Hausarztes erfahren. Der Alte ist unlängst in Rente gegangen, und nun haben wir eine Neue mittleren Alters. Während der eine sich nie um meine jährlichen Laborwerte gekümmert oder mich nie zu weiteren Untersuchungen eingewiesen hat, ist die andere genau das Gegenteil, obwohl auch sie nicht mehr die Jüngste ist. Nun heißt es also, auch die zusätzlichen Untersuchungen zu dulden, auch wenn sie womöglich zu keinem Ergebnis führen oder hinfällig sind.

Wünschenswert wäre sicherlich – wie in so vielen anderen Fällen – die goldene Mitte, aber ich muss nun mit dieser Situation leben. Ich denke aber, es ist immer noch besser, eine etwas übereifrige Hausärztin zu haben, als einen, dem alles und jeder egal ist. In jüngeren Jahren, wo ich seltener dort aufkreuzen musste und weniger (potentielle) Wehwehchen an der Tagesordnung standen, war das zum Glück – zumindest in meinem Fall – kein großes Problem, ja sogar einfacher für mich. Aber mit voranschreitendem Alter ist es wahrscheinlich beruhigender zu wissen, dass jemand achtgibt und ihre Aufgabe, ihren Beruf, ja sogar ihre Berufung ernst nimmt. Auch wenn das kurz- und mittelfristig lästig erscheint.

2026/03/29

Von Wahlen, Walen und Moneten

Dass die Medien uns ständig manipulieren, ist ja nichts Neues. Und da muss man nicht einmal an Politik und an eine Wahl denken. Um es mit einem Kalauer auszudrücken: Es genügt, wenn man an einen Wal denkt und sich den jüngsten Fall des am Timmendorfer Strand gestrandeten Buckelwals anschaut, dem die Anwohner den liebevollen Namen Timmy gegeben haben.

Selbstverständlich hoffe auch ich, dass sich das mittlerweile geschwächte Tier nach den bisherigen Fehlversuchen und einer verstrichenen Woche freischwimmen kann, oder auf irgendeine Weise von den Helfern gerettet werden kann. Klar fiebere ich mit. Aber wenn wir ein bisschen Abstand zu den Ereignissen gewinnen, müssen wir nüchtern feststellen: Wir werden von den berichtenden Medien ganz klar manipuliert.

Denn seien wir ehrlich: Der Fall ist nicht viel interessanter und hat nicht bedeutend mehr Nachrichtenwert, als wenn in China ein Sack Reis umfällt. Wen würde das Schicksal des Wals interessieren, wenn von den führenden Presseorganen im In- und Ausland nicht darüber quasi im Stunden-, ja teilweise sogar im Minutentakt berichtet werden würde? Außer einigen Tierschützern und den Verantwortlichen vor Ort wohl niemanden. Schließlich trifft auch in diesem Fall zu: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. So aber baut der Durchschnittsleser auch aus der Ferne, ja sogar aus dem Ausland eine emotionale Bindung zum Tier auf und fiebert auch unbewusst mit ihm mit.

Das haben die betroffenen Medien geschickt eingefädelt, so wie es vermutlich auch im Lehrbuch steht. Denn für sie geht es primär um Klicks, Likes und sie damit verbundenen Einnahmen. Insofern können wir wohl sagen, dass ihr Vorgehen den gewünschten Effekt und auch finanziellen Erfolg mit sich bringt.

2026/03/21

Errare ergo sum

Kennt ihr auch die Sorte von Mensch, die nur darauf wartet, dass man mal einen Fehler macht? Und dann, wenn diese Menschen gerade anwesend oder in einen bestimmten Prozess involviert sind, sind sie selbstverständlich sofort zur Stelle, weisen auf den Fehler oder Irrtum hin. Womöglich tun sie sogar so, als ob sie das nur gut meinen würden und fügen dann Dinge hinzu, wie: „Nur so nebenbei bemerkt…“, oder: „Ich wollte nur darauf hinweisen, dass...“.

