2026/07/22

Spaniens Blüten blühen wieder

Es dürfte wohl nicht allzu oft vorkommen, dass zwischen zwei Fußball-Weltmeisterschaften nicht die üblichen vier, sondern nur dreieinhalb Jahre vergehen, wie das in diesem Jahr der Fall war. Und innerhalb von nicht einmal vier Jahren hat es Argentinien bei der am Sonntag zu Ende gegangenen WM erneut ins Finale geschafft – unter der Leitung des inzwischen 39-jährigen Lionel Messi, was bei der letzten WM in Katar wohl nicht wirklich zu erwarten war. Das Ergebnis ist inzwischen jedoch allgemein bekannt, und der kleine Zauberer, der im Finale genauso blass blieb, wie die gesamte argentinische Mannschaft, musste sich bei seinem wohl letzten Auftritt im Trikot der Nationalmannschaft mit der Silbermedaille begnügen.

Auch wenn ich den Argentiniern vor dem Spiel den Triumph ebenso gegönnt hätte, wie den letztendlich siegreichen Spaniern: Aufgrund des Finales war der Sieg der Mannen von Trainer Luis de la Fuente mehr als verdient. Die völlige Passivität und defensive Einstellung des Gegners ohne nennenswerte Torschüsse war für mich als neutraler Zuschauer im Grunde eine klare Enttäuschung. Auch wenn das Spiel natürlich ein typisches Finale war, wo die Langeweile nur dem Umstand der Verlängerung und dem spät fallenden entscheidenden Tor wich. Aber schließlich waren wir beim Finale im Dezember 2022 sehr verwöhnt worden, und es war klar, dass ein solches Szenario nur schwer zu wiederholen sein wird.

Rodri & Co haben es nun also wieder auf den Fußball-Olymp geschafft und sind nach 2010 wieder Weltmeister geworden. Es wird spannend sein zu sehen, ob damit wieder eine ähnliche glorreiche spanische Ära eingeläutet wurde, wie damals unter Vicente del Bosque mit den beiden EM-Siegen 2008 und 2012 und der WM-Trophäe dazwischen. Auch wenn ich in den letzten Jahren nur selten dazu komme, Fußballübertragungen zu verfolgen, freue ich mich irgendwie auf die WM 2030 in Marokko, Portugal und – wie treffend – Spanien. Nicht zuletzt deswegen, weil wir alle in Europa wieder die Möglichkeit haben werden, mehr Spiele zu sehen. Ich verstehe, dass bei einer Weltmeisterschaft aufgrund der Übertragungszeiten notgedrungen viele Zuschauer weltweit auf der Strecke bleiben. Aber es war schon etwas enttäuschend, dass das Finale am Sonntag diesmal – einerseits aufgrund der Zeitverschiebung, andererseits natürlich aufgrund der vielen kleinen und wenig interessanten Mannschaften – das einzige Spiel war, das ich von Anfang bis Ende gesehen habe.

2026/07/04

Mannswerdung

Zu den unbezahlbaren Momenten, über die ich an dieser Stelle hin und wieder schon berichtet habe, zählt zweifelsohne auch der vor einigen Tagen in Bezug auf den ältesten Junior im Haus. Wenn zwei grundsätzliche Faktoren vorliegen, nämlich einerseits ein Kind, andererseits ein Sohnemann, ist die perfekte Möglichkeit gegeben, sich in Männersachen stolz als weiser, über ein umfassendes Wissen verfügender Vater zu präsentieren. Und zwar, wenn man dem Ältesten das erste Mal zweigen kann, wie man sich rasiert. Das trifft insbesondere dann zu, wenn man sich – so wie ich – für das Thema Rasieren und Bartpflege interessiert. Wobei ich aber für die Zukunft hoffe, dass ich meinen beiden Sprösslingen nicht nur das Rasieren beibringen kann, sondern auch – oder viel eher –, wie man sich einen Bart wachsen lässt.

Ich kann die werte Leserschaft beruhigen: Die zu überwindende größte Hürde haben wir beide genommen. Diese bestand in einer Tatsache, an die man beim ersten Lesen vielleicht gar nicht denken würde, nämlich darin, dass ich mich nun schon seit etlichen Jahren überhaupt nicht mehr rasiere (welche Freiheit!). Somit konnte wollte ich dem Junior verständlicher Weise für die Schritte nicht zu Demonstrationszwecken zur Verfügung stehen. Das tat aber dem ersten Versuch keinen Abbruch – dieser war erfolgreich, sogar ohne, dass sich der Sohnemann geschnitten hätte.

Dabei ist dieses letztere Moment keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Als im Thema bewanderter Mann weiß ich nämlich seit über einem Jahrzehnt, dass man im Fall der Arten von verschiedenen Rasierern in den Wettbewerb der großen Nassrasierer-Marken nicht einsteigen darf – oder aus diesem so schnell wie möglich aussteigen sollte. Wenn man sich schon rasieren will oder muss, ist die beste Wahl immer noch die gute alte G*llette Mach1.

Weil früher vieles, wenn auch nicht alles, besser war, haben wir den ersten Versuch selbstverständlich mit dem im obigen Artikel erwähnten und auch abgebildeten Rasierhobel absolviert. Und weil Sohnemann Nr. 1 einerseits sehr an seinem Großvater hängt, den er leider nie kennenlernen durfte, und weil er noch dazu aus vielerlei Hinsicht ein Retro-Fan ist, war dieses gemeinsame Erlebnis ein dreifaches – ich könnte auch sagen, aus dreifacher Sicht unbezahlbar: Wenn man sich das erste Mal in seinem Leben mit dem ehemaligen, etwa fünfzig (!) Jahre alten Rasierhobel seines geliebten Großvaters und – hoffentlich auch geliebten – Vaters rasieren darf, gibt es dafür meines Erachtens weder als Vater noch als Sohn Worte, mit denen man das treffend beschreiben könnte.