2013/09/25

Gemein

Sind wir Menschen wirklich alle so gemein? Und damit meine ich nicht (nur) die anderen, sondern manchmal auch mich selbst. Vor nicht allzu langer Zeit sind wir mit Bekannten in kleinem Kreis zusammen gesessen, als jemand begann, über zwei Personen zu sprechen, die sie nicht leiden kann. Daraufhin stimmte eine andere Bekannte mit ein, dass sie mit einer von den beiden zwar keine Probleme hätte, aber den anderen auch nicht besonders möge.
Zugegeben, die beiden verhalten sich wirklich etwas komisch und ich unterhalte mich auch nicht allzu oft mit ihnen, wenn wir den Abend eventuell gemeinsam verbringen, aber trotzdem kommt es mir nicht in den Sinn über sie zu lästern. Besser gesagt, nicht im Bekanntenkreis. Der Dame des Hauses habe ich meine Gedanken natürlich mitgeteilt und wir haben uns über die beiden auch ausführlich ausgetauscht. Man könnte sagen: wir haben still und heimlich über sie gelästert, wenn auch recht zurückhaltend und nicht bösartig.

Aber sind wir Menschen wirklich alle so schwach und teilweise auch gemein, dass wir über Mitmenschen, die anders sind, die anders denken, handeln oder sprechen als wir hinter ihrem Rücken herziehen müssen, sei es unter vier Augen oder in größerem Kreis? Dass wir wieder und wieder über unsere Mitmenschen urteilen müssen?
In solchen Augenblicken schämt man sich natürlich. Nicht nur, weil man selbst ähnliche Gedanken hat und unter vier Augen Bemerkungen über sie macht, sondern auch, weil man als Beteiligter der Gesprächsrunde im Grunde stiller Mittäter war, als das Verhalten und der Charakter der beiden an den Pranger gestellt wurden. Man möchte es zwar besser machen, aber immer wieder sinkt man in den gleichen Morast zurück. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach...

2013/08/31

Rechtsweg nicht ausgeschlossen

Frechheit kennt keine Grenzen. Vor ungefähr einem Jahr haben wir für unsere Wochenendwohnung Fliegengitter und Jalousien bestellt, wobei die Abstimmung des Termins zum Vermessen schon nicht ganz einfach gewesen ist. Alles wurde dann entsprechend installiert, bis auf das kleine gerahmte Fliegengitter für das Badezimmer, das der Fachmann angeblich auf dem Weg zu uns gerissen und gar nicht mehr mitgebracht hatte.
Es folgten Wochen und Monate, in denen wir so ungefähr alle zwei Monate telefonieren mussten, weil sich in der Sache nichts getan hat. Trotz der Versprechen bei jedem Anruf und der Tatsache, dass wir die Kosten des Fliegengitters und die Arbeitsgebühr der Installation bereits vorab bezahlt hatten.
Zum Sommeranfang wollte ich das ganze auch schriftlich nachweisbar haben, weshalb ich der kleinen Firma eine E-Mail geschickt habe: Sie sollen entweder das Gitter installieren, oder das Geld zurückzahlen. Die Antwort kam natürlich prompt, sie würden sich bald bei uns melden und für die Installation sorgen. Eine Entschuldigung gab es weder bei diesem Mal, noch jemals zuvor telefonisch.

Nun, nach einem Jahr ist es mir schlussendlich zu blöd geworden. Ich habe der Firma per E-Mail ein letztes Ultimatum gesetzt und ihnen angedroht, mich an eine Rechtsanwaltskanzlei zu wenden, wenn sich in der Sache auch weiterhin nichts tun sollte. Eine Antwort ist bisher – entgegen dem letzten Mal – ausgeblieben.
Klar, es handelt sich um eine recht kleine Sache und die Kosten dürften – auch inklusive Arbeitsgebühr – recht bescheiden sein, aber ich finde das ganze Verhalten ehrlich gesagt zum Kotzen. Wenn ich im Alltag so arbeiten würde oder mich gegenüber Kunden so verhalten würde, hätte ich ab morgen nichts zum Arbeiten und könnte Arbeitslosengeld beziehen. Und andere führen sich auf, als hätten sie nicht nur das Recht dazu, sondern als ob sie sogar im Recht wären. Ungeheuerlich! Ich hoffe, dass sich in den kommenden Wochen etwas tut und ich doch nicht den Rechtsweg gehen muss.

