2012/12/04

A Question of Time

Depeche Mode ist eine Kultband, keine Frage. Ich bin zwar kein knallharter Fan, besitze kein Album von ihnen, war noch nie bei einem Konzert, aber ich mag die Musik wirklich gern. Sowohl die älteren, als auch die neueren Sachen, die ich kenne. Doch zum Mainstream würde ich die Band nicht zählen, in dem Sinne, in dem zum Beispiel Sting, Elton John oder Tom Jones zum Mainstream gehören. Diese Musiker haben nämlich Fans aus vielen Altersgruppen – vor allem auch aus dem älteren Semester –, querbeet durch die Gesellschaft.
Anscheinend sind aber auch die Entscheidungsträger bei den großen Firmen dieser Welt in die Jahre gekommen und werden so langsam von jüngeren und frischeren Arbeitskräften abgelöst. Und deshalb müssen wir uns nach und nach daran gewöhnen, dass die Musik unserer Kindheit – das heißt, der Kindheit der Mitte bis Ende Dreißiger – den Weg in die Medien und in die Werbung findet. Den Weg in den Mainstream. Im Falle von Depeche Mode: Vom Synthie-Pop (und von der Gothic-Szene) zum Mainstream. In diesem Sinne sind DM also wohl die neuen Stings, Elton Johns und Tom Jones’ dieser Welt.

Warum? Nun, weil in diesen Wochen gleich zwei Werbespots mit der Musik von Depeche Mode im Fernsehen angelaufen sind. (Vermutlich auch anderswo in Europa, aber hier bei uns in Ungarn auf jeden Fall.) Einerseits der Armani-Spot für ein neues Parfum mit dem Track Personal Jesus, andererseits die neue VW-Werbung mit dem Lied People are People.
Im letzten Jahrzehnt haben DM sicherlich eine viel breitere Masse für sich gewinnen können, als früher: Songs wie Dream On, Freelove, I Feel Loved, Precious und Wrong dürften den meisten Radiohörern bekannt sein – und bei vielen wohl auch beliebt. Die jetzt verwendeten beiden Hits stammen jedoch aus der tiefen Vergangenheit: 1989 und 1984.
Wie gesagt: Eine andere Erklärung habe ich nicht dafür, als die, dass nunmehr diejenigen über die Spots entscheiden, die mit dieser Musik groß geworden sind. Und das ist auch gut so, wenn ihr mich fragt. Beide Songs sind klasse. Auch wenn ich mir deshalb sicherlich keinen VW zulegen und mir auch kein Armani-Parfum zu Weihnachten wünschen werde. Das aber ist eine andere Geschichte.

2012/11/30

Bitte, bitte lass mich...

Bei uns um die Ecke befindet sich ein Markt, wo wir wöchentlich einkaufen. Manchmal sogar zweimal die Woche. Heute war wieder einmal ein Besuch angesagt, und dabei habe ich eine interessante Szene beobachten können.
Unter anderem war ein fein gekleideter Herr dort unterwegs. Heller Anzug, dunkler Mantel, elegante schwarze Lackschuhe. Er war so um die sechzig Jahre alt, würde ich schätzen. Obwohl er ebenfalls auf dem Markt einkaufen war, trug er nichts in der Hand. Weder eine Einkaufstasche, noch ein Plastiksackerl, und er zog auch keinen Einkaufswagen hinter sich her.
Stattdessen konnte ich beobachten, dass ihm in einer Entfernung von ein-zwei Schritten ein weitaus einfacher bzw. schlechter gekleideter Mann folgte. An seiner nicht mehr ganz sauberen Jacke, seiner Mütze, seinen mittellangen, herunterhängenden Haaren und seinem unrasierten Gesicht konnte man ganz klar erkennen, dass er nicht ganz derselben sozialen Schicht entstammte, wie der vor ihm gehende Herr. In beiden Händen trug er eine große Einkaufstasche, vollgepackt mit diversen Lebensmitteln. Wie schwer die Sachen waren, konnte man auch an seiner gebückten Haltung erkennen.

