„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“ So hat es bereits George Orwell in seinem Klassiker Farm der Tiere im Jahre 1945 festgestellt, und seine treffende Aussage hat heute – nach fast siebzig Jahren – immer noch Gültigkeit.
Das alles ist mir heute Morgen beim Frühstück eingefallen, als ich nach langer Zeit wieder einmal Müsli gegessen habe. In letzter Zeit war mir nicht danach, aber gestern habe ich mir doch wieder eine Packung gekauft. Nicht irgendeine, sondern die Sorte Mandel-Nuss von V*tal*s. Und als ich das Frühstück bis auf den letzten Tropfen ausgelöffelt habe, musste ich – wieder einmal – verärgert feststellen: in meiner Schale befand sich keine einzige Walnuss und auch keine einzige Mandel. Oder vielleicht eine halbe, hauchdünne Mandelscheibe, so genau weiß ich das nicht mehr, aber das war’s auch schon. Schluss. Aus. Feierabend.
Das ganze war für mich natürlich nicht neu und nicht überraschend, aber es wurmt mich trotzdem immer aufs Neue. Vor etlichen Jahren haben wir nämlich in der Familie genau anhand dieses Produkts festgestellt, was Jahre später von den ungarischen Medien auch aufgegriffen und thematisiert worden ist: Für den ost- und mitteleuropäischen Markt werden von manchen Firmen Produkte hergestellt, die schlechter sind oder weniger von den Zutaten enthalten, als die entsprechenden Produkte für den westeuropäischen Markt.
Die von Verwandten aus Deutschland mitgebrachten Müslipackungen schmeckten damals stets nussig und enthielten auch viele, sogar ganze Nuss- und Mandelstücke. Die anschließend in Ungarn gekauften Packungen unterschieden und unterscheiden sich dagegen deutlich von diesem Produkt.
Genauso war es – was dann in den Medien bei uns aufgegriffen wurde – bei Windeln, die in Westeuropa viel saugfähiger sind, als in Mittel- und Osteuropa, das heißt seltener ausgetauscht werden müssen. Es gab noch ein-zwei andere Beispiele, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann, aber durchweg wurde festgestellt: Große Konzerne unterscheiden selbst beim europäischen Markt und liefern zum Beispiel nach Österreich Ware von besserer Qualität, als ins benachbarte Ungarn.
Wie gesagt, das heutige Frühstück hat mich nicht überrascht, aber es tut immer aufs Neue weh, wenn man mit diesen Fakten konfrontiert wird. Vor allem, weil zum Beispiel Österreich nur wenige Kilometer von Ungarn entfernt ist. Da kommt man sich als Mitteleuropäer quasi als Depp vor. Und natürlich stellt man sich die Frage – ohne, dass ich hier die Politik allzu sehr ins Spiel bringen möchte –, was wir eigentlich in der Europäischen Union suchen bzw. was wir dort finden möchten. Wenn der Verbraucherschutz und der Schutz der Menschenrechte in der EU nicht einmal diese Hürde meistern kann, sie vielleicht sogar vorsätzlich aufrechterhält, na, dann gute Nacht...