Jedes Jahr wundere und ärgere ich mich aufs Neue über die saisonalen Dekorationen und Angebote in den Geschäften, die immer früher dort anzutreffen sind. Wenn gegen Ende des Sommers schon alle Zeichen auf Halloween stehen und wenn letzteres Fest noch vor uns liegt, uns aber schon die Nikoläuse und Rentiere aufgezwungen werden. Wobei in diesem Jahr allem Anschein nach wieder einmal vorrangig der Grinch herhalten muss, wenn es darum geht, uns diverse Weihnachtsartikel anzudrehen. Im Westen also nichts Neues: Seit seiner Geburt vor fast genau siebzig Jahren hatten wir ja schon das eine oder andere Mal eine Grinch-Manie. Scheinbar stört es die Werbestrategen auch nicht, dass Dr. Seuss damit ursprünglich gerade die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes anprangern wollte.
Wenn Halloween in einigen Tagen der Vergangenheit angehört, werden schon bald die Silvesterangebote folgen, parallel zu den Weihnachtssachen. Spätestens dann, wenn Nikolaus vorbei ist, folgt dann mit Sicherheit alles, was mit dem Valentinstag zu tun hat. Schließlich lässt dann Mitte-Ende Februar vermutlich auch der Osterhase grüßen, und damit schließt sich der Kreis.
In den wenigen dazwischen liegenden Monaten, vor allem im Sommer, können einem die Geschäfte fast schon leid tun. Die Saure-Gurken-Zeit ohne ein vernünftiges kommerzialisierbares Fest kann da einem als Marketingfachmann tatsächlich fast schon sauer aufstoßen. Zum Trost: Es gibt noch ein wenig Spielraum im Jahr, denke ich. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Mittsommerfest? Da wäre nur ein wenig Kreativität gefragt. Aber auch Pfingsten ist zu Unrecht unterbewertet, da würde aus kommerzieller Sicht viel gehen, schließlich handelt es sich gleich um zwei Tage. Da wäre schließlich auch die jährliche Misere der Zeitumstellung, die wir gerade erst wieder hinter uns gebracht haben. Noch dazu wären das auch zwei auf einen Streich – ein Tag im Frühjahr und einer im Herbst. Das eröffnet schier ungeahnte Möglichkeiten für das Ankurbeln des Konsums.
Auch den Nachbarn im Haus gegenüber stört im Übrigen der altbekannte Spruch „Alles hat seine Stunde“ – so der Prediger aus der Heiligen Schrift – nicht. Der Nachbar hat sich schon jetzt, Ende Oktober, noch vor Halloween für eine weihnachtliche Lichterkette auf dem Balkon entschieden. Etwas unkomplizierter ist da ein anderer Nachbar von uns, der die grünen Kunststoffgirlanden das ganze Jahr über auf dem Balkongeländer hängen hat. Das spart Zeit und Nerven. Diese Lösung könnte man doch glatt auch den Geschäften empfehlen. Wenn sie denn nur mehr Platz für solche Ganzjahressortimente hätten…