2025/07/04

Aufzeichnungen aus dem Kellerloch (4)

Stichwort Kinder aus meinem jüngsten Beitrag hier im Blog vor ein paar Tagen. Hin und wieder hört man die extreme Meinung, dass das Elternwerden an eine Lizenz gebunden werden sollte. In bestimmten Fällen kann ich dem ehrlich gesagt zustimmen. Aber viel eher würde ich persönlich dafür plädieren, zunächst einmal eine Lizenz für zukünftige Herrchen und Frauchen einzuführen, was sogar viel realitätsnaher ist, als die erstgenannte Forderung.

Was ich da Tag für Tag auf der Straße erlebe, macht mich schon nachdenklich. Hunde ohne Maulkorb, wo es vorgeschrieben wäre. Aufsammeln von Hundekot – Fehlanzeige. Hunde an der Leine oder ohne, denen ich notgedrungen auf dem Gehsteig ausweichen muss, weil das liebe Herrchen seinen Köter nicht entsprechend dressieren oder instruieren kann. Regelmäßiges minutenlanges lautes Gebell von demselben Hund beim Vorbeigehen an Nachbarhäusern mit Hunden im Garten, immer ungefähr um dieselbe Uhrzeit. Nur weil der Besitzer aus einem mir nicht ersichtlichen Grund nicht eine andere Route zum Gassigehen wählen möchte.

Mittlerweile ist die Hälfte des Jahres auch schon wieder vorbei. Unglaublich, wie schnell die Tage, Wochen und Monate vorbeigehen, wenn man allerhand um die Ohren hat. Vorhin war ja noch Weihnachten, und so langsam liegt die Hälfte der Sommermonate bereits hinter uns… Und wenn ich mir anschaue, was ich noch im Juli vor dem Urlaub, oder spätestens Ende August schaffen muss, oder wie weit ich nach Möglichkeit für den Herbst vorarbeiten sollte, dann wird vom Gefühl her auch die zweite Sommerhälfte ruckzuck vorbei sein.

2025/06/26

Out for summer

Alle drei Sprösslinge haben in diesen Tagen ein makelloses, ausgezeichnetes Zeugnis mit nach Hause gebracht. Ein Grund, ein bisschen stolz auf sie zu sein, aber als es in den Vorjahren hin und wieder nicht ganz so war, war auch das der Meinung der Dame des Hauses und meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung.

Ehrlich gesagt ist es schon interessant, wie anders man als Erwachsener auf schulische Erfolge oder Misserfolge blickt. Klar, für ihre Entwicklung, ihr Selbstvertrauen sind solche Bestätigungen durchaus wichtig. Auch quasi als Belohnung für die Disziplin und die Arbeit, die sie im Laufe des Schuljahres monatelang ins Lernen stecken. Und schließlich ist Schüler der Beruf und Schule die tägliche Arbeit der Kinder. Insofern ist es durchaus normal, dass einem als Kind einiges daran liegt – dem einen mehr, dem anderen weniger.

Aber auf lange Sicht und aus Sicht von Später – es ist wohl wieder dieses Älterwerden, was mich das sagen lässt – ist der Grad des schulischen Erfolgs im Grunde genommen nebensächlich und kein Garant bzw. kein Ausschlusskriterium für irgendetwas. Insofern sehe ich der Aushändigung der Zeugnisse immer gelassen entgegen.

2025/06/04

Siebzehn Jahr

So wirklich strohblondes Haar hat bei uns niemand (mehr) in der Familie, und dieser Blog hatte es selbstverständlich auch nie. Er hat höchstens einen langen Bart, weil dieser ihm nunmehr seit unglaublichen 17 Jahren wächst.

Dass ich hier so lange durchhalten würde, hätte ich mir ehrlich gesagt nie erträumt. Wobei ich mir auch nicht wirklich so viele Gedanken darüber gemacht habe, als ich damals mit diesem virtuellen Tagebuch angefangen habe. Und auch heute noch ist diese Tatsache im Grunde unwesentlich. Wenn ich gerade Zeit, Lust und ein entsprechendes Thema habe, das mich interessiert, mich wurmt, oder mir etwas Nennenswertes widerfahren ist, dann greife ich eben zur Tastatur. Immer ein Beitrag nach dem anderen, ohne Druck von innen oder von außen.

Die Tatsache, dass sich dabei zwischenzeitlich ein beachtliches Sammelsurium von Ereignissen ergeben hat, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Auch dann, wenn es womöglich nur eine Dutzend Leser gibt, die sich für das interessieren, was ich hier hin und wieder verzapfe. Ihnen sei aber an dieser Stelle wieder einmal ganz herzlich gedankt. Ich würde vermutlich auch ohne ihr Interesse hier weitermachen. Aber zu wissen, dass einige über kürzere oder längere Strecken mit von der Partie sind und in unserer schnelllebigen Welt manchmal sogar einen der seltenen Kommentare hinterlassen, ist ein wohltuendes Gefühl. Mit den werten Mitlesern geht es also ab morgen in kleinen Schritten, aber geradewegs auf die Blog-Volljährigkeit zu.