2013/08/23

"Post morderne"

Es ist schon so eine Sache mit der modernen oder besser postmodernen Kunst. Der Anlass meines Beitrags wird hier wohl den wenigsten etwas sagen, sei aber nichtsdestotrotz kurz erwähnt:
Die bekannteste ungarische Rockoper über Stephan I., den ersten König der Ungarn, aus dem Jahre 1983 wurde jetzt von einem bekanntermaßen (post-) modernen Regisseur umgearbeitet und vor einigen Tagen auf die Bühne gestellt. Dabei hat er im Grunde nur den damaligen Text und die ungefähre Melodie der Lieder beibehalten, aber sogar deren Geschwindigkeit und die eingesetzten Instrumente weichen ab. Von den Bühnenbildern, den Kostümen und all den Einzelheiten ganz zu schweigen. So treten zum Beispiel in der dreißig Jahre späteren Version Kommandoeinheiten auf, die Schauspieler tragen Jeanshosen und Sonnenbrillen, und einige Protagonisten steigen auf der Bühne aus Autos aus. Als Kontrast behandeln die Texte der vorgetragenen Lieder noch immer die Zeit nach dem Jahr 1000 herum, auch die Figuren sind dem Anschein nach dieselben.

Diese kurze Darstellung sollte reichen, um aufzuzeigen, womit wir es hier zu tun haben. Das Interessante sind dabei die von Grund auf verschiedenen Meinungen, die solch ein Stück und postmoderne Kunst im Allgemeinen generieren kann. Was für einige eine revolutionäre neue Sichtweise, ein vollkommen neuer, nie da gewesener Ansatz, eine Reihe von genialen Schachzügen ist, stellt für die andere Seite eine Verulkung des ursprünglichen Stücks, einen inakzeptablen Tabubruch, die Verspottung der ungarischen Geschichte und ihrer großen Persönlichkeiten dar.
Erschwert wird die Beurteilung der Situation natürlich von der Tatsache, dass das gesamte Geschehen von Politik durchdrungen ist. Die Liberalen und ihre Anhänger treffen hier auf die Konservativen und ihre Sympathisanten. Aber lassen wir diesen Aspekt beiseite.
Das ganze erinnert mich an die Situation, wenn Besucher vor einem (post-) modernen Gemälde stehen. Für die einen ist es ein atemberaubendes Kunstwerk, das viel Spielraum für verschiedene Interpretationen lässt, waghalsig und neuartig ist, mit Farben spielt, mit dem Alten und mit unnötigen Tabus bricht. Für die anderen sieht das Gemälde ganz einfach so aus, als hätte jemand einen Eimer voller Farbe auf die Leinwand geschüttet.

Ich persönlich kann mit moderner und postmoderner Kunst nur in den seltensten Fällen etwas anfangen. Weder mit Gemälden, noch mit Theateraufführungen, die dieser – zugegeben ziemlich weiten – Gattung zugeordnet werden. Auch die jetzt aufgeführte, im Fernsehen gesehene Rockoperversion war für mich eher ein Graus als ein Vergnügen, mit der ich nichts anfangen kann. Zumal ich ein großer Anhänger der ursprünglichen Fassung bin und mit den Meisten meiner Generation die Handlung und so ziemlich alle Lieder auswendig kenne.
Ich akzeptiere, dass auch solche „Cover-Versionen“ irgendwo ihre Daseinsberechtigung haben, genauso wie die neuartige Sichtweise und der Bruch mit dem Alten. Ich akzeptiere die künstlerische Freiheit – auch wenn ich oft das Gefühl habe, dass nicht wirklich von Künstlern gesprochen werden kann. Aber für mich wird es in solchen Fällen nie eine Frage sein, was ich als echte Kunst ansehe, für welche Fassung ich mich persönlich entscheide und welche Version langfristig – post mortem – erhalten bleiben und weiterleben wird.

