2026/07/04

Mannswerdung

Zu den unbezahlbaren Momenten, über die ich an dieser Stelle hin und wieder schon berichtet habe, zählt zweifelsohne auch der vor einigen Tagen in Bezug auf den ältesten Junior im Haus. Wenn zwei grundsätzliche Faktoren vorliegen, nämlich einerseits ein Kind, andererseits ein Sohnemann, ist die perfekte Möglichkeit gegeben, sich in Männersachen stolz als weiser, über ein umfassendes Wissen verfügender Vater zu präsentieren. Und zwar, wenn man dem Ältesten das erste Mal zweigen kann, wie man sich rasiert. Das trifft insbesondere dann zu, wenn man sich – so wie ich – für das Thema Rasieren und Bartpflege interessiert. Wobei ich aber für die Zukunft hoffe, dass ich meinen beiden Sprösslingen nicht nur das Rasieren beibringen kann, sondern auch – oder viel eher –, wie man sich einen Bart wachsen lässt.

Ich kann die werte Leserschaft beruhigen: Die zu überwindende größte Hürde haben wir beide genommen. Diese bestand in einer Tatsache, an die man beim ersten Lesen vielleicht gar nicht denken würde, nämlich darin, dass ich mich nun schon seit etlichen Jahren überhaupt nicht mehr rasiere (welche Freiheit!). Somit konnte wollte ich dem Junior verständlicher Weise für die Schritte nicht zu Demonstrationszwecken zur Verfügung stehen. Das tat aber dem ersten Versuch keinen Abbruch – dieser war erfolgreich, sogar ohne, dass sich der Sohnemann geschnitten hätte.

Dabei ist dieses letztere Moment keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Als im Thema bewanderter Mann weiß ich nämlich seit über einem Jahrzehnt, dass man im Fall der Arten von verschiedenen Rasierern in den Wettbewerb der großen Nassrasierer-Marken nicht einsteigen darf – oder aus diesem so schnell wie möglich aussteigen sollte. Wenn man sich schon rasieren will oder muss, ist die beste Wahl immer noch die gute alte G*llette Mach1.

Weil früher vieles, wenn auch nicht alles, besser war, haben wir den ersten Versuch selbstverständlich mit dem im obigen Artikel erwähnten und auch abgebildeten Rasierhobel absolviert. Und weil Sohnemann Nr. 1 einerseits sehr an seinem Großvater hängt, den er leider nie kennenlernen durfte, und weil er noch dazu aus vielerlei Hinsicht ein Retro-Fan ist, war dieses gemeinsame Erlebnis ein dreifaches – ich könnte auch sagen, aus dreifacher Sicht unbezahlbar: Wenn man sich das erste Mal in seinem Leben mit dem ehemaligen, etwa fünfzig (!) Jahre alten Rasierhobel seines geliebten Großvaters und – hoffentlich auch geliebten – Vaters rasieren darf, gibt es dafür meines Erachtens weder als Vater noch als Sohn Worte, mit denen man das treffend beschreiben könnte.

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