2025/07/16

Vom Dschungel ins Paradies

Ich weiß auch nicht so recht, warum ich damals über die beiden früheren Konzerte von Guns N’ Roses, bei denen ich dabei sein konnte, auf diesen Seiten nicht berichtet habe. Muss wohl dieser unsägliche Zeitmangel gewesen sein. Asche über mein Haupt. Auf jeden Fall habe ich mir aber gedacht, diesen Fehler einerseits diesmal nicht ein drittes Mal zu begehen, andererseits den Mangel an dieser Stelle nun mit meinen ausführlichen Gedanken zum jüngsten Auftritt vergessen zu machen.

Dabei waren auch die beiden früheren Konzerte ein unvergessliches Erlebnis. So wie Metallica seit meiner Studentenzeit zu meiner Lieblingsband avancierten, waren Guns N’ Roses die prägende Band par excellence meiner Kindheit und Pubertät. Der große Schmerz, sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, im Rahmen der Use Your Illusion-Welttour um 1992 herum nicht gesehen zu haben, obwohl mein Bruderherz damals in diesen Genuss gekommen war, hat sich mittlerweile – spätestens seit gestern hoffentlich für immer – gelegt.

Nach dem Zerwürfnis der Urgesteine Axl, Slash und Duff, der Farce um die Entstehung des in neuer Besetzung aufgenommenen Albums Chinese Democracywer erinnert sich noch? – hätte wohl niemand gedacht, dass die drei genannten Herren auf die Sechzig zugehend wieder zueinander finden. Treffender, als das herrlich ironische Motto der Reunion-Tour vor einigen Jahren, hätte man die Situation damals nicht formulieren können: Not in This Lifetime...

Nun aber bot sich für mich nach 2017 in Wien und 2023 in Budapest erneut die Gelegenheit, GN’R live zu erleben. Wer als 60-Jähriger (wie Bassist Duff oder Gitarrist Slash, der in genau einer Woche seinen runden Geburtstag feiert) oder als Ü60-Jähriger (Axl Rose ist bereits 63) alle paar Tage ein beinahe dreieinhalbstündiges (!) Marathon-Konzert absolviert, dem gebührt an sich schon alle Ehre. Bei dieser Länge ist man auch schon als einfacher Zuschauer massiv gefordert – und diese Herren schonten sich gestern keine Minute auf der Bühne. Dass sie sich an diesem lauen Sommerabend wohlfühlten, sah man ihnen nicht nur an ihren Gesten und an Axls Kommentaren an. Davon zeugt auch die Tatsache, dass in dieser Zeit insgesamt 32 Songs zum Besten gegeben wurden, zwei-drei Lieder mehr als bei den Konzerten zuvor.

Apropos, Welttournee. Diesmal stand die Produktion unter dem ebenfalls treffenden, verschmitzten Motto Because What You Want & What You Get Are Two Completely Different Things. Trotz der Konzertlänge und der Songanzahl wurden nämlich diesmal zum Beispiel die beiden Klassiker Patience und Don’t Cry ganz einfach aus dem Programm gestrichen. Dafür hörten wir einige Lieder mehr, die aus der Ära von Chinese Democracy stammen, ebenso wie etliche Coverversionen. Darunter einen Meilenstein des Heavy Metal, Sabbath Bloody Sabbath, der für GN’R als ziemlich ungewöhnlich bezeichnet werden kann, aber einige Tage zuvor beim Bühnenabschied von Black Sabbath und Ozzy Osbourne in Birmingham bereits zum Besten gegeben wurde.

Wer – euphemistisch gesagt – fordernde Jahrzehnte wie diese Musiker, vor allem Axl Rose, hinter sich hat und mit fast Mitte Sechzig quasi laufend, Abend für Abend, noch solch eine Show abliefern kann, verdient es, dass wir den Hut vor ihm ziehen. Da lohnt es sich überhaupt nicht darüber zu lamentieren, dass der Frontmann nicht mehr alle hohen Töne singen kann, oder dass seine charakteristische Stimme vom Höhepunkt seiner Karriere nicht mehr die gleiche ist. Nach einigen Jahren unterdurchschnittlicher Produktionen ist die Stimme aber wieder da, überdurchschnittlich und mehr als zufriedenstellend, vor allem im Rahmen von Live-Auftritten. So wie auch seine Form und Fitness, mit der es zwischenzeitlich auch Probleme gab.

Alles in allem war es ein fantastischer musikalischer Abend mit beinahe allen großen Hits der frühen Jahre, noch dazu weit vorne stehend, in unmittelbarer Bühnennähe. Für mich ist es immer wieder ein Genuss, vor allem live, monumentale, ja epische Lieder wie Estranged oder Civil War zu hören – um andere Höhepunkte als das immer wieder erwähnte, allseits bekannte November Rain zu nennen.

