2008/11/18

Jolly Roger

Heute kam die Meldung, dass vor der Küste Somalias erneut ein Schiff von Piraten gekapert wurde. Und zwar diesmal kein gewöhnliches Schiff, sondern ein Tanker, der mit Öl im Wert von 100 Millionen US-Dollar beladen ist.
In den letzten Jahren häufen sich die Meldungen über solche Vorfälle, und trotz des ernsten Themas muss ich immer ein wenig schmunzeln, wenn ich darüber höre. Beim Wort Pirat fällt mir nämlich spontan das Bild eines klassischen Ganoven ein, das wir wohl alle in unserem Kopf haben. Mit Hut, Augenklappe, Drei-Tage-Bart, Holzbein usw. Die typischen Klischees eben.
Dabei haben die heutigen Piraten nicht viel mit diesem Ganoventyp zu tun. Man sollte vielleicht stattdessen die etwas neutralere Formulierung Seeräuber verwenden, dann müsste ich nicht immer so schmunzeln, wenn ich von solchen Ereignissen höre.
Ansonsten glaube ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das erste Buch über diese modernen Seeräuber geschrieben, oder der erste Film über sie gedreht wird. Oder gibt es womöglich schon solche modernen Piraten in der Kunst?

2008/11/16

Nomen est omen

Da kann man ja nur den Kopf schütteln. Vorhin habe ich einen Bericht im deutschen Privatfernsehen darüber gesehen, auf welche Namen Eltern kommen, wenn es darum geht, ihren Kindern einen Namen zu geben. In Deutschland gibt es angeblich keine einheitliche Regelung, wie man seinen Nachfahren nennen darf, und in Zweifelsfällen entscheidet das Gericht darüber, ob ein Name akzeptabel ist, oder nicht.
Aber was denken sich eigentlich Menschen dabei, die ihr Kind Nemo, Tom Tom, London oder Grammofon nennen wollen? Nein, angeblich kein Scherz: Grammofon! Wie können Menschen, die eigentlich -- ich betone: eigentlich -- als Eltern verantwortungsbewusst handeln müssten, auf derart dumme Gedanken kommen? Wahrscheinlich weil sie wollen, dass ihr Kind auffällt (und sie als Eltern natürlich auch). Dass es dadurch eher zum Deppen gemacht wird, verdrängen sie dabei.
Übrigens: der Vorname Fanta ist angeblich zulässig, obwohl es sich um einen Markennamen handelt und demnach verboten sein müsste. Das Argument des Gerichts lautete jedoch, dass der Name genauso gut ein ausländischer Mädchenname sein könnte... Na, dann, in diesem Sinne...

2008/11/14

Wirklich witzig

Irgendwie sind in den letzten Jahren die witzigen E-Mails, die immer wieder die Runde machen, weniger geworden. Zumindest hat es für mich den Anschein. Vor einigen Jahren landeten regelmäßig witzige Bilder, Präsentationen, Kalauer und Witze in meinem elektronischen Postfach, die ich dann natürlich immer weitergeschickt habe. Egal, ob sie gut waren, oder nicht.
Mit der Zeit begann ich dann zu selektieren und habe nur wirklich Witziges (was natürlich äußerst subjektiv ist) weitergeschickt. Seit einiger Zeit merke ich jedoch, dass ich kaum mehr solche Sachen bekomme, und ich weiß nicht, warum. Entweder, weil der elektronische Briefwechsel vermehrt für das Arbeiten genutzt wird und die Menschen die per E-Mail eingehenden Witze leid sind und einfach löschen. Oder weil es nicht viel Neues gibt, was einen Rundbrief wert wäre.
So oder so, manchmal würde ich mir wünschen, mehr solche E-Mails zu bekommen, damit sie einen aus dem Alltagstrott reißen und erheitern. Natürlich vor allem neue Sachen, aber zum Teil wären auch alte hin und wieder schön, die man schon längst vergessen, oder dummer Weise damals nicht gespeichert hat.
Und warum mir das eingefallen ist? Ich habe heute eine deutschsprachige Mail mit zahlreichen Witzen und Kalauern erhalten, die ich noch nicht kannte und über die ich mich köstlich amüsiert habe. Eine kleine Kostprobe möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, auch, wenn mancher den untenstehenden Witz sicherlich schon kennt:

Prüfer: Der erste Mensch im Weltall, wie hieß der?
Azubi: James Tiberius Kirk! Da staunen Sie, oder?
Prüfer: Allerdings!
Azubi: Dass ich sogar wusste, was das “T” in James T. Kirk bedeutet.
Prüfer: Schon mal was von Juri Gagarin gehört?
Azubi: Selbstverständlich!
Prüfer: Ja und?
Azubi: Der hat doch so Löffel verbogen, im Fernsehen.
Prüfer: Aha, und Mr. Spock war der erste Mann auf dem Mond.
Azubi: Nein, das war Louis Armstrong!

