2014/10/17

Nachruf auf unsere Bücher

Zu Beginn des Jahres habe ich darüber geschrieben, dass wir in Zukunft – im Grunde so wie bisher, aber nunmehr auch bewusst – verstärkt freiwillig einfach leben möchten. Mit Ausnahme von ein-zwei Rückfällen – ihr wisst ja: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach – ziehen wir das Ganze bisher konsequent durch.
Eine große Hürde dabei waren und sind noch immer Bücher. Wenn zwei Menschen zusammenwohnen, die beruflich und privat schon früher ziemlich viele Bücher hatten, die im Laufe der Jahre nur mehr geworden sind, dann kommt da schon eine ordentliche Menge zusammen. Wir sind aber dabei, den Bestand deutlich zu reduzieren. Einiges wurde verschenkt, anderes sogar verkauft. Natürlich, Bücher haben ihren Wert und sind eine feine Sache. Genauso wie Lesen. Aber auf der anderen Seite sind auch Bibliotheken etwas Angenehmes. (Oder E-Book-Reader, aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

Die Zeiten, in denen ich Bücher nur horten wollte, um möglichst viele zu besitzen und eine Hausbibliothek aufzubauen, sind vorbei. Die Zeit, in der ich vielleicht sogar ein wenig mit der Zahl meiner Bücher vor Gästen angeben wollte, gehört längst der Vergangenheit an. Zeit ist leider – bei mir, wie bei jedem anderen mit Kind und Karriere – knapp bemessen, also sind auch die Zeiten vorbei, in denen man sich regelmäßig den Luxus gönnen konnte, Romane ein zweites oder drittes Mal zu lesen. Natürlich, manchmal kommt das vor, aber es gibt so viele Bücher der Weltgeschichte, die ich gerne einmal lesen möchte… und vieles davon steht hier in unseren Bücherschränken. Ja, es vergehen Tage, nicht selten sogar Wochen, in denen ich keinen einzigen Satz Belletristik lesen kann, weil ich so viel zu tun habe! Vom Platzmangel als Grund für das Verschenken oder Verkaufen der Bücher gar nicht erst zu sprechen!

Die Konsequenz: Dem Prozess, der auch die Lebensqualität bereits beeinträchtigt, Einhalt gebieten. Ja, so viele Bücher haben nicht nur ihr Gutes, sie können auch eine Last sein. Da möchte man den einen oder anderen langweiligen, gar gehassten Roman am liebsten wegwerfen, aber man hängt emotional trotzdem dran. Sei es, weil es eine schöne Ausgabe ist, oder weil es ein Geschenk war. Daran müssen wir mit der Dame des Hauses noch beide arbeiten.
Ein weiteres Ereignis, das mich auf unserem Weg bestärkt, ist mir vor einigen Tagen widerfahren. Eine im Frühjahr verstorbene Bekannte hat eine ganze Hausbibliothek hinterlassen, Unmengen von Büchern. Vieles kommt nun an die Uni, wo ich auch meine PhD-Ausbildung absolviert habe, und wird zum Bibliotheksbestand. Einiges landet bei den Professoren, anderes wiederum wird an die Studenten verschenkt. So endet die Sammlertätigkeit eines Lebens, im Laufe derer weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. So vergeht der Ruhm der Welt.

Ich denke, die Welt hat sich weiterbewegt, auch wenn ich selbst in vielem noch an Büchern hänge. Die neueste Fachliteratur, die besten Fachbücher findet man heute oft im Internet, oder man hat dank der heimischen Bibliotheken oder gar dank der Fernleihe Zugang zu ihnen. Vor etlichen Jahrzehnten war das hier bei uns in Ungarn noch unvorstellbar. Man besaß nur das Wissen, das man in Büchern zu Hause stehen hatte. Das man sich hin und wieder aus dem Ausland mitbrachte und dann immer griffbereit hatte.
Natürlich, Bücher repräsentieren nach wie vor einen Wert, und auch das Wissen – oder eben das Vergnügen – zwischen zwei Deckeln ist nicht weniger geworden. Aber ob man wirklich so viel zu Hause stehen haben muss, das wage ich nunmehr zu bezweifeln. Selbst in meinem Beruf greife ich nur mehr selten zu Büchern in Papierform, obwohl das früher unvorstellbar gewesen wäre.