Ob der Anfang und das Ende der gestrigen Show mit den Hits Welcome to the Jungle und Paradise City genauso durchdacht war, wie das diesjährige Motto, weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass wir auf dieser großen, dreieinhalbstündigen Reise vom Dschungel losgehend im Paradies angekommen sind. Eine schönere Reise hätte ich mir ehrlich gesagt nicht wünschen können. Wenn es kein Abschied auf Raten, sondern ein endgültiger wäre – was man bei diesen Herrschaften aufgrund ihres Alters leider genauso wenig wissen kann, wie im Fall von Iron Maiden vor wenigen Wochen – hätte ich ihn mir nicht viel schöner komponiert vorstellen können... Oder vielleicht doch, in Bezug auf eine winzige Kleinigkeit: Wenn sie den ersten Song des Konzerts damals, vor mittlerweile 38 (!) Jahren, Welcome to Hell genannt hätten und wir gestern aus der Hölle im Paradies angekommen wären.

2025/07/04

Aufzeichnungen aus dem Kellerloch (4)

Stichwort Kinder aus meinem jüngsten Beitrag hier im Blog vor ein paar Tagen. Hin und wieder hört man die extreme Meinung, dass das Elternwerden an eine Lizenz gebunden werden sollte. In bestimmten Fällen kann ich dem ehrlich gesagt zustimmen. Aber viel eher würde ich persönlich dafür plädieren, zunächst einmal eine Lizenz für zukünftige Herrchen und Frauchen einzuführen, was sogar viel realitätsnaher ist, als die erstgenannte Forderung.

Was ich da Tag für Tag auf der Straße erlebe, macht mich schon nachdenklich. Hunde ohne Maulkorb, wo es vorgeschrieben wäre. Aufsammeln von Hundekot – Fehlanzeige. Hunde an der Leine oder ohne, denen ich notgedrungen auf dem Gehsteig ausweichen muss, weil das liebe Herrchen seinen Köter nicht entsprechend dressieren oder instruieren kann. Regelmäßiges minutenlanges lautes Gebell von demselben Hund beim Vorbeigehen an Nachbarhäusern mit Hunden im Garten, immer ungefähr um dieselbe Uhrzeit. Nur weil der Besitzer aus einem mir nicht ersichtlichen Grund nicht eine andere Route zum Gassigehen wählen möchte.

Mittlerweile ist die Hälfte des Jahres auch schon wieder vorbei. Unglaublich, wie schnell die Tage, Wochen und Monate vorbeigehen, wenn man allerhand um die Ohren hat. Vorhin war ja noch Weihnachten, und so langsam liegt die Hälfte der Sommermonate bereits hinter uns… Und wenn ich mir anschaue, was ich noch im Juli vor dem Urlaub, oder spätestens Ende August schaffen muss, oder wie weit ich nach Möglichkeit für den Herbst vorarbeiten sollte, dann wird vom Gefühl her auch die zweite Sommerhälfte ruckzuck vorbei sein.

2025/06/26

Out for summer

Alle drei Sprösslinge haben in diesen Tagen ein makelloses, ausgezeichnetes Zeugnis mit nach Hause gebracht. Ein Grund, ein bisschen stolz auf sie zu sein, aber als es in den Vorjahren hin und wieder nicht ganz so war, war auch das der Meinung der Dame des Hauses und meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung.

Ehrlich gesagt ist es schon interessant, wie anders man als Erwachsener auf schulische Erfolge oder Misserfolge blickt. Klar, für ihre Entwicklung, ihr Selbstvertrauen sind solche Bestätigungen durchaus wichtig. Auch quasi als Belohnung für die Disziplin und die Arbeit, die sie im Laufe des Schuljahres monatelang ins Lernen stecken. Und schließlich ist Schüler der Beruf und Schule die tägliche Arbeit der Kinder. Insofern ist es durchaus normal, dass einem als Kind einiges daran liegt – dem einen mehr, dem anderen weniger.

Aber auf lange Sicht und aus Sicht von Später – es ist wohl wieder dieses Älterwerden, was mich das sagen lässt – ist der Grad des schulischen Erfolgs im Grunde genommen nebensächlich und kein Garant bzw. kein Ausschlusskriterium für irgendetwas. Insofern sehe ich der Aushändigung der Zeugnisse immer gelassen entgegen.

