2013/10/25

Bis in alle Ewigkeit?

Es gibt zwei Sorten von Menschen, wenn es um E-Mails geht, glaube ich. Diejenigen, die horten, und diejenigen, die löschen. Ein Mittelding gibt es wohl nicht. Das ganze ist mir heute Abend eingefallen, als ich nach der erfolgreichen Verteidigung meiner Dissertation mein E-Mail-Postfach ein wenig umgekrempelt und übersichtlicher gestaltet habe.
Die Zeiten, in denen man vieles rasch löschen musste, weil sonst kein Platz für anderes (oder gar Wichtiges) war, sind ja fast vorbei. Die Gigabytezahl bei G**gle wächst ständig, zurzeit sind es 15 an der Zahl, wenn ich richtig sehe. Insofern hat natürlich die Einstellung, alles zu horten, durchaus ihre Daseinsberechtigung. Man weiß ja nie, wann man einen Briefwechsel noch einmal braucht, wann man auf einen Gedanken aus einem Brief im Nachhinein reagieren möchte usw.
Aber seien wir ehrlich: die Chancen dafür sind doch ziemlich niedrig. Im Grunde geht es denjenigen, die horten, nur um die Bequemlichkeit und Gemütlichkeit, die zig Gigabyte in unserem Zeitalter hergeben. Der E-Mail-Bestand stört nicht, er macht keinen Ärger, insofern kann er ruhig dort liegen bleiben, wo er ist, denken sich wohl die meisten.

Die andere Gruppe, zu der ich mich zähle, ist stets dran, im erstbesten Augenblick E-Mails zu löschen. Da wird kein Gedanke daran verschwendet, dass die Nachricht irgendwann einmal in ferner Zukunft eventuell nützlich sein könnte – ganz auszuschließen ist dies ja nicht. Private Briefwechsel bleiben – mit einigen wenigen Ausnahmen – höchstens einige Tage im Postfach, und bei beruflichen Dingen muss es schon sehr wichtig sein, um mehr als einen Monat nicht gelöscht zu werden. Einiges wird dabei natürlich auch anderswo gelagert, wie zum Beispiel bei Evernote, aber das meiste wird doch gnadenlos gelöscht und verschwindet im Äther, weil es sonst ganz einfach nervt.
Zahlenmäßig bedeutet das bei mir zurzeit, dass ich gerade einmal 2 % des zur Verfügung stehenden E-Mail-Speichers nutze. Wobei ich immer zu Beginn des folgenden Monats, der schon wieder im Anmarsch ist, noch einmal einige berufliche Sachen lösche, die ich nicht mehr brauche.
Womöglich rührt das ganze aus der Zeit, als das E-Mail-Postfach tatsächlich einen Bruchteil des heutigen Potenzials aufwies. Aber andererseits ist es wohl auch eine Einstellungssache und eine Denkweise. Aus den Augen – aus dem Sinn. Was nicht mehr in der Inbox und auch nicht mehr in einer archivierten Mappe lagert, ist nicht mehr wichtig, damit muss man sich nicht mehr beschäftigen. Falls doch, kommt früher oder später eine neue E-Mail in der Sache, bis dahin kann sie ruhigen Gewissens gelöscht werden.

Kommentare:

  1. Denkst du denn nicht an posthume Veröffentlichungen geschichtsträchtiger Briefwechsel?!

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  2. Tja, daran habe ich bisher wirklich nicht gedacht. Wie wahr! :-)

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