Die Situation war für mich gleich beim ersten Hinsehen eindeutig. Ich denke, wir hatten es hier mit einem Diener zu tun. So, wie es sie früher bei den Aristokraten gab, ja vielleicht sogar heute noch gibt. Nur, dass der besagte feine Herr sicherlich kein Adeliger ist, denn die würden sicherlich nicht persönlich auf unserem Markt um die Ecke vorbeischauen.
Oder sollte ich im Zusammenhang mit unserem heutigen Erlebnis doch lieber von moderner Sklaverei reden? Nein, so weit möchte ich dann doch nicht gehen! Einerseits möchte ich hoffen, dass der hintere Mann für seine Dienste zumindest ein klein wenig Lohn bekommt und so zumindest etwas verdient. Andererseits habe ich nur einen Satz erhaschen können, den der feine Herr zu dem hinter ihm gehenden Mann gesagt hat. Dieser lässt jedoch darauf schließen, dass er seinen Helfer nicht allzu schlecht behandelt. „Komm, wir trinken noch ein Bier dort drüben, und dann gehen wir nach Hause“, sagte er, bevor ich sie aus den Augen verloren habe.

2012/11/22

Sie haben Post

Keine Frage, Facebook ist in aller Munde und heutzutage sehr trendig. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch viele, die sich nicht registrieren wollen, oder in jüngster Vergangenheit ganz einfach ihr Profil gelöscht haben. Datenkrake, großer Bruder und ähnliche Begriffe fallen in diesem Zusammenhang häufig.
Auch wenn man aber die Seite nutzt, gibt es zweifelsohne verschiedene Möglichkeiten, wie man sich dort verhält. Und wie so oft, kann man es auch in diesem Fall leicht übertreiben, denke ich. Wir alle kennen die Geschichten von hunderten geposteten Babyfotos, von den Urlaubsbildern ganz zu schweigen, deren wichtigstes Ziel es ist, allen zu zeigen, an welch tollen Orten man die Ferien verbracht hat.

Das jüngste Beispiel, das ich in den letzten Tagen nicht das erste Mal beobachtet habe, ist, dass Ehepaare über Facebook miteinander kommunizieren. Dabei denke ich nicht daran, dass etwas für die Allgemeinheit und somit auch für den Partner gepostet oder „geliked“ wird, sondern daran, dass bestimmte Nachrichten, Links, kurze Briefe direkt an den Partner gerichtet werden, aber für alle öffentlich einsehbar sind.
Auch im Falle von frisch Verliebten oder jungen Pärchen fände ich das seltsam, würde es aber womöglich den Hormonen zuschreiben und vielleicht darüber hinwegsehen. Wenn aber Leute Mitte oder Ende Dreißig das tun, die noch dazu verheiratet sind, dann frage ich mich wirklich, ob mit mir oder mit ihnen etwas nicht stimmt. Ob ich derart altmodisch bin, oder doch nicht.

Wobei „altmodisch“ ja auch ein relativer Begriff ist... Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich das Paar E-Mails schickt, wenn sie schon tagsüber nicht zusammen sein können, und auf diese Weise miteinander kommuniziert. Kein Problem, auch wenn viele der noch etwas älteren Generation auch das schon komisch finden würden. Oder sie schicken sich womöglich private Nachrichten über Facebook. Meinetwegen.
Aber ob die Kommunikation wirklich für jedermann einsehbar über die sozialen Medien erfolgen muss? Ich glaube, wie bereits gesagt, dass da etwas nicht stimmt, entweder mit ihnen oder mit mir. Aber vielleicht wird diese ganze Sache ja in einigen Jahren gang und gäbe sein. Wer weiß?

