Meinungsmacher und Besserwisser in den (sozialen) Medien können mich wirklich auf die Palme treiben. Wobei selbsternannte Meinungsmacher und Apostel wohl die schlimmsten sind. Am Wochenende bin ich beim Lesen im Internet mal wieder über so einen Typen gestolpert, der seinen Lesern erklären wollte, wie ein Mann sich im kurz bevorstehenden Sommer kleiden sollte. Ich erspare jedem die Details, es reicht zu wissen, dass der Beitrag selbstverständlich auf die üblichen Kategorien und Kleidungsstücke zu sprechen kam: Hemden, Polohemden, kurze Hosen, Sandalen und ähnliches, wobei der selbsternannte Modeguru seinen Lesern quasi vorschreiben wollte, wie man sich bei über 30 Grad zu kleiden habe – und wie nicht. Denn alles andere, was von seinen Vorgaben abweicht, ist natürlich – wenn man zwischen den Zeilen liest – ein absolutes No-Go, peinlich oder gar lächerlich.
Neben solchen Modeaposteln fallen mir noch zwei Bereiche in den verschiedenen Medien ein, in denen Neunmalkluge häufig anzutreffen sind. Einerseits im Sport – und insbesondere im Fußball –, wo sich Fans, die im Grunde Laien sind, und Journalisten als Experten präsentieren und ihren aktuellen Senf dazugeben. Aber auch ehemalige Spieler, die womöglich seit Jahrzehnten nicht mehr nah am Geschehen dran sind, von ihrem Ruf als Spieler leben, nie als Trainer gearbeitet oder als solche kläglich versagt haben, gehören dazu.
Und dann wären da noch – quasi als Dritte im Bunde – die selbsternannten oder von den Medien hochgehobenen Literaturpäpste, die uns Lesern weismachen wollen, warum ein Roman gut oder schlecht sei, oder warum der eine Schriftsteller angeblich zum literarischen Kanon gehört bzw. gehören sollte, der andere aber auf keinen Fall. Ja sogar, warum einem ein Buch gefallen sollte – und wenn es das nicht tut, dann habe man es eben nicht verstanden und sei als Leser ganz einfach noch nicht so weit in der Entwicklung fortgeschritten.
Über oder unter jeden solchen Beitrag oder Artikel eines Meinungsmachers sollte man dazuschreiben, dass es sich um die Meinung eines Einzelnen, nämlich die des Verfassers, handelt. Und vielleicht auch das geflügelte Wort, das mir beim Lesen der Beiträge von solchen Besserwissern häufig in den Sinn kommt. Die werten Leser wissen schon: Ich meine natürlich das folgende: Meinungen sind wie… Nasen. Jeder hat eine, aber keinen interessiert die des anderen.
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