2025/06/04

Siebzehn Jahr

So wirklich strohblondes Haar hat bei uns niemand (mehr) in der Familie, und dieser Blog hatte es selbstverständlich auch nie. Er hat höchstens einen langen Bart, weil dieser ihm nunmehr seit unglaublichen 17 Jahren wächst.

Dass ich hier so lange durchhalten würde, hätte ich mir ehrlich gesagt nie erträumt. Wobei ich mir auch nicht wirklich so viele Gedanken darüber gemacht habe, als ich damals mit diesem virtuellen Tagebuch angefangen habe. Und auch heute noch ist diese Tatsache im Grunde unwesentlich. Wenn ich gerade Zeit, Lust und ein entsprechendes Thema habe, das mich interessiert, mich wurmt, oder mir etwas Nennenswertes widerfahren ist, dann greife ich eben zur Tastatur. Immer ein Beitrag nach dem anderen, ohne Druck von innen oder von außen.

Die Tatsache, dass sich dabei zwischenzeitlich ein beachtliches Sammelsurium von Ereignissen ergeben hat, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Auch dann, wenn es womöglich nur eine Dutzend Leser gibt, die sich für das interessieren, was ich hier hin und wieder verzapfe. Ihnen sei aber an dieser Stelle wieder einmal ganz herzlich gedankt. Ich würde vermutlich auch ohne ihr Interesse hier weitermachen. Aber zu wissen, dass einige über kürzere oder längere Strecken mit von der Partie sind und in unserer schnelllebigen Welt manchmal sogar einen der seltenen Kommentare hinterlassen, ist ein wohltuendes Gefühl. Mit den werten Mitlesern geht es also ab morgen in kleinen Schritten, aber geradewegs auf die Blog-Volljährigkeit zu.

2025/05/30

50 Jahre und kein bisschen leise

Wie schon im vorigen Beitrag, soll es auch hier um Musik gehen, jedoch ganz anderer Art. Heimische Gefilde sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes. In dieser Woche fiel nämlich der Startschuss für die neue, auf dieses und nächstes Jahr angelegten Welttournee von Iron Maiden, und ich hatte die Ehre, die Urgesteine des Heavy Metal wieder einmal live zu erleben, quasi gleich zum Auftakt. Nach dem bis dato letzten Auftritt vor drei Jahren, der ein Open-Air war, nun erneut in einer Indoor-Arena, wie schon im Jahr 2014

Anlass der aktuellen Tour ist das 50-jährige Bestehen der Band. Eine unglaubliche Zahl, so wie auch ihre Auftritte noch immer unglaublich und schier überwältigend sind. Diese Art von energiegeladener Musik in solch einem Tempo, mit einer solchen Wucht, kombiniert mit solch einer pompösen Bühnenshow alle paar Tage auf die Bühne zu bringen verdient alle Ehre.

Was wir geboten bekamen, waren über zwei Stunden Heavy Metal vom Feinsten, mit einer digitalen Show auf einer riesigen Leinwand, die selbst Vertreter der jüngeren Musikergenerationen alt aussehen lässt. Aus den zwölf Jahren zwischen dem ersten Studioalbum Iron Maiden aus dem Jahr 1980 und der Scheibe Fear of the Dark von 1992 wurden insgesamt 17 Songs zum Besten gegeben. Darunter Hits von epischer Länge wie Phantom of the Opera, Rime of the Ancient Mariner, Seventh Son of a Seventh Son und der Klassiker Hallowed Be Thy Name, der wohl von der spektakulärsten digitalen Bühnenshow begleitet wurde.

Ob es irgendwann einmal eine Fortsetzung dieser Tournee mit den Alben aus dem weitaus größeren zweiten Teil der Bandkarriere geben wird, steht noch in den Sternen, zumal Bruce Dickinson & Co. auch nicht jünger werden. Wer also Interesse und die Möglichkeit hat, sollte sich ein Konzert dieser Tour auf keinen Fall entgehen lassen.

Für mich war es insgesamt bereits das siebte Mal, dass ich die Band live sehen durfte, so oft wie keine andere. Ich hoffe aber auf einen Gleichstand, ja sogar einen Führungswechsel im nächsten Sommer, wenn Metallica wieder in Europa gastieren und in ausgewählten Städten gleich zwei Auftritte innerhalb von zwei Tagen hinlegen werden.

2025/05/23

Sind wir nicht alle ein bisschen... ?

Hip-Hop und Rap sind ja nicht so wirklich meine Welt. Auch wenn es, als ich noch ein Kind war, eine kurze Phase gab, als ich ein-zwei Songs von Kris Kross oder später Coolio gut fand. Um dieselbe Zeit herum erschien mit Die da!?! die bis dato wohl erfolgreichste Single der Fantastischen Vier, die ich ebenfalls cool fand, zumal sie Deutsch und nicht Englisch sangen.