2013/08/20

Saure-Gurken-Zeit und ein Hauch von Herbst

Tja, auch dieser Sommer neigt sich so langsam dem Ende zu, und recht lange war es hier im Blog still um mich. Sommerpause, Sommerloch, Saure-Gurken-Zeit, nennt es wie ihr wollt. Neben recht viel Arbeit standen öfters einige zusammenhängende Tage Badeurlaub im Inland auf dem Programm – das erste Mal zu viert. So konnten wir zum Glück einen großen Teil der teilweise Afrika in den Sinn rufenden Temperaturen durchstehen und uns auf entsprechende Weise entspannen.

Die größte Arbeit habe ich jedoch bereits im Frühjahr und zu Beginn des Sommers absolviert, als ich nämlich – neben der täglichen Arbeit und dem Familienleben quasi in Nachtschicht – meine Dissertation beenden konnte. Da zu meinem größten Erstaunen sowohl meine Doktormutter, als auch die Leiterin des Doktorandenprogramms mit meiner Arbeit zufrieden waren und sie sofort für einreichbar befunden haben, konnte ich im Sommer – trotz der anderweitigen Arbeit – aufatmen und tatsächlich eine große Last ablegen. Und das quasi in Rekordzeit, innerhalb von vier Jahren. Das ich dabei alles unter einen Hut bringen konnte, ist natürlich in erster Linie der Dame des Hauses zu verdanken.

Schon bald geht es hinein in den Herbst und die Aufgaben werden sich wieder türmen. Irgendwann im September oder Oktober folgt der letzte, hoffentlich nur mehr formelle Schritt, nämlich die Verteidigung der Arbeit, auf die es sich natürlich noch vorzubereiten gilt. Hierüber zum entsprechenden Zeitpunkt dann mehr. Natürlich gibt es immer wieder Unerwartetes und zu Erledigendes, aber ich hoffe, dass ich nun nach vier Jahren ein wenig verschnaufen und mich mehr der Familie widmen kann. In diesem Sinne: Auf geht’s!

2013/07/23

Bevor ich den Löffel abgeben muss

In meinem vorigen Beitrag habe ich über das nützliche Programm Wunderlist berichtet und dabei versprochen, noch auf eine ganz besondere Liste zu sprechen zu kommen, die ich dort seit kurzer Zeit verwalte. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Wunschliste, nach dem gleichnamigen amerikanischen Film gerne auch Bucket list genannt, was das ganze etwas besser ausdrückt, wie ich finde. Eine Ansammlung von Dingen nämlich, die man noch gerne tun möchte, bevor man den Löffel abgibt.
Scheinbar ist das in meinem Freundeskreis eine nicht allzu verbreitete Methode, denn als ich vor einigen Wochen bei einem Treffen darauf zu sprechen kam, erntete ich vor allem ungläubige und staunende Blicke. Dabei denke ich, dass die meisten von uns solch eine persönliche Wunschliste in ihrem Kopf parat haben, nur sie eben nicht niederschreiben. Da ich aber ein visueller Typ bin, habe ich mir bei Wunderlist meine ganz persönliche Bucket list zusammengestellt.

Was da genau drin steht, möchte ich hier nicht in allen Details aufzählen, da es teilweise privat ist und nur unnötig Druck auf mich ausüben würde. Dabei gibt es Dinge, die sich sicherlich einfacher realisieren lassen, als andere, so wie es sich für eine gute Liste gehört, um auch hin und wieder Erfolgserlebnisse zu haben. Als Beispiele seien hier nur folgende Punkte angeführt: nach Slowenien reisen; einmal auf einem großen Fußballfeld ein Match spielen; Bungee-Jumping über einem Gewässer; ein Ehrenamt übernehmen usw.