Trotzdem spürt man als Gesprächspartner, sei es unter vier Augen oder vor versammelter Mannschaft, dass sie nur sich selbst inszenieren, gut bzw. besser dastehen oder vor dem anderen mit ihrem (vermeintlichen) Wissen, ihren Fähigkeiten prahlen wollen. Und insgeheim nur darauf gewartet haben, dass ein Fachmann, jemand, der etwas besser kann, oder zumindest anerkannter, erfolgreicher ist, als sie selbst, irgendwann mal einen Fehler macht und sie diesen bemerken. Weil sie, indem sie dann gleich darauf hinweisen, ihr eigenes Ego aufpolieren wollen, oder glauben, dadurch ihre schlechteren Fähigkeiten, ja in gewissen Fällen sogar ihre Minderbemitteltheit wettmachen zu können.

Das Wort, das mir in solchen Situationen zuerst einfällt, ist „erbärmlich“. Das zweite vielleicht „lächerlich“. Das beste, was man aus solchen Situationen machen kann, ist wohl, dass man den dazugegebenen „Senf“ des Gesprächspartners zur Kenntnis nimmt, freundlich lächelt, vielleicht ein-zwei nett gemeinte Worte erwidert und sich dann still und leise seinen eigenen Teil dazu denkt. Etwas anderes haben solche Menschen wahrscheinlich nicht verdient. Nun gut, ein wenig Mitleid vielleicht schon.

2026/02/21

Needful Things – In einer großen Stadt

Morgen sind es nun schon dreizehn Jahre her, dass der jüngere Sohnemann und zugleich unser „Sandwichkind“ unter den Erdenbürgern weilt. Ich könnte hier natürlich zeilenlang darüber sinnieren, wie schnell doch die Zeit vergeht, und dass es nur mehr fünf Jahre sind, bis auch er die Volljährigkeit erreicht – im Vergleich zu der bereits verstrichenen Zeit quasi ein Wimpernschlag.

Doch soll es stattdessen um eine Anmerkung darüber gehen, dass wir morgen für ihn neben seinen gewünschten Geschenken eine klitzekleine Überraschung parat haben. Auf den ersten Blick nichts Weltbewegendes, für mich aber sehr persönlich.

Als begeisterter Leser verschlingt er nämlich reihenweise Bücher – im Grunde alles, was ihm in die Hände fällt, sei es aus Buchgeschäften, Bibliotheken oder offenen Bücherschränken. Was ihm nicht gefällt, liest er natürlich nicht zu Ende, aber er gibt dem Werk zumindest eine Chance.

Seit geraumer Zeit liegt er mir nun schon in den Ohren, was einen Schriftsteller betrifft, dessen Bücher in unserer Wohnung nur schwer zu übersehen sind. Einen ganzen Bücherschrank füllen nämlich mittlerweile die Werke von Stephen King – die wohlbehütete Sammlung von meinereiner. Alle bisher erschienenen Bücher von ihm reihen sich dort aneinander, etliche sogar in mehreren Ausgaben und Sprachen, ein-zwei Raritäten mit inbegriffen.

Bekanntermaßen gilt ja King – nomen est omen – als „King of Horror“, obwohl viele seiner Romane nur wenig mit der Gattung zu tun haben, eher Psychothriller, Kriminalromane, Schauergeschichten oder gar Fantasy-Werke sind. Und auch, wenn der menschlichen Seite und der detaillierten Beschreibung von kleinen, geschlossenen Gemeinschaften oder Ortschaften in den Werken größere Bedeutung zukommt, als den übernatürlichen oder angsteinflößenden Elementen. Trotzdem habe ich bisher meine bzw. unsere Erlaubnis hinausgezögert. Das, obwohl der Junior vor etlichen Jahren die Harry Potter-Reihe und vor einigen Monaten auch die Herr der Ringe-Trilogie innerhalb weniger Wochen verschlungen hat – die fürwahr so manche kriegerische und blutrünstige Szene beinhalten.

