2014/06/06

Phantom of the Arena

Nach 2000, 2003 und 2008 hatte ich vorigen Dienstag nun schon zum vierten Mal die Gelegenheit, die britische Heavy-Metal-Legende Iron Maiden live in Budapest zu erleben. Trotzdem war es eine Premiere für mich, denn die Show in der Sportarena war das erste Indoor-Konzert von ihnen, das ich live gesehen habe.
Obwohl in solchen Fällen die Möglichkeiten natürlich eingeschränkt sind, haben wir neben dem musikalischen Erlebnis auch eine fantastische Show geboten bekommen, mit einer Portion Pyrotechnik, großen Leinwänden und einigen Einspieler sowie natürlich dem Band-Maskottchen Eddie in diversen Formen.
Einige der vorgetragenen Songs wurden wohl zum letzten Mal live präsentiert, da die jetzige Tournee die Alben und Hits der Achtziger Revue passieren lässt. Es reihte sich Hit an Hit, und wir kamen aus dem Staunen gar nicht heraus. Wie das so ist, vermisste man am Ende den einen oder anderen Song (wie zum Beispiel The Clairvoyant oder Afraid to Shoot Strangers), aber ich ziehe auch meinen Hut vor der Band, da sie es wagte, auch den Überhit Hallowed Be Thy Name – obwohl im Jahr 1982 veröffentlicht, also zeitlich passend – auszulassen und dafür selten gehörte Stücke aufzunehmen. Es ist – wie ich gelesen habe – das erste Mal seit seiner Entstehung, dass das Lied bei einer Tour nicht gespielt wird.
Sänger Bruce Dickinson und die anderen fünf Bandmitglieder gaben auch diesmal alles auf der Bühne und gaben in energiegeladenen 100 Minuten insgesamt 17 Stücke zum Besten. Bruce kommunizierte diesmal weniger als gewohnt mit dem Publikum, aber vielleicht hat er auch nur schlechte Laune gehabt. Oder er wird tatsächlich älter. Das wirkte sich aber auf die Produktion und die Begeisterung des Publikums zum Glück nicht aus. Ich glaube, ich war nicht der einzige an diesem Abend, der hofft, die sechs Jungs noch das eine oder andere Mal live zu erleben. Zum Beispiel gleich im nächsten Jahr, wenn sie das vierzigste (!) Jahr ihres Bestehens feiern.

2014/06/04

Sechs

Wer liest heute noch Blogs? Werden heute überhaupt noch neue Blogs eingerichtet? Gehören sie in Zeiten von Tw*tter und F*cebook nicht schon längst zum alten Eisen? Nun ja, teilweise vielleicht schon, aber ich glaube, dass doch noch neue Blogs gestartet und auch alte gepflegt werden. So sehe ich das zumindest tagtäglich im Internet und in meinem Feedreader.
 
Und auch dieses Weblog hier wird von mir noch hin und wieder mit Inhalt gefüllt, nun schon seit sechs Jahren. Es ist also sozusagen nun schulreif geworden. Ganz ehrlich: Ich hätte diesem „Tagebuch“ hier nie zugetraut, dass es so alt wird, aber trotzdem. Ich habe es nebenbei – trotz der vielen privaten und beruflichen Aufgaben – geschafft, immer einige Beiträge pro Monat zu veröffentlichen, an denen hoffentlich auch die werte Leserschaft teilweise Gefallen gefunden hat.
Es dokumentiert nun schon einen gehörigen Teil meines Lebens, es reicht, wenn ich nur einige Schlagworte nenne: Wunderschöne Erlebnisse, wie die Geburt meiner beiden Söhne und meinen Weg zum Doktortitel, aber auch tragische Momente, wie den Verlust meines Vaters. Und dazwischen etwas weniger bedeutende Dinge, die ich gelesen, gehört, gesehen, über die ich mich gefreut oder gar geärgert habe.
 
Ich möchte das ganze hier nicht in die Länge ziehen und mich selbst bzw. mein Blog feiern. Ich freue mich nur und bin selbst ein wenig erstaunt, dass es nun schon sechs Jahre sind. In diesem Sinne danke ich allen meinen Lesern, die ich persönlich kenne oder auch nicht, sowohl denjenigen, die von Beginn an hier mitlesen, als auch denen, die zwischendurch dazugestoßen sind. Ohne Euch wäre diese Beschäftigung nur halb so interessant! Drückt mir die Daumen, dass dieses virtuelle Tagebuch auch das verflixte siebte Jahr gut übersteht.