2025/05/30

50 Jahre und kein bisschen leise

Wie schon im vorigen Beitrag, soll es auch hier um Musik gehen, jedoch ganz anderer Art. Heimische Gefilde sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes. In dieser Woche fiel nämlich der Startschuss für die neue, auf dieses und nächstes Jahr angelegten Welttournee von Iron Maiden, und ich hatte die Ehre, die Urgesteine des Heavy Metal wieder einmal live zu erleben, quasi gleich zum Auftakt. Nach dem bis dato letzten Auftritt vor drei Jahren, der ein Open-Air war, nun erneut in einer Indoor-Arena, wie schon im Jahr 2014

Anlass der aktuellen Tour ist das 50-jährige Bestehen der Band. Eine unglaubliche Zahl, so wie auch ihre Auftritte noch immer unglaublich und schier überwältigend sind. Diese Art von energiegeladener Musik in solch einem Tempo, mit einer solchen Wucht, kombiniert mit solch einer pompösen Bühnenshow alle paar Tage auf die Bühne zu bringen verdient alle Ehre.

Was wir geboten bekamen, waren über zwei Stunden Heavy Metal vom Feinsten, mit einer digitalen Show auf einer riesigen Leinwand, die selbst Vertreter der jüngeren Musikergenerationen alt aussehen lässt. Aus den zwölf Jahren zwischen dem ersten Studioalbum Iron Maiden aus dem Jahr 1980 und der Scheibe Fear of the Dark von 1992 wurden insgesamt 17 Songs zum Besten gegeben. Darunter Hits von epischer Länge wie Phantom of the Opera, Rime of the Ancient Mariner, Seventh Son of a Seventh Son und der Klassiker Hallowed Be Thy Name, der wohl von der spektakulärsten digitalen Bühnenshow begleitet wurde.

Ob es irgendwann einmal eine Fortsetzung dieser Tournee mit den Alben aus dem weitaus größeren zweiten Teil der Bandkarriere geben wird, steht noch in den Sternen, zumal Bruce Dickinson & Co. auch nicht jünger werden. Wer also Interesse und die Möglichkeit hat, sollte sich ein Konzert dieser Tour auf keinen Fall entgehen lassen.

Für mich war es insgesamt bereits das siebte Mal, dass ich die Band live sehen durfte, so oft wie keine andere. Ich hoffe aber auf einen Gleichstand, ja sogar einen Führungswechsel im nächsten Sommer, wenn Metallica wieder in Europa gastieren und in ausgewählten Städten gleich zwei Auftritte innerhalb von zwei Tagen hinlegen werden.

2025/05/23

Sind wir nicht alle ein bisschen... ?

Hip-Hop und Rap sind ja nicht so wirklich meine Welt. Auch wenn es, als ich noch ein Kind war, eine kurze Phase gab, als ich ein-zwei Songs von Kris Kross oder später Coolio gut fand. Um dieselbe Zeit herum erschien mit Die da!?! die bis dato wohl erfolgreichste Single der Fantastischen Vier, die ich ebenfalls cool fand, zumal sie Deutsch und nicht Englisch sangen.

Und genau über die Fanta 4 bin ich vor kurzem anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens in Form einer Doku wieder gestolpert. Das an sich ist schon ein bemerkenswertes Jubiläum, noch dazu immer noch in Originalbesetzung. Was mich jedoch noch mehr überrascht hat, waren die Songs, die ich aus Kinder- und Jugendtagen alle noch wiedererkannte, als es jetzt mit mir den Rabbit Hole bei Y*utube hinunterging.

Mir war überhaupt nicht bewusst, dass sie im Laufe der Jahre – vor allem in der ersten Karrierehälfte – so viele Hits hatten, geschweige denn, dass ich mich noch so gut an diese erinnern kann. Teilweise sogar konkret an die Songtexte oder zumindest einzelne Passagen dieser. Nach dem eingangs erwähnten größten Hit folgten noch Saft, Zu geil für diese Welt, Sie ist weg, Populär, MfG – Mit freundlichen Grüßen, Troy, Geboren und Ernten was wir säen. All das innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt.

Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang noch zwei Dinge. Einerseits, dass die Bandmitglieder – so weit ich das aufgrund des in den Medien vermittelten Bildes beurteilen kann – trotz des Erfolgs so bodenständig geblieben und trotz der jugendlichen Musikrichtung in Würde gealtert sind. Andererseits, dass ich persönlich diese Hits bis heute gut und – sowohl für die Band als auch für mich selbst – vertretbar finde, auch wenn ich nie ein Fan dieser Musikrichtung oder der Band gewesen bin. Also: Hut ab vor den Fanta 4, die mir einige sehr herzerwärmende nostalgische Minuten bereitet haben.