Morgen ist es nun doch so weit, und wir werden ihm mit der Dame des Hauses neben seinen Geschenken auch die ersten beiden Romane aus meinem King gewidmeten Bücherschrank in die Hand drücken. Selbstverständlich die meiner Meinung nach wohl harmlosesten – auch wenn der morgige Schritt wohl aus dieser Sicht sein (und unser) „Rabbit Hole“ sein wird. Es wird nicht lange bei diesen beiden Büchern bleiben, da bin ich mir sicher.

Bedenken habe ich fast keine. Ich weiß, jeder Mensch ist anders, und wer weiß, welche Assoziationen bestimmte Erlebnisse hervorrufen, aber trotzdem habe ich mich vor meiner Entscheidung an meine persönlichen Erfahrungen vor über dreißig Jahren zurückerinnert. Ich selbst war zwölf oder dreizehn Jahre alt, als ich mir aus der Schulbibliothek die ersten beiden Werke von Stephen King ausgeborgt habe. Wobei ich nicht mehr genau weiß, welches Buch das erste war, aufgrund der Tatsache, dass ich die beiden frühen Romane Cujo und Christine innerhalb kurzer Zeit nacheinander gelesen habe. Auf jeden Fall aber eines, das weitaus furchterregender ist, als die, die ich nun für ihn ausgesucht habe. Zudem habe ich damals vor den besagten Werken viel weniger gelesen, als er jetzt. Überhaupt waren die Welt, die Medienlandschaft und das Tempo unseres Lebens vor mehr als dreißig Jahren eine ganz andere, als heute. In diesem Sinne wollen wir also das Beste hoffen.

2026/01/30

Räderwerk

Es wird ja in letzter Zeit sehr viel über künstliche Intelligenz und darüber gesprochen, in wie weit Maschinen uns ersetzen können, und welche Berufe quasi vom Aussterben bedroht sind. Das Thema wird in zahlreichen Lebensbereichen so ausgiebig thematisiert, dass vielen, auch mir, das ganze ehrlich gesagt schon zum Hals raus hängt.

Worüber aber wenig gesprochen wird, ist die Tatsache, dass uns beileibe nicht nur Maschinen, sondern auch andere Menschen ersetzen können. Und das war womöglich schon immer so, in diesem Bereich hat sich aufgrund der Entwicklung des Menschen und der Zivilisation kaum etwas getan. Das ganze ging mir vor kurzem durch den Kopf, als ich das innerhalb von ein-zwei Wochen gleich zweimal erlebt habe.

Dazu bedarf es nicht einmal eines größeren Ereignisses, wie dem Tod eines Menschen oder dem Ruhestand. Es reicht, wenn aus diesen oder jenen Gründen entweder ein anderer die Möglichkeit bekommt, die Arbeit zu versehen, die bisher eine beliebige Person gemacht hat. Oder – und das ist die andere Möglichkeit – die betreffende Person wird, wiederum aus diversen Gründen, ganz einfach aus einem Prozess ausgelassen, quasi ignoriert. Das heißt, die Prozesse müssen weitergehen, so oder so, koste es, was es wolle – die „Maschine“ muss ganz einfach am Laufen gehalten werden, weil die Interessen des Betreibers oder des Unternehmens dies diktieren.

Wir alle sind tatsächlich nur kleine Zahnräder in verschiedenen Räderwerken. Fallen wir vorübergehend oder endgültig aus, geht es – machen wir uns nichts vor – auch ohne uns weiter. Ob sofort oder nach einer kürzeren-längeren Zwangspause – aber es geht weiter. Ob es weiterhin wie geschmiert läuft, oder ob es doch ein bisschen hapert – aber es geht weiter. Ob es uns gefällt oder nicht, ob wir wahrhaben wollen, dass keiner von uns unersetzlich sind, oder lieber den Kopf in den Sand stecken – aber es geht weiter. Jetzt und bis in alle Ewigkeit.

