Sage und schreibe 27 Jahre ist es her, dass ich Metallica das erste Mal live sehen durfte. Was mich ein bisschen nachdenklich macht, ist nicht nur, dass seitdem knapp drei Jahrzehnte vergangen sind. Sondern auch die Tatsache, dass die Band damit seit 1999 deutlich mehr Jahre auf dem Buckel hat, als sie damals alt war. In den vergangenen Tagen hatte ich das Privileg, Metallica nunmehr zum siebten und gleich auch zum achten Mal live zu erleben. Im Rahmen ihrer aktuellen Tour anlässlich ihres neuen Albums 72 Seasons gastierten sie an gleich zwei Abenden in der ungarischen Hauptstadt – mit zwei komplett verschiedenen Sets in Form eines „No Repeat Weekend“. Eine geniale Idee, denn auf diese Weise kommt das jeweilige Publikum in den Genuss, mit 32 Songs quasi einen Querschnitt aus dem gesamten Oeuvre des Viergespanns zu erhalten.
Schon das an sich ist eine einmalige Gelegenheit, die durch zwei bedeutende Umstände noch getoppt wurde. Einerseits durch die Bühne in der Mitte des Stadions und die ebenfalls phänomenale Idee mit vier Drumkits in den vier Ecken der Bühne, wo jeweils vier Lieder gespielt werden und die anderen Musiker die Möglichkeit haben, auf dem Ring vor dem Publikum rundherum zu gehen und zu spielen. Andererseits durch den Umstand, dass die Band gerade ihren zweiten Frühling erlebt. Nach diversen drogen- und vor allem alkolholbedingten Problemen hat Sänger und Gitarrist James Hetfield zu alter Stärke zurückgefunden, und der von den Medien viel gescholtene Schlagzeuger Lars Ulrich hat wohl durch seinen eisernen Willen und viel Übung sein Spiel auf eine höhere Stufe bringen können. Der „neue“ Bassist Robert Trujillo ist aus der Band einfach nicht mehr wegzudenken, zumal auch er schon 23 Jahre dabei ist, und der unauffällige Leadgitarrist Kirk Hammett hat all das oben Beschriebene allem Anschein nach jahrzehntelang still erduldet, ohne mit der Wimper zu zucken.
An zwei Abenden konnten wir uns nun selbst ein Bild davon machen, dass die neue Höchstform nicht nur eine Meinung der Journalisten ist und nicht nur in den Konzertmitschnitten so zu sein scheint. Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. Mit einem Budapester Stadionrekord von zweimal über 75 000 Zuschauern lieferten Metallica eine bombastische Bühnenshow mit Songs aus ihrer 45 Jahre dauernden Karriere ab, die seinesgleichen sucht und über die ich nur in Superlativen sprechen kann. Sowohl was das Visuelle, den Sound und auch was die Songauswahl betrifft. Wobei auf jeden Fall zu bemerken ist, dass die Band bei perfektem, trockenem Konzertwetter auftreten konnte, was bei Open-Air-Veranstaltungen Anfang Juni keine Selbstverständlichkeit ist. Und dass die Musiker, die nach acht langen Jahren wieder nach Budapest zurückkehrten, augenscheinlich sehr gut gelaunt waren und richtig Bock auf die beiden Konzerte hatten. Bei diversen launischen Künstlern ist das auch nicht selbstverständlich.
Ein kleines bisschen Wehmut war und ist jedoch dabei. Für mich waren diese beiden Shows, die am ersten Abend zwei ein viertel und am zweiten Abend zwei Stunden dauerte, nicht nur aus den oben beschriebenen Gründen bedeutsam. Sondern auch, weil man nie wissen kann, ob man irgendwann noch einmal die Möglichkeit haben wird, Metallica in dieser Form live zu erleben. Einerseits kann man das – Höchstform hin oder her – bei Ü60-Musikern leider nie wissen, andererseits werden ausgedehnte Welttourneen mit voranschreitendem Alter erfahrungsgemäß immer seltener. Ob es eine Abschiedstournee geben kann, hängt ebenfalls von vielen äußeren Umständen ab, wie auch die Frage, ob man für diese überhaupt Karten ergattern kann. Insofern waren diese beiden Abende für mich mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als der Jubiläumsauftritt von Iron Maiden im Vorjahr.
Trotz der klein bisschen Traurigkeit bleibt jedoch festzuhalten: Noch ist nicht aller Tage Abend, aber wenn es denn so kommen sollte und irgendwann in Zukunft nur mehr die Videos und Konzertberichte ein wenig Trost spenden, so war dieses doppelte Konzerterlebnis für mich ein krönender, unvergesslicher Abschluss. Wenn man eine der größten Rockbands – und vielleicht die bekannteste und beliebteste – aller Zeiten achtmal live erleben durfte, gibt es überhaupt keinen Grund zu meckern. Alles andere wäre schlicht und einfach Unersättlichkeit.

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