2025/04/30

Seelenfrieden

Neulich habe ich unweigerlich ein kurzes Gespräch einer Bekannten mit einer anderen mitgehört. Die beiden standen direkt neben mir, sodass ich ihre Worte einerseits nicht überhören konnte. Andererseits ging es – wie das beim Smalltalk so üblich ist – lediglich um Belanglosigkeiten. Und um eine genau solche Belanglosigkeit soll es auch in diesem Beitrag gehen.

Die erwähnte Bekannte ist eine geschiedene Frau mit Kindern und geht langsam, aber sicher auf die Sechzig zu. Sie hat in ihrem Beruf quasi alles erreicht, was möglich ist und könnte sich theoretisch auf ihren Lorbeeren ausruhen. Der Preis für all das dürfte jedoch ziemlich hoch gewesen sein. Dass ihre Ehe (auch) wegen ihrer persönlichen Ambitionen scheiterte, kann ich aus unserer Bekanntschaft nur erahnen. Aber ihre Worte im besagten Gespräch sprechen auf jeden Fall Bände.

Auf die Frage der Gesprächspartnerin, wie es ihr denn gehe, antwortete die Bekannte nämlich unter anderem kurz und ziemlich bedröppelt: Sie hätte viel zu tun, und es wäre ein Jammer, dass das Leben an uns so vorbeiziehe und wir fast nie innehalten könnten, um das Leben einfach mal zu genießen.

Trotz aller Empathie für sie und ihre Situation muss ich sagen: Ihre Worte waren Balsam für meine Seele. Sie bestärkten mich nämlich darin, dass ich alles richtig gemacht habe und mache. Überdurchschnittlicher beruflicher Erfolg, hohe und vor allem Führungspositionen erfordern nicht nur bis zum Augenblick ihres Erringens Kraft, Disziplin und Arbeit. Einmal oben angekommen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Ausruhen auf den Lorbeeren. Schließlich muss man einerseits sich und den anderen stets beweisen, dass man nicht zufällig dort ist, wo man gerade ist. Andererseits geht das auch mit Aufgaben und Verpflichtungen einher, die man notgedrungen nicht zurückweisen kann.

Jedem das seine, wie man so schön sagt. Für mich wäre das – trotz diverser bisheriger beruflicher Erfolge und erreichter Ziele – mit Sicherheit nichts. Dafür sind mir meine Ruhe, mein innerer Frieden, mein Privatleben und meine Freizeit viel zu wichtig. Aber zum Glück denken wir ja nicht alle gleich. Die Prioritäten der erwähnten Bekanntschaft sind andere, und sie nimmt dafür den entsprechenden Preis, nämlich ihren Seelenfrieden, ganz einfach in Kauf. Mich wiederum motiviert ihre jüngst mitgehörte resignierte Aussage. Es scheint, als ob ich alles richtig gemacht hätte.

2025/04/13

Auf den Wellen wird gefochten

Lange ist es her, Anfang der Neunziger muss es gewesen sein, als wir in der Schule im Rahmen des Unterrichts den 1983 gedrehten Kurzfilm „Die Welle“ gesehen haben. Ich habe ihn als sehr gut gelungenes, prägendes Werk in Erinnerung, das auf einem wahren Schulexperiment beruht.

Gestern haben wir uns – auf einen Hinweis hin – die ein Vierteljahrhundert später gedrehte Neuverfilmung mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle angesehen, da sie uns als ein sehr gutes Werk empfohlen wurde. Mit einer gehörigen Verspätung im Vergleich zur Premiere im Jahr 2008. Wer keinen der beiden Filme gesehen hat, sollte das erst einmal nachholen, bevor er hier weiterliest, um Spoiler zu vermeiden.

Wir müssen uns mit der Dame der Hauses noch erkundigen, ob derjenige, der uns den Tipp gegeben hat, das Originalwerk gesehen hat. Ich mag es zu bezweifeln. Bis zur Schlussszene war ich mit dem neuen Film recht zufrieden. Das Ende jedoch hat zumindest bei uns einen ziemlich schlechten Nachgeschmack hinterlassen. Im Vergleich zu den wahren Begebenheiten und dem ersten Film wurde dieses nämlich komplett geändert und passt mit seiner Gewaltszene meines Erachtens überhaupt nicht zu der bis dahin dargestellten Handlung. Mein erster Gedanke am Ende war, dass weniger eben oft mehr ist – auch in diesem Fall hätte man sich die Eskalation der Gewalt sparen und dem Original treu bleiben können und sollen.

Zwar kann ich verstehen, weshalb aufgrund der wiederholten, schrecklichen schulischen Gewalttaten der letzten Jahre und Jahrzehnte, die in den Medien jedes Mal ausführlich thematisiert werden, dieses Ende gewählt wurde. Aber abfinden kann ich mich damit leider nicht, weder in Kenntnis des Originalwerks noch des Originalexperiments, auf dem der Film basiert. Zudem tut es mir für diejenigen schon ein wenig leid, die nur diese Version gesehen haben und sehen, und das Original überhaupt nicht kennen, weil sie meiner Meinung nach recht viel verpassen.