Und das ist vielleicht auch gut so, aus der Sicht der Welt und der Menschheit. Unsere Aufgabe ist es, das einzusehen, je früher, desto besser, und uns damit irgendwie abzufinden. Denn: „Das große Werk, es ist vollbracht und gut. / Der Mechanismus läuft, der Schöpfer ruht. / Äonen bleibt das Räderwerk in Fluß, / Eh eine Schraube man ersetzen muß.“

2025/12/31

Ade 2025

Schon wieder ist ein Jahr vorbei. Und dass man mit zunehmendem Alter das Gefühl hat, die Zeit verstreiche schneller als früher, kann ich Jahr für Jahr nur bestätigen. Auch ohne große Ereignisse oder Meilensteine vergehen die Tage und Wochen im Nachhinein betrachtet wie im Nu. Klar, wenn man in den anstehenden Aufgaben oder laufenden Projekten mittendrin steckt, wenn viel, oft Unangenehmes zu erledigen ist, dann zieht sich das Ganze hin. Aber sonst scheint das Jahr rückblickend doch ziemlich schnell vorbeigegangen zu sein.

Wie 2026 wird, werden wir spätestens in einem Jahr beurteilen können. Das Jahr 2025 war aber insgesamt gesehen nicht schlecht, weder im privaten Bereich noch in der Arbeit. Obwohl in diesem Jahr altersbedingt leider auch zwei schmerzhafte Verluste im Verwandten- und Bekanntenkreis zu verkraften waren.

Trotz vieler Aufgaben und Herausforderung habe ich zudem im heute zu Ende gehenden Jahr fast doppelt so viele Artikel hier im Blog verfasst, als 2024. Wobei es dazu genügt – und das schreibe ich in erster Linie als Ansporn für mich selber –, wenn ich im Laufe des Jahres regelmäßig mehr als einmal pro Monat zur Tastatur greifen kann. Wahrlich keine unlösbare Herausforderung in dem vor uns stehenden neuen Jahr.

Hiermit möchte ich mich bei allen Lesern meiner kürzeren oder längeren Artikel für das Vertrauen in diesem Jahr bedanken. Auch ohne nennenswerte Kommentare und Rückmeldungen tut es gut zu wissen, dass hier hin und wieder Leser vorbeischauen, aus nah und fern. Damit wünsche ich allen Besuchern ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr. Hoffentlich lesen wir uns auch 2026!

2025/12/18

Instant Karma!

Was haben Weihnachten, die Karriereleiter und – kein Irrtum meinerseits – Abnehmspritzen gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl nicht sonderlich viel. Wenn man aber genauer hinschaut, dann fällt einem sicherlich auf, was auch mir vor einigen Tagen durch den Kopf gegangen ist, als ich im jetzigen Advent nun schon in der dritten oder vierten Wohnung in unserer Gegend die Lichter des Christbaums habe leuchten sehen.

Die Antwort – also der gemeinsame Nenner, wenn man es so will – lautet instant Gratification, zu Deutsch „sofortige Bedürfnisbefriedigung“. Ich bin mir darüber im Klaren, dass wir gerade die dunkelsten, kürzesten Tage des Jahres erleben. Aber die Adventszeit, das „Warten aufs Christkind“ hat meiner Meinung nach schon einen Sinn, auch wenn viele das in unserer schnelllebigen und säkularisierten Welt nicht wahrhaben wollen. Stattdessen möchten sie kurz nach Halloween – oder womöglich nach dem Black Friday – sofort zu dem zum Konsumfest degradierten Weihnachtsfest übergehen, auch auf das unterbewusste Drängen der Werbebranche und der diversen Läden hin.

So wie auch junge Hüpfer, die gerade erst das Studium abgeschlossen haben, in ihren Vorstellungen gleich am besten irgendwo in der Mitte auf die Karriereleiter aufspringen und nicht ganz unten anfangen, sich nicht mühsam hocharbeiten möchten. Zumindest, was die Finanzen betrifft. Wobei Absagen – insbesondere in Zeiten von KI & Co. – mit Sicherheit nicht viel auf sich warten lassen und die sofortige Bedürfnisbefriedigung schon bald der Ernüchterung weichen muss.