Vieles wird sicherlich bei uns zu Hause bleiben. Eine Wohnung ohne Bücher oder mit nur wenigen Bänden sieht für mich nach wie vor leer und komisch aus. Aber wir werden auch versuchen, vieles zu ändern. Wie gesagt, ich bin kein besserer Mensch, auch kein gebildeterer, nur weil ich viele Bücher zu Hause habe. Auch die Kinder werden nicht lieber lesen wollen oder sich besser entwickeln, nur weil sie von vielen Büchern umgeben sind. Man muss nicht alles besitzen, um es bei sich zu tragen, zu verinnerlichen, sich daran zu erinnern. Bei weitem nicht.

2014/09/30

Der Tod ist groß

Ein Todesfall ist ja immer etwas Schreckliches, unabhängig davon, ob es um Jung oder Alt, um eine lange Krankheit oder ein plötzliches Ableben geht. Und auch unabhängig davon, ob man die betroffene Person gekannt hat oder nicht.
Manchmal kann das Leben wirklich grausam sein. Das habe ich mir gedacht, als ich vom Tod einer jungen Frau vor einigen Tagen erfahren habe. Persönlich kannte ich sie nicht, sie war eine Freundin einer Bekannten, die mir ihr Schicksal anvertraut hat. Die an Bluthochdruck leidende junge Frau, die deswegen angeblich auch behandelt wurde, erlitt vor kurzem eine Hirnblutung, fiel ins Koma und starb einige Tage später, nur einen Tag nach ihrem dreißigsten Geburtstag. Ich weiß, der Tod kennt weder Zahlen, noch Termine – oder kennt sie womöglich viel zu genau –, aber das ist trotzdem grausam. Insbesondere für die Angehörigen und die Freunde der Betroffenen.

In solchen Momenten fragt man sich vieles, es geht einem so viel durch den Kopf, dass man das gar nicht niederschreiben könnte. Und solche Geschichten erinnern einen immer wieder daran, was wirklich wichtig im Leben ist, was man von den Dingen und Menschen halten sollte, die einen Tag für Tag nerven oder einem die Zeit rauben. Leider verfliegt die Wirkung solch schrecklicher Nachrichten oft viel zu schnell, und der Alltag holt einen rasch ein.
Versuchen wir, uns das obige tragische Schicksal diesmal ein wenig länger in Erinnerung zu rufen, wenn im täglichen Leben etwas nicht so klappt, wie wir es uns vorstellen. Schließlich gibt es wichtigere Dinge und größere Probleme, als die, mit denen wir uns womöglich gerade befassen müssen.

Diese traurige Geschichte erinnerte mich an das schöne und äußerst passende Gedicht Schlußstück von Rainer Maria Rilke:

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

2014/09/28

A day in the life of...

Und wieder einmal bin ich mit dem heutigen Tag ein Jahr älter geworden. Die Zeit rast mit voranschreitendem Alter wirklich schnell. Tage, Wochen, Monate und auch Jahre vergehen fast wie im Flug. Mit ein bisschen Übertreibung könnte man sagen: Gestern war ich noch dreißig, heute bin ich schon vierunddreißig. Oder wie es die Dame des Hauses anlässlich des heutigen Jubiläums treffend formuliert hat: Unglaublich, dass ich zehn Jahre jünger war als heute, als ich sie kennen gelernt habe…
Der Tag war eigentlich nicht außergewöhnlich, jedoch sehr schön. Wenn man von etlichen Angehörigen und Freunden beglückwünscht wird, telefonisch, per E-Mail, SMS und dem „Gesichtsbuch“, dann kann das nur ein schöner Tag sein, oder? Dass man bestimmten Menschen einfällt, dass sich auch Leute, die man nicht auf der Rechnung hatte, die Zeit nehmen, um zumindest beim „Gesichtsbuch“ zu gratulieren. Und besonders schön ist immer, wenn man an seinem Geburtstag nicht arbeiten muss und mit der Familie zusammen sein kann, so wie heute.
Ein bisschen enttäuschend dagegen ist für mich meistens der 29. September, an dem es so weitergeht, wie vor dem Geburtstag. Rein in den Alltagstrott, Schluss mit lustig. Da hat man ja nicht einmal das, was man zu Weihnachten genießen kann: noch zwei Tage Ruhe und Entspannung (und eine verhältnismäßig ruhige Woche) nach Heiligabend. Aber was soll’s: Man kann nicht alles haben, ansonsten würde man ja Weihnachten weniger zu schätzen wissen!