Und genau über die Fanta 4 bin ich vor kurzem anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens in Form einer Doku wieder gestolpert. Das an sich ist schon ein bemerkenswertes Jubiläum, noch dazu immer noch in Originalbesetzung. Was mich jedoch noch mehr überrascht hat, waren die Songs, die ich aus Kinder- und Jugendtagen alle noch wiedererkannte, als es jetzt mit mir den Rabbit Hole bei Y*utube hinunterging.

Mir war überhaupt nicht bewusst, dass sie im Laufe der Jahre – vor allem in der ersten Karrierehälfte – so viele Hits hatten, geschweige denn, dass ich mich noch so gut an diese erinnern kann. Teilweise sogar konkret an die Songtexte oder zumindest einzelne Passagen dieser. Nach dem eingangs erwähnten größten Hit folgten noch Saft, Zu geil für diese Welt, Sie ist weg, Populär, MfG – Mit freundlichen Grüßen, Troy, Geboren und Ernten was wir säen. All das innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt.

Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang noch zwei Dinge. Einerseits, dass die Bandmitglieder – so weit ich das aufgrund des in den Medien vermittelten Bildes beurteilen kann – trotz des Erfolgs so bodenständig geblieben und trotz der jugendlichen Musikrichtung in Würde gealtert sind. Andererseits, dass ich persönlich diese Hits bis heute gut und – sowohl für die Band als auch für mich selbst – vertretbar finde, auch wenn ich nie ein Fan dieser Musikrichtung oder der Band gewesen bin. Also: Hut ab vor den Fanta 4, die mir einige sehr herzerwärmende nostalgische Minuten bereitet haben.

2025/04/30

Seelenfrieden

Neulich habe ich unweigerlich ein kurzes Gespräch einer Bekannten mit einer anderen mitgehört. Die beiden standen direkt neben mir, sodass ich ihre Worte einerseits nicht überhören konnte. Andererseits ging es – wie das beim Smalltalk so üblich ist – lediglich um Belanglosigkeiten. Und um eine genau solche Belanglosigkeit soll es auch in diesem Beitrag gehen.

Die erwähnte Bekannte ist eine geschiedene Frau mit Kindern und geht langsam, aber sicher auf die Sechzig zu. Sie hat in ihrem Beruf quasi alles erreicht, was möglich ist und könnte sich theoretisch auf ihren Lorbeeren ausruhen. Der Preis für all das dürfte jedoch ziemlich hoch gewesen sein. Dass ihre Ehe (auch) wegen ihrer persönlichen Ambitionen scheiterte, kann ich aus unserer Bekanntschaft nur erahnen. Aber ihre Worte im besagten Gespräch sprechen auf jeden Fall Bände.

Auf die Frage der Gesprächspartnerin, wie es ihr denn gehe, antwortete die Bekannte nämlich unter anderem kurz und ziemlich bedröppelt: Sie hätte viel zu tun, und es wäre ein Jammer, dass das Leben an uns so vorbeiziehe und wir fast nie innehalten könnten, um das Leben einfach mal zu genießen.

Trotz aller Empathie für sie und ihre Situation muss ich sagen: Ihre Worte waren Balsam für meine Seele. Sie bestärkten mich nämlich darin, dass ich alles richtig gemacht habe und mache. Überdurchschnittlicher beruflicher Erfolg, hohe und vor allem Führungspositionen erfordern nicht nur bis zum Augenblick ihres Erringens Kraft, Disziplin und Arbeit. Einmal oben angekommen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Ausruhen auf den Lorbeeren. Schließlich muss man einerseits sich und den anderen stets beweisen, dass man nicht zufällig dort ist, wo man gerade ist. Andererseits geht das auch mit Aufgaben und Verpflichtungen einher, die man notgedrungen nicht zurückweisen kann.

Jedem das seine, wie man so schön sagt. Für mich wäre das – trotz diverser bisheriger beruflicher Erfolge und erreichter Ziele – mit Sicherheit nichts. Dafür sind mir meine Ruhe, mein innerer Frieden, mein Privatleben und meine Freizeit viel zu wichtig. Aber zum Glück denken wir ja nicht alle gleich. Die Prioritäten der erwähnten Bekanntschaft sind andere, und sie nimmt dafür den entsprechenden Preis, nämlich ihren Seelenfrieden, ganz einfach in Kauf. Mich wiederum motiviert ihre jüngst mitgehörte resignierte Aussage. Es scheint, als ob ich alles richtig gemacht hätte.