Und dann wären da noch die berühmt-berüchtigten Abnehmspritzen wie *zempic, über die regelmäßig in den Medien berichtet wird. Wenn einem Disziplin, Ausdauer, investierte Zeit, Energie und investiertes Geld auf Dauer zu wenig oder zu langsam Erfolg versprechen, dann verhilft man sich mit eben solchen Mitteln zu dem Traumkörper, der einem vorschwebt. In einer geringeren Zahl von Fällen deshalb, weil man sich in seinem Körper tatsächlich nicht wohl fühlt. In der Mehrzahl der Fälle jedoch, weil wiederum die Medien einem vorgaukeln, dass man gleich auch das große Glück – oder die Liebe seines Lebens, eventuell sofortigen Erfolg in der Karriere, siehe den vorigen Punkt – findet, wenn man einige Kilo loswird.

Wie schön wäre es, wenn neben der Rückkehr zum langsameren Lebenstempo – Stichwort Slow Living – mehr Menschen auch den Sinn des Wartens und der Geduld im Alltag wiederfinden würden. Alles hat seine Zeit, und alles hat seinen Sinn, auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen, oder diesen oft nicht sofort erkennen. Aber schließlich wäre es ja auch ein klassischer Fall von sofortiger Bedürfnisbefriedigung, wenn sich der Sinn der Sachen uns gleich erschließen würde.

2025/11/24

Nichts Neues

Knapp einhundert Jahre ist es her, dass einer der Klassiker der deutschen und der Weltliteratur aus der Feder von Erich Maria Remarque erschien: Im Westen nichts Neues. Irgendwie ist dieses Buch bisher an mir vorbeigegangen, obwohl ich hin und wieder lobende Worte darüber gelesen habe und es mit seinen gerade mal zweihundert Seiten nicht zu den schwer lesbaren Wälzern des literarischen Kanons gehört. Und auch, obwohl der Titel per se zu einem geflügelten Wort avanciert ist und es sicherlich nicht schadet, wenn man den Hintergrund dazu kennenlernt.

Nun habe ich mich endlich für die Lektüre entschieden, kann mich jedoch nur schwer mit dem Werk anfreunden. Ich erkenne seinen Wert, seine Bedeutung und die so wichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg – noch dazu aus Sicht der gemeinen Soldaten – ohne Wenn und Aber an. Aus dieser Sicht verneige ich mich tatsächlich vor einem überaus wichtigen und großen Roman, der – auch nach knapp einhundert Jahren – in unseren Tagen so aktuell ist wie eh und je.

Der Grund, weshalb mir das Buch nicht in guter Erinnerung bleiben wird, ist absurder Weise derselbe, weshalb es mir inhaltlich und literarisch gefallen hat und meine Anerkennung verdient. Die überaus reale, naturalistische, ja teilweise brutale Beschreibung des Alltags und des Soldatenlebens an der Front des Ersten Weltkriegs war für mich zu viel. Selbstverständlich muss man meine Meinung und Feststellung aus der Sicht des im 21. Jahrhundert, in der Mitte Europas lebenden, Komfort auf höchster Stufe genießenden Menschen lesen und bewerten, darüber bin ich mir durchaus im Klaren. Zudem sind sicherlich auch die tagtäglich auf uns einprasselnden, beunruhigenden Nachrichten derzeit nicht gerade zuträglich für eine positive Bewertung des Werks: Der seit Jahren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft tobende Krieg, die nach und nach scheiternden Waffenstillstände und Friedensbemühungen und die in zahlreichen Ländern Europas wieder eingeführte oder zumindest mittel- und langfristig geplante Wehrpflicht.