2014/09/06

Fliegender Zirkus

Als jemand, der mit den (Wiederholungen von) Monty-Python-Filmen und -Sketchen groß geworden ist, die ein durchaus prägendes Erlebnis für mich waren und sind, durfte ich mir natürlich die Reunion- und zugleich Abschlussvorstellung der Comedy-Truppe nicht entgehen lassen. Dank der Aufzeichnung und der Aufnahme ins Kinoprogramm konnten auch wir hier, etliche Tausend Kilometer von der O2-Arena in London entfernt, die Show genießen, die den Titel Monty Python Live (mostly): One Down, Five To Go trug.
Von den insgesamt zehn Abschiedsvorstellungen war dies die angeblich allerletzte am 20. Juli, und wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, denke ich, dass es auch so bleiben wird. (Auch wenn sich vor ein paar Jahren auch diese Reunion niemand vorstellen konnte.) Das mit einigen Gesangs- und Tanzeinlagen bzw. Choreografien angereicherte Programm war natürlich ein Best-of mit den denkwürdigsten Sketchen der Truppe. Das meiste wurde dabei live auf der Bühne präsentiert, aber etliche Einspieler ließen die Originalversion des Monty Python’s Flying Circus wieder aufleben.

Was mir sehr gefallen hat, war die Tatsache, dass die alten Sketche hie und da ein wenig verändert und der heutigen Zeit angepasst wurden. Man denke nur an die Sticheleien gegen John Cleese mit dem Verweis auf seine vier Ehen und seinen Scheidungsprozess, oder die Erwähnung der Reise-Dokumentationen von Michael Palin.
Ebenfalls erwähnenswert ist, dass den Komikern wirklich anzusehen war, wie sehr sie den Auftritt genießen. In etlichen Szenen musste der eine oder andere selbst lachen bzw. sich das Lachen verkneifen. Kein Wunder, schließlich folgte Gag auf Gag, und selbst hart gesottene Fans bekamen fast schon Muskelkater im Gesicht.
Alles in allem war es ein großartiges Kinoerlebnis, auch wenn es einiges aus dem Live-Auftritt nicht in die Kinoversion geschafft hat. Aber schließlich müssen sich ja die Herren von Monty Python auch etwas für die DVD-Version aufheben, sonst würden sie ja weniger Menschen kaufen.

2014/08/31

Summer has gone

Ich schreibe ja auf diesen virtuellen Seiten selten über das Wetter, aber am letzten Augusttag dachte ich mir, dass sich vielleicht ein Fazit der jüngsten Vergangenheit lohnt. Der diesjährige Sommer war nicht gerade das Gelbe vom Ei. So viel Regen und so viele Gewitter hat es schon lange nicht gegeben. Gepaart mit der streckenweise recht hohen Luftfeuchtigkeit erinnerte das ganze an ein tropisches Klima. Während es in den Vorjahren immer wieder Tage, ja Wochen mit extrem hohe Temperaturen gab (nicht selten um die 39-40 Grad), hatte es in diesem Jahr nur ganz selten über 33-34 Grad, und oft wurden nicht einmal diese Werte erreicht, auch wenn es kein sonderlich kühler Sommer war. Wenn wir die vergangenen drei Monate mit einem Wort beschreiben wollen, dann wäre wohl der Ausdruck unbeständig ziemlich passend.
Rufen wir uns kurz auch den diesjährigen Winter in Erinnerung: Dieser war ja besonders mild, und wir hatten vielleicht nur ein-zweimal einen geringen Schneefall. Zum Rodeln und Schneemann Bauen sind wir nicht gekommen und auch eine Schneeballschlacht konnte nicht stattfinden.
 
Ich möchte hier keineswegs die Alarmglocken läuten lassen, aber so langsam beginne ich den Studien und Aussagen Glauben zu schenken, die von einer Veränderung unseres Klimas und dem negativen Einfluss des Menschen auf Wetter und Klima sprechen. Natürlich lässt sich das so pauschal nicht feststellen, aber es gibt viele (und immer mehr) Anzeichen dafür, dass sich die Dinge nicht in die richtige Richtung entwickeln.
Was den Herbst betrifft, der mich zumindest immer ein wenig betrübt macht, vor allem wenn es schon in Richtung des langen Winters geht, würde ich mir – wie vermutlich viele – zumindest zu Beginn einen klassischen Altweibersommer mit vielen Sonnenstunden und möglichst hohen Temperaturen wünschen. Mal sehen, ob sich unser Wunsch erfüllt.