2014/05/30

Elefantengedächtnis

Woran sich Frauen – und insbesondere die Dame des Hauses – erinnern können, ist ja schier unglaublich. Heute Abend saßen wir mit ihr nämlich trotz des etwas kühlen und regnerischen Wetters auf unserem kleinen Balkon. Es gab ein schönes Jubiläum zu feiern: verheiratet sind wir zwar erst seit fünf Jahren (genau genommen wird es im August so weit sein), aber heute sind es sage und schreibe neun Jahre, dass wir zusammen sind. Mit zwei kleinen Kindern ist es ja nicht so einfach, sich irgendwo außer Haus einen gemütlichen Abend zu machen, sodass wir es uns, nachdem wir die Jungs ins Bett gebracht haben, auf unserem Balkon gemütlich gemacht haben.
Soweit sich die Dame des Hauses erinnern konnte, war es seit neun Jahren wieder das erste Mal, dass wir gemeinsam eine Flasche Wein leer getrunken haben. Daran sieht man, wie viel Alkohol wir im Alltag trinken, denn in den vergangenen Jahren hat eine Flasche immer einige Tage lang ausgereicht. Natürlich waren dafür auch einerseits die Schwangerschaften, andererseits das Stillen verantwortlich. Aber die Dame des Hauses erinnerte sich ganz genau, dass wir zuletzt vor neun Jahren, bei unserem einmonatigen Jubiläum in einem Restaurant, gemeinsam eine Flasche Wein konsumiert haben. Ich hätte das nie erraten.
Nun war es also wieder so weit, aber das ist im Grunde nebensächlich. Viel wichtiger ist, dass wir uns in guter Laune unterhalten und ein wenig feiern konnten. Viel wichtiger sind die vergangenen neun Jahre, die im Grunde wie im Flug vergangen sind, trotz der Hochzeit und der Geburt der beiden Kinder. Oder vielleicht gerade deswegen...

2014/05/22

Matrjoschka

Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. So ähnlich könnte man den Roman The Wind Through the Keyhole (dt. Wind) von Stephen King beschreiben. Das im Jahr 2012 erschienene Werk ist der achte Teil der Reihe The Dark Tower (dt. Der Dunkle Turm), über die ich an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet habe. Aber eigentlich handelt es sich – wie im Vorwort ausgeführt – um einen Band, der irgendwo zwischen dem vierten und fünften Band angesiedelt ist und einige Ereignisse des Zyklus näher beleuchtet. Das Werk kann aber auch ohne besondere Vorkenntnisse als klassischer Fantasy-Roman gelesen werden.
Wie eine Art Matrjoschka-Puppe wird hier in der großen Geschichte um Roland und seine Gefährten von Roland selbst eine Rahmengeschichte erzählt: die vom Fellmann, der in verschiedenen Gestalten eine Mordserie begeht, und dem Roland auf die Schliche zu kommen versucht. Innerhalb dieser Geschichte präsentiert der noch jüngere Roland auch eine andere Geschichte mit dem Titel „Der Wind durch das Schlüsselloch“, über einen Jungen (und seine Mutter), der von einem mysteriösen Zöllner einen abenteuerlichen Auftrag bekommt.
Die beiden verschachtelten Storys sind jeweils interessant und spannend geschrieben, was man ja bei King gewohnt ist. Ungewohnt ist – auch im Vergleich zu den meisten Bänden der Serie – die Kürze des Werks, das im englischen Original nur 336 Seiten lang ist. Der Roman fügt sich gut in das magnum opus des Autors und ermöglicht – wenn auch nur für kurze Zeit – eine Rückkehr zu altbekannten Figuren des Zyklus. Auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn man die Geschichte über den Weg zum Dunklen Turm (noch) nicht gelesen hat!

2014/05/10

Load/Reload

Mein Handy wird im September nun schon vier Jahre alt. Wer mich kennt, weiß, dass ich wohl in keinem Bereich des Lebens den neuesten Trends hinterher renne, so auch nicht bei Elektronik und Handys. Fürwahr, manchmal hätte man schon gerne dieses oder jenes Teil, aber am Ende ist es doch in Wirklichkeit egal, womit ich telefoniere und simse.
Es handelt sich um mein drittes Handy in elf Jahren, wenn ich mich recht erinnere. Wobei ich mich von meinem ersten Telefon nach einem Unwetter und einer unfreiwilligen Dusche von Oben verabschieden musste. Das zweite Handy habe ich beiseite gelegt, als ich das jetzige zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, um mich ein wenig mit Touchscreens anzufreunden. Die ersten beiden waren von der Marke N*kia, das jetzige ist ein S*msung.