Aus meiner obigen, zur Zeit noch bequemen Perspektive betrachtet, war die an vielen Stellen rohe Beschreibung der Angst, des Schreckens und des Leids des Krieges also einfach viel zu bedrückend, traurig und brutal – und doch ist sie meines Erachtens so wichtig. Besser gesagt: Es wäre wichtig, dass auch in unserer Zeit möglichst viele diese Beschreibung lesen, die heute mit einem Federstrich über Leben und Tod von Menschen und unsere Zukunft entscheiden. In diesem Sinn hat also Remarque sein vermeintliches Ziel perfekt erreicht: Er hat ein weltberühmt gewordenes, beunruhigendes Abbild der Realität des Krieges geschaffen, das uns allen die Brutalität des Menschen mit ihren viel zu wenig thematisierten Konsequenzen vor Augen führt. Also aus dieser Perspektive betrachtet, noch einmal: Hut ab!

2025/10/30

Aufzeichnungen aus dem Kellerloch (5)

Nun ist auch schon der Oktober vorbei, und wir haben auch die Zeitumstellung hinter uns. Neben einer Menge Arbeit und den familiären Verpflichtungen blieb nicht allzu viel Zeit für andere Dinge übrig. Die lang ersehnten Herbstferien bzw. der Urlaub boten aber eine etwas größere Verschnaufpause für uns alle. Unter anderem mit zwei größeren Wanderungen, da in diesen Tagen auch das Wetter sehr gut mitspielte. Nach dem vielen arbeitsbedingten Sitzen taten die ungefähr zweimal 14 Kilometer – auf einer der Touren streckenweise bergauf und bergab – richtig gut. Aktive Entspannung eben, und die Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen und mal in der Natur abzuschalten.

Daneben konnte ich dank des Urlaubs auch ziemlich viel lesen, sodass ich mich selbst ein wenig wundere, dass ich so etwa im Laufe eines knappen Monats die Trilogie Jesus von Nazareth von Benedikt XVI. beenden konnte. Ehrlich gesagt hatte ich vor dem Lesen meine Befürchtungen, dass die über 600 Seiten ziemlich schwer verdaulich sein werden. Klar, ich habe als interessierter Laie beileibe auch nicht alle theologischen Ausführungen, Folgerungen und Feststellungen des ehemaligen Kirchenoberhaupts verstanden. Trotzdem bin ich froh, die Trilogie nunmehr gelesen zu haben, viele neue historische und theologische Kenntnisse erworben und zahlreiche, bisher nicht gekannte oder gefolgerte Zusammenhänge kennengelernt zu haben. Ein sehr empfehlenswertes Werk für alle Interessierten.

Der November verspricht ähnlich turbulent zu werden, wie der gerade ausklingende Monat. Oder noch turbulenter, da am Ende leider auch keine Ferien bzw. kein Urlaub in Aussicht ist. Somit bleibt als Lichtstreifen am Horizont der Dezember, der aufgrund der Feiertage und freien Tage gegen Ende des Monats hoffentlich wieder etwas weniger stressig wird.

2025/09/30

Frauen dieser Welt

Gesagt, getan. Nach den Lesefiaskos der vergangenen Monate musste es mal wieder etwas von Stephen King sein. Und tatsächlich: meine Enttäuschungen der letzten Zeit lagen eher am Thema, an der Handlung und an der fordernderen Sprache, als am Verlust der Leselust oder Konzentrationsfähigkeit an sich. So kam es, dass ich in diesen nicht ganz zwei Monaten seit August gleich vier Bücher von meiner Liste streichen konnte, die schon seit Längerem in meinem Bücherregal ihr Dasein fristeten.

Wobei die ersten drei – Gwendys Wunschkasten, Gwendys Zauberfeder und Gwendys letzte Aufgabe – zusammen eine Trilogie bilden. Der zweite Teil stammt von Richard Chizmar, die anderen beiden Teile wurden von King und Chizmar gemeinsam verfasst. Die Geschichte führt zurück ins altbekannte Städtchen von Castle Rock, das bei Fans des Autors an sich schon für ein angenehmes Gefühl in der Magengegend sorgt. Protagonistin ist die im Titel genannte Gwendy Peterson, die im Laufe der Bücher erwachsen wird, und deren Schicksal von einem mysteriösen Holzkästchen begleitet wird, das ihr ein noch mysteriöserer Mann als 12-Jährige anvertraut. Ich fand die drei Bücher umspannende Geschichte ziemlich spannend und kurzweilig, und Gwendys Figur gut ausgearbeitet und sympathisch. Etwas überraschend führt der Abschluss der Trilogie den Leser sogar ins Weltall, was ein ungewöhnlicher, aber durchaus wirksamer Schachzug seitens der Autoren war.