2008/11/09

Auf Einkaufstour

Dieses Wochenende kann sich aus Bekleidungssicht sehen lassen, denke ich. Gestern haben wir eine neue Winterjacke und heute einen schicken neuen Anzug für mich gekauft. Es kommt ja nicht so oft vor, dass die Frauen dieser Welt bei solchen Einkaufstouren leer ausgehen, aber diesmal habe nur ich etwas bekommen.
Okay, einerseits hat sich die Dame des Hauses schon über die Woche ein Paar neue Schuhe gekauft, die in diesem Fall tatsächlich schon längst überfällig waren (kommt auch nicht so oft vor), andererseits wollte sie sich am Wochenende auch ein neues Kleid kaufen, aber sie hatte kein so großes Glück, wie ich mit den zwei Kleidungsstücken. Vielleicht beim nächsten Mal...
Es ist nicht so leicht, das Passende zu finden. So einen schönen dicken Anorak (mit Kapuze) wollte ich schon im vorigen Herbst/Winter haben, aber entweder das Angebot oder der Preis haben bisher nicht gestimmt. So einer mit Fell am Kragen oder ähnliches kommt mir nämlich nicht ins Haus, und ich weigere mich auch, ein Vermögen für eine einfache Winterjacke auszugeben, nur weil da der Name irgendeiner bekannten Firma draufsteht, oder deren Logo abgebildet ist.

2008/11/04

Waluliso

Das menschliche Gehirn ist ein interessantes Ding, muss ich schon sagen. Es behält Informationen und schafft Verbindungen, die noch nach Jahren vorhanden sein können, auch wenn man geglaubt hat, dass man sie längst vergessen hat.
Beim Surfen im Internet bin ich heute auf folgenden Spruch gestoßen: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ Dieser Spruch gilt einerseits als Indianer-Weisheit, andererseits als ein Motto von Greenpeace, aber ich habe ihn auf einem anderen Wege kennen gelernt und mir gemerkt: über eine Person mit dem Künstlernamen Waluliso, die diesen Spruch ebenfalls propagierte.
Und nun, als ich zufällig über diese leider Gottes noch immer sehr aktuelle Weisheit gestoßen bin, ist mir dieser nette alte Mann eingefallen, an den ich mehr als ein Jahrzehnt lang nicht mehr gedacht hatte, ja sogar mit einer gewissen Traurigkeit vernommen habe, als ich mich schlau gemacht habe, dass er bereits 1996 verstorben war.
Waluliso gehörte tatsächlich fest zu Wien dazu, war immer wieder in der Innenstadt anzutreffen, als ich noch als Kind in der Stadt wohnte. Er schien immer gut gelaunt zu sein, und sein Lächeln, seine bloße Erscheinung zauberten auch auf das Gesicht seiner Mitmenschen im Nu ein Lächeln. Sowohl auf das der Einheimischen, als auch auf das der Touristen, die nicht so recht wussten, was sie mit dem „schrägen Vogel“ anfangen sollten. Die Präsenz von Waluliso verzauberte aber auch sie binnen einiger Augenblicke und überzeugte sie von seiner Menschlichkeit und Gutwilligkeit. Möge er in Frieden ruhen!

2008/10/31

All Hallows' Even

Es nervt schon manchmal. Einerseits die Tatsache, dass man in den letzten Jahren fast überall in Europa mit diesem "Halloween-Schmarren" begonnen hat. Vor -- sagen wir mal -- einem Jahrzehnt wussten bei uns nur die wenigsten, was das überhaupt ist, ob man es essen oder trinken kann. Aber seitdem gibt es in den Geschäften Halloween-Dekorationen, es werden Halloween-Partys gefeiert und überall redet man davon.
Ich glaube ja, der ganze Hype wurde von der Wirtschaft nach Europa importiert, damit es zwischen Ostern und Weihnachten noch etwas gibt, womit man den Menschen möglichst viel Geld abknöpfen kann. So oder so, ich mache den Unfug nicht mit, weder in diesem Jahr, noch in naher Zukunft, zumal das ganze überhaupt keine Tradition bei uns hat und deshalb in meinen Augen fremder als fremd erscheint.
Was ich aber heute aus gleich drei Kanälen gehört habe, war beim dritten Mal auch schon sehr lahm und hat kurzfristig noch mehr genervt: Zuerst im Radio, dann im Internet und schließlich im Fernsehen kam der Wortwitz "