2012/11/19

Alle Jahre wieder

Am Wochenende war ich mit unserem Sohnemann spazieren, der in dieser Woche 18 Monate alt wird. Dabei haben wir auch einen Abstecher in einen nahe gelegenen Baumarkt gemacht, um uns ein wenig zu wärmen und uns umzusehen. Wie bekannt, steht ja Weihnachten vor der Tür, kein Wunder also, dass das ganze Geschäft weihnachtliche Stimmung verbreitete. Die Händler beginnen ja schon nach dem neuen Volksfest Halloween damit, den Weihnachtsschmuck ins Schaufenster zu stellen und die Läden weihnachtlich zu stimmen, um möglichst viel Geld in der mittlerweile zwei Monate langen Saison zu scheffeln.

Aber zurück zur Sache. Sohnemann ist natürlich noch etwas klein, um vom weihnachtlichen Getümmel etwas mitzubekommen, auch wenn er schon vieles versteht, sich vieles merkt und einige Worte auch schon spricht. Als wir jedoch so im Baumarkt herumspaziert sind, schwirrte doch in meinem Kopf herum, wie und wie lange man den weihnachtlichen Zauber überhaupt in unserer heutigen, von Konsum geprägten Welt aufrecht erhalten kann?
Früher standen in den Großstädten vielleicht ein-zwei Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen oder in großen Geschäften. Heute steht in fast jedem Laden ein geschmückter Baum. Und im Baumarkt standen zudem Kunststofftannen dicht an dicht nebeneinander. Da gab es grüne, weiße, ja sogar rosafarbene… Von den Weihnachtsmännern gar nicht erst zu sprechen!
Überall wird einem heute eingetrichtert, dass man schenken muss, es fällt einem fast gar nicht mehr auf, was alles auf einen einrieselt in der Vorweihnachtszeit – Bilder, Werbung, Durchsagen, Gesprächsfetzen usw. Doch Kinder sind da noch viel aufmerksamer, als wir. Und natürlich empfindlicher.

So langsam müssen wir uns Gedanken machen, was wir unserem Sohnemann über Weihnachten erzählen und vermitteln. Auch schon im Laufe des nächsten Monats, aber nächstes Jahr wird er noch viel, viel mehr mitbekommen. Vielleicht sogar schon etliche Fragen stellen. Auch dies ist, wie so vieles, keine leichte Aufgabe in unserer Zeit...

2012/10/22

Und Action!

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren habe ich hier im Blog über den Kinofilm The Expendables berichtet, dessen Fortsetzung gerade auf den Leinwänden dieser Welt flimmert. Was ich damals geschrieben habe, hat auch diesmal, nach meinem gestrigen Kinoerlebnis, seine Gültigkeit, und das ist gut so. Erneut sind viele der damaligen Stars dabei (unter anderem Stallone, Lundgren, Statham und Li), und diesmal konnten auch einige weitere Hochkaräter für den Film gewonnen werden: Jean-Claude Van Damme und Chuck Norris sind nun im zweiten Teil mit von der Partie. Zudem haben Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger eine weitaus größere Rolle übernommen, als noch im ersten Teil.
 
Wieder einmal steht die Handlung natürlich im Hintergrund, viele Gedanken haben sich die Verantwortlichen da nicht gemacht, dafür muss sich auch der Zuschauer nicht allzu viele machen. Es genügt, wenn er einerseits die bombastischen Action-Szenen, andererseits erneut die teilweise geistreichen und ironischen Dialoge genießt. Wieder ist die Creme de la Creme der Actionstars dabei, und das an sich sollte für Fans des Genres genügen, um in die Kinosäle zu pilgern.
Der dritte Teil soll sich angeblich schon in Planung befinden, wobei über ein Engagement von Clint Eastwood, Harrison Ford, Steven Seagal, Nicholas Cage und Wesley Snipes gemunkelt wird. Wie man sieht, hat Drehbuchautor Sylvester Stallone zweifelsohne noch einige Asse im Ärmel, und wir dürfen schon jetzt gespannt sein, welcher dieser Herren es schließlich in die Fortsetzung schaffen wird.