Anschließend musste ich den Schwung vom August im September beibehalten, sodass auf Gwendys Geschichte die von Holly folgte. Und wiederum dreht sich diese – wie es der Zufall so will – um eine Frau, nämlich die Privatdetektivin Holly Gibney, die im Laufe der vergangenen zehn Jahre hin und wieder in den Romanen und Kurzgeschichten von King auftaucht und von einer Nebendarstellerin nunmehr zur Protagonistin avanciert ist. Der hier zu lösende verstörende Kriminalfall und seine Beschreibung haben mich, soweit ich mich zurückerinnern kann, mehr in in ihren Bann gezogen, als die früheren Romanhandlungen, in denen noch der Detektiv Bill Hodges die Hauptrolle spielte. Das Buch beinhaltet naturgemäß zahlreiche Rückverweise auf diese Werke, kombiniert aber die Elemente des Kriminalromans geschickt mit denen eines Thriller- und Horrorromans. Auf diese Weise kommen meiner Meinung nach sowohl diejenigen auf ihre Kosten, die sich mehr für das Aufdecken von Kriminalfällen, die Detektivarbeit oder die Person der Privatdetektivin an sich interessieren als auch diejenigen, die Kings Werke für ihre schauerhaften, ja gruseligen Elemente lieben. Anhängern des Übernatürlichen hingegen sei eher der oben beschriebene Dreiteiler ans Herz gelegt, da im Buch Holly dieser Strang vollkommen fehlt.

Alles in allem sind es also wieder einmal lesenswerte Werke von King, die man gut und gerne auch öfter lesen kann. Und für mich persönlich war es eine angenehme Rückkehr zum schnelleren Lesetempo und zum Genießen von Büchern mit spannenden Handlungen, wo alles Schlag auf Schlag geht.

2025/09/25

Mikroabenteuer

Ich bin unlängst in einem Artikel schon zum zweiten Mal innerhalb einiger Monate über den obigen Begriff gestolpert. Das dürfte kein Zufall sein, dachte ich mir, und er sollte deshalb auch hier kurz erwähnt werden. Zumal mich das Konzept ehrlich gesagt reizt und ich mich nach dem Lesen des Artikels auch durch andere Beiträge zum Thema durchgeklickt habe.

Das besagte Konzept und der Begriff an sich gehen auf Alastair Humphreys zurück, einem 1976 geborenen britischen Abenteurer, der um das Jahr 2011 herum dieses passende Wort für seine kleineren und größeren Unternehmungen erfand. Dabei handelt es sich um kurze, einfache Abenteuer, die – über die Woche oder am Wochenende – ziemlich problemlos bzw. mit wenig Aufwand in den Alltag integriert werden können, ohne groß verreisen zu müssen. Das Spektrum ist dabei ziemlich breit, und unserer Fantasie sind quasi keine Grenzen gesetzt. Ob im Garten unter freiem Himmel schlafen, – wenn es die Arbeit zulässt – in der Früh spontan entscheiden, einen Ausflug zu machen, mit verschlossenen Augen auf einem Stadtplan oder einer Landkarte ein Ziel für den Tag finden, bei Mondschein ein nahegelegenes unbekanntes Terrain erkunden, oder auf einem Umweg zur Arbeit fahren – das sind nur einige Ideen, über die ich gelesen habe. Das alles auf einen Tag oder vielleicht ein Wochenende reduziert.