Warum ich hier darüber berichte? Im Grunde nur wegen einer Kleinigkeit, die mir in diesen Tagen aufgefallen ist. Sonst merke ich mir ja nie, wann ich mein Handy aufgeladen habe, aber nun war ich vor einigen Wochen ein paar Tage unterwegs und habe vorher das Telefon natürlich aufgeladen. Und danach lief und lief der Akku, ohne mit der Wimper zu zucken. Am Ende waren es dann 16 Tage, aber er hätte vermutlich auch noch 17 geschafft, wenn ich das Teil nicht aufgeladen hätte, vielleicht sogar 18, wenn ich am letzten Tag nicht dreimal das Handy hätte ausgiebig klingeln und vibrieren lassen, weil ich nicht rangehen konnte.
Wobei man wissen muss, dass ich das Telefon abends gegen 22-23 Uhr immer ausschalte und erst in der Früh wieder einschalte. Den Alarm habe ich einige Tage lang eingestellt gehabt, greife aber ansonsten auf einen handelsüblichen Wecker zurück. Viel telefoniert habe ich nicht, dafür ein wenig gesimst. Ich denke – obwohl ich keine Vergleichsgrundlage habe –, dass diese 16-17 Tage nach dreieinhalb Jahren doch ein recht ansehnlicher Wert sind, oder? Ich zumindest bin damit mehr als zufrieden.

2014/04/30

Der Champions-League-Fluch

Ich weiß nicht, ob jemand schon auf diesen Begriff gekommen ist, aber mir ist er gestern Abend spontan eingefallen, als ich die schmerzhafte Niederlage der Bayern gegen Real Madrid miterleben musste. Zugegeben, nach der überragenden Saison 2012/13 war es sicherlich nicht einfach, das Triple oder zumindest den Titel in der Champions League zu wiederholen. (Auch die Meisterschaft nicht, aber das haben die Münchner ja frühzeitig geschafft.) Aber wenn man es einer Mannschaft zugetraut hat, dann wohl den Bayern, nicht nur wegen der großen Erfolge, sondern auch wegen der Spielweise und Überlegenheit im Vorjahr und zu Beginn dieser Saison.

Es schein jedoch so zu sein, wie es auch schon bei anderen großen europäischen Mannschaften (Barcelona, Real Madrid, Manchester United, Chelsea) in der jüngsten Vergangenheit der Fall war: Zuhause werden sie oft Meister, gewinnen häufig den heimischen Pokal und schaffen es auch unter die besten acht oder vier Mannschaften Europas. Vielleicht sogar ins Finale. Und das über Jahre hinweg. Aber auf allen lastet anscheinend der Champions-League-Fluch, wegen dem bisher keiner der (Spitzen-) Mannschaften gelungen ist, den Wettbewerb, der seit der Saison 1992/93 existiert, zweimal hintereinander zu gewinnen, also den Titel zu verteidigen.
Die letzte Mannschaft, die das vollbracht hat, war in den Saisons 1988/89 und 1989/90 der AC Mailand im Vorgängerwettbewerb, der noch den Namen Europapokal der Landesmeister trug. Der Fluch dauert also nun schon mehr als zwei Jahrzehnte. Eine unglaublich lange Zeit, die irgendwo auch zeigt, wie ausgeglichen der europäische Topfußball in unseren Tagen ist und wie wenig manchmal über Sieg oder Niederlage entscheidet.

2014/04/28

Ich muss weg

Ein schöner Schachzug des Schicksals: Nach dem Beitrag Wieder da nun ein Beitrag, der den Titel Ich muss weg trägt. Und das ganze hat sich im Detail so abgespielt:

Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht und ich – ohne die Person zu überfordern – nur vier-fünf zusammenhängende Sätze sagen möchte, weil ich mir darüber im Klaren bin, dass das eine Höflichkeitsfrage ist, dann erwarte ich eigentlich, dass ich diese paar Sätze zu Ende sagen und mich dann nach dem Wohlbefinden des Gegenübers erkundigen kann. Zumindest habe ich das so gelernt und bisher auch mit Erfolg praktiziert. Es scheint jedoch so, dass in unserer schnelllebigen Welt nichts mehr so ist, wie es einmal war.
Bei einem Gespräch mit einer Bekannten vor kurzem kam es nämlich ganz anders. Ich glaube, ich habe gerade meinen dritten kurzen Satz angefangen, als mein Gegenüber plötzlich einen anderen Bekannten bemerkte und ohne einen Hauch von Entschuldigung auch schon losgesprintet ist. Da stand ich nun, ich armer Tor und konnte einen Augenblick lang gar nicht begreifen, was mir widerfahren ist. Ich wartete noch ein-zwei Minuten darauf, dass meine Gesprächspartnerin vielleicht zurückkommt, aber weit gefehlt.
Ich glaube, wenn ich das nächste Mal die Genannte treffe, werde ich mir – falls sie mir wieder mit dem Smalltalk zuvorkommt – eine Ein-Wort-Antwort überlegen. Nicht, dass sie mir wieder abhaut, bevor ich meinen dritten Satz zu Ende sprechen kann. Menschen gibt’s, die gibt’s gar nicht…