2012/10/17

Du riechst so gut

Auch nach dem zweiten Lesen halte ich Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders von Patrick Süskind für ein Meisterwerk der Literatur. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher auf die Handlung eingehen, denn die wird sicherlich den meisten Lesern dieser virtuellen Seiten bekannt sein, nicht zuletzt seit der ziemlich guten Verfilmung des Buches im Jahre 2006.
Vielmehr möchte ich an dieser Stelle nur anmerken, dass es sich meiner Meinung nach deshalb um ein großartiges Werk handelt, weil es sehr viele Facetten hat, stets neue Momente aufzeigt und einen so zum Nachdenken anregt. Es kann sowohl als ein Stück Belletristik, als auch als ein Unterhaltungsroman bzw. Kriminalroman gelesen werden. Es ist ein Buch, bei dem man laufend Neues über die Welt der Düfte, die Parfumherstellung und über das 18. Jahrhundert erfährt, bei dem man in die damalige Atmosphäre, ins damalige Leben eintauchen kann, aber zugleich auch ein Buch, das einen stellenweise erschaudern lässt.
 
Die detaillierten, aber nie allzu langatmigen Ausführungen über die verschiedenen Düfte, Gerüche und den Gestank in den einzelnen Szenen sind für den Leser beinahe spürbar, was ein großes Verdienst des Autors ist. Auch sprachlich ist das Werk überaus anspruchsvoll, aber keineswegs unverständlich. Die Handlung ist spannend erzählt, und insbesondere der Schluss des Buches erschütternd und unerwartet. Es handelt sich um ein Ende, bei dem man unweigerlich nachzudenken und zu philosophieren beginnt, da der Autor dem Leser zum Glück nicht alles vorkaut.
Alles in allem handelt es sich also um einen überaus empfehlenswerten Roman, den es sich sicherlich lohnt, öfter zu lesen, damit sich dem Leser nach und nach immer mehr Details erschließen.

2012/10/03

Ballast der Republik

Komisch, aber es fiel mir heute auf, dass ich über das neue Album der Toten Hosen, das ich mir heute wieder angehört habe, noch gar nicht hier im Blog geschrieben habe. Dabei ist Ballast der Republik einerseits schon im Mai dieses Jahres erschienen, andererseits ein überaus gelungenes Werk zum dreißigjährigen Bestehen der Band.
Es war meines Erachtens ein kluger Schachzug der Düsseldorfer, zwei neue Gesichter – den Rapper Marteria und die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr – in das Verfassen der Texte einzubinden. Während Letztere am großen Hit des Albums, Tage wie diese, mitgeschrieben hat, nahm Marteria an der Arbeit an sechs Liedern von den sechzehn teil. Aber nicht nur textlich ist das neue Werk erfrischend und zum Nachdenken anregend, auch musikalisch fühlt es sich frisch und frech an, obwohl am Komponieren keine neuen Personen teilgenommen haben. Es sind neben ein-zwei ruhigeren Liedern zahlreiche rockige, hymnenartige Songs dabei, wie zum Beispiel Ballast der Republik, Tage wie diese und Altes Fieber.

Das Bonus-Album zur CD ist eine Coverscheibe mit insgesamt fünfzehn Lieblingsstücken der Band unter dem Titel Die Geister, die wir riefen. Bemerkenswert ist die Aufnahme der Lieder Rock Me Amadeus von Falco und Das Model von Kraftwerk, nicht gerade die musikalische Welt der Toten Hosen, sowie Schrei nach Liebe, des großen Hits der Band Die Ärzte, die ja von den Medien gerne als Konkurrenten, ja beinahe schon Feinde der Hosen dargestellt werden. Also auf jeden Fall eine Besonderheit für alle Fans!