Für so manchen mag das nichts Besonderes sein. Ich jedoch bin von der Sorte Mensch, der immer so viel wie möglich im Voraus planen, sich dann auch daran halten möchte und der Spontaneität – bewusst und unbewusst zugleich – nicht viel Spielraum lässt. Mit voranschreitendem Alter sehe ich aber an mir, dass es mir nunmehr leichter fällt, zumindest hin und wieder von meinem Plan abzuweichen und Dinge lockerer zu sehen. Das wird sich vermutlich im späteren Leben noch einmal ändern, wenn ich aufgrund diverser Macken und Routinen im Alter nicht mehr so locker und flexibel sein kann.

Vorerst habe ich mir aber, um die „Gunst der Stunde“ zu nutzen, vorgenommen, zu versuchen, mir solche und ähnliche, für unsere Verhältnisse reale Mikroabenteuer zu überlegen und vielleicht sogar in mein bzw. unser Familienleben zu integrieren. Womöglich findet sich ja dann auch einmal in diesem Blog der eine oder andere Eindruck von diesen potentiellen Abenteuern wieder.

2025/08/29

Sauerteig Superdry

Im Dezember werden es nun schon sechs Jahre, dass ich mich an mein persönliches Sauerteig-Experiment gewagt habe, das – zu meinem größten Erstaunen – gleich beim ersten Anlauf von Erfolg gekrönt wurde. Ich bin einerseits stolz darauf, dass er seit nunmehr sechs Jahren ununterbrochen in unserem Kühlschrank lebt und gedeiht. Andererseits auch ein bisschen stolz auf die Tatsache, dass ich noch vor dem großen Sauerteig-Hype, der nur wenige Monate später aufgrund der Pandemie einsetzte, das Brotbacken und speziell das Backen mit Sauerteig für mich entdeckt hatte – wie dies auch mein diesbezüglicher Beitrag an dieser Stelle belegt.

Auch wenn ich selber im Alltag mittlerweile fast kein Brot mehr esse und versuche, es durch andere Lebensmittel zu ersetzen, backe ich immer noch regelmäßig frisches, hausgemachtes Brot für die Familie. Im Rahmen dieses Prozesses habe ich vor einigen Wochen einen weiteren Versuch gestartet, über den ich unlängst gelesen hatte: Backen mit getrocknetem Sauerteig. Dies soll früher gang und gäbe gewesen sein, weil man sich damit das regelmäßige Füttern des nassen Sauerteigs erspart. Und siehe da: Auf eine entsprechende Nachfrage hat mir auch meine Mutter diese Information aus dem Netz gleich bestätigen können.

In der Praxis bedeutet das nichts anderes, als dass die am Rand der Rührschüssel übrig bleibenden Teigreste des aktuellen Sauerteigbrotes ganz einfach für einige Stunden dort gelassen oder auf einem Blech mit Backpapier getrocknet werden. Beim nächsten Backvorgang kann man dann mit ein wenig frischem Mehl und Wasser den getrockneten Sauerteig wieder aktivieren und im nächsten Brot – ohne frischen gefütterten Sauerteig – verwenden. Der einzige Unterschied zwischen der gefütterten und der getrockneten Substanz besteht darin, dass die Letztere ein klein wenig Salz enthält – aufgrund der Tatsache, dass man den Brotteig als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt nutzt.

Die bisherigen beiden Versuche sind problemlos gelungen. Mein ursprüngliches Experiment werde ich zwar auch weiterhin beibehalten und regelmäßig füttern. Aber nun kann ich, wenn Bedarf bestehen sollte, nicht mehr nur frischen Sauerteig verschenken, sondern auch getrockneten, der viel leichter zu handhaben ist. Im Übrigen gibt es solchen neuerdings auch zu kaufen, wie ich im Netz gesehen habe, so wie ja auch Trockenhefe erhältlich ist. Selbstverständlich funktioniert der beschriebene Prozess ganz sicherlich auch bei hausgemachten Broten, die mit Hefe gebacken werden, auch wenn ich das noch nicht ausprobiert habe.