2014/08/24

Alte Zeiten

Fünf Jahre sind viel oder auch wenig. Hängt davon ab, worum es geht, denke ich. Wenn man jemanden ziemlich genau fünf Jahre nicht sieht und zwischendurch – meiner Erinnerung nach – nur einmal kurz miteinander telefoniert hat, ist das schon eine recht lange Zeit.
Vor einigen Tagen habe ich mich mit einem Freund und ehemaligen Kollegen getroffen, um uns an die alten Zeiten zu erinnern und darüber zu reden, wie es um uns jetzt steht. Ich denke, die Tatsache, dass wir nach fünf Jahren dort anknüpfen konnten, wo wir einst aufgehört hatten, ist ein Indiz dafür, dass wir beruflich auf derselben Wellenlänge sind. Ja, mehr noch, da es vor allem auch um Privates ging: Es ist für mich ein Zeichen echter Freundschaft.
Etwa vor sieben Jahren – Zahlenmystik gefällig? – haben wir uns nicht ganz im Guten getrennt, jeder ging seinen eigenen Weg. Es war kein Hass, keine Wut, es war eher eine herbe Enttäuschung, über die wir uns beide hinwegsetzen mussten. Wir brauchten einfach Zeit, um uns ein wenig von den Geschehnissen zu entfernen, um alles in einer neuen Situation und Lebenslage zu verarbeiten und zu durchdenken. Zudem zog es ihn in eine andere Stadt, sodass wir uns auch im geografischen Sinne voneinander entfernten.

Nun aber haben wir uns dank eines gemeinsamen Freundes wieder zusammengefunden, um über die vergangenen fünf bzw. sieben Jahre zu plaudern. Wir beide haben in der vergangenen Zeit gespürt, dass sich die einstige Enttäuschung im Grunde in Luft aufgelöst hat. Es ist einfach zu viel um uns herum geschehen, privat und beruflich gleichermaßen. Neue Situationen benötigen eine neue Sicht auf die Dinge, eine Umbewertung, denke ich.
Die geografische Entfernung ist zwar immer noch gegeben, aber vielleicht war diese jetzige Annäherung doch mehr als ein erster Schritt in Richtung eines intensiveren und guten Kontakts. Vielleicht greifen wir beide nun doch hin und wieder zum Telefon oder zur Tastatur, um uns nach dem Wohlergehen des Anderen zu erkundigen. Womöglich treffen wir uns wieder häufiger, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Denn wie das Treffen vor einigen Tagen gezeigt hat: Wir haben uns noch immer einiges zu sagen und denken immer noch ziemlich ähnlich über die Dinge des Lebens.

2014/08/16

Netter Wolf

Lange ist es her, dass ich ein Buch zum Thema Musik gelesen habe. Meist ist es dann doch ein Roman oder eine Kurzgeschichtensammlung, den bzw. die ich vom Bücherregal nehme oder aus der Bibliothek ausleihe. Die Ausnahme bildete nun während meines Sommerurlaubs ein Buch von Mark Eglinton über den Frontmann einer meiner Lieblingsbands mit dem Titel James Hetfield: The Wolf at Metallica’s Door, das ich von meinem Bruderherz geschenkt bekommen habe.
Es war interessant, viele Details aus der Kindheit, Jugend und dem späteren Leben des Sängers und Gitarristen zu erfahren, die man teilweise hier und da vielleicht ansatzweise schon gehört hat, oder auch nicht. Das Buch behandelt natürlich nicht ausschließlich die Person und Persönlichkeit Hetfields, sondern auch vieles aus dem Leben seiner Band. Klar, diese zwei Dinge können wohl kaum voneinander getrennt werden. Deshalb werden alle Alben der Gruppe ausführlich unter die Lupe genommen, und das Schicksal der Band in den vergangenen dreißig Jahren wird akribisch analysiert.

Obwohl ich mich der ziemlich niederschmetternden Meinung des Autors bezüglich der in den neunziger Jahren veröffentlichten umstrittenen Alben Load und Reload nicht anschließen kann, fand ich das Buch insgesamt sehr gut recherchiert und kurzweilig verfasst. Zumal Mark Eglinton zum Beispiel bezüglich dieser beiden Platten auch die positiven Meinungen aus der Musikpresse zitiert, wie es sich für einen guten Autor bzw. Journalisten gehört.
Auf den etwa 250 Seiten wird es nie langweilig, die 17 Kapitel runden die Laufbahn der Band und das Leben Hetfields bis einschließlich der Zeit nach dem jüngsten Album Death Magnetic gut ab. Als Fan kann man nur hoffen, dass mit der Zeit noch etliche Kapitel zu diesem Buch hinzugefügt werden können.