Einige Dinge, die ich in den vergangenen Jahren bereits abhaken konnte, habe ich natürlich auch in die Liste aufgenommen, um noch mehr Erfolgserlebnisse zu haben, die mich anspornen. So zum Beispiel nach Malta zu reisen, Land und Leute kennen zu lernen, worüber ich an dieser Stelle vor etlichen Jahren berichtet habe. Die Jungs von Metallica einmal live zu sehen, was ich bis zum heutigen Tage insgesamt viermal geschafft habe, zuletzt im Jahr 2010! Oder das Gitarrespielen lernen, wobei das schon ziemlich lange her ist und ich heute wohl nur mehr auf einige einfache Grundkenntnisse zurückgreifen könnte.

Alles in allem ist so eine Bucket list eine feine Sache, mit Hilfe derer man einerseits verwalten kann, was man in seinem Leben so alles erreicht hat und wann genau. Dinge, die man einmal tun, sehen oder erleben wollte. Andererseits eine Ansammlung von all jenen Sachen, die man sich neben der täglichen Arbeit manchmal vor Augen halten möchte, um den Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben im Alltagstrott nicht zu verlieren. Schließlich hält das Leben für uns alle mehr bereit, als nur Arbeit, Fristen, zu erledigende Aufgaben und das Leben von heute auf morgen!

2013/07/10

Liste ohne Tücke

Vor einigen Wochen habe ich das Programm Wunderlist im Netz für mich entdeckt. Das Projekt eines deutschen Start-up-Unternehmens ist eine nette kleine Sache: ganz schlicht und übersichtlich, kein Schnickschnack, der vom Wichtigen ablenken würde. Das ganze erinnert teilweise an ein anderes Tool, über das ich hier vor knapp einem Jahr berichtet habe und ebenfalls seitdem benutze, nämlich Evernote.
Bei Wunderlist habe ich nun unter anderem meine To-Do-Liste untergebracht, die mir für die gesamte Woche die wichtigen zu erledigenden Dinge anzeigt. Auch wöchentlich, monatlich oder jährlich wiederkehrende Aufgaben meistert das Programm mühelos. Das ganze lässt sich übersichtlich nach Kategorien ordnen, also zum Beispiel Privates von Beruflichem trennen. Gut eignet es sich meiner Erfahrung zufolge auch zum Verwalten des Mindesthaltbarkeitsdatums von diversen Produkten.
Die größte Genugtuung bereitet bei der Verwendung des Programms natürlich das Abhaken der erledigten Aufgaben, aber auch die Benutzung an sich empfinde ich eher als nützlich und praktisch. Stets wenn einem eine neue zu erledigende Sache einfällt, tippt man sie schnell ein und ordnet gegebenenfalls gleich ein Datum hinzu.
Welche spezielle Liste ich unter anderem noch über dieses nette kleine Programm verwalte, darüber beim nächsten Mal in einem gesonderten Beitrag etwas mehr!

2013/07/01

Füttern erlaubt

Erst relativ spät habe ich die Möglichkeit des sogenannten Feedreaders für mich entdeckt, meinem Blog zufolge war das im Dezember 2009. Was sich damals als ein recht praktisches kleines Ding im Alltag erwiesen hat, ist es auch noch nach dreieinhalb Jahren. Es ist eine gute und bequeme Sache, wenn man die Nachrichten von vielen Webseiten zusammengefasst nach Hause geliefert bekommt und nicht alle Seiten einzeln anklicken muss.
Bisher habe ich den Google Reader genutzt, der aber – wie es heißt – am heutigen Tag eingestellt wird. Nachdem sich die Nachricht bereits etliche Monate früher im Web verbreitet hat, habe ich mich in den letzten Wochen ein wenig umgesehen und schlau gemacht und mich schließlich vergangene Woche für die wohl gängigste Alternative, nämlich Feedly, entschieden.
Das Programm gefällt mir bisher sehr gut, sieht gut aus, erfordert keine große persönliche Umstellung im Vergleich zum alten Programm und ist sehr benutzerfreundlich, da man aus verschiedenen Ansichten wählen kann. Mal sehen, wie es sich langfristig bewährt, da es mir aber schon zu Beginn gut gefällt und ich keine großen Ansprüche diesbezüglich habe, werde ich vermutlich auf Dauer dabei bleiben. Und wie sieht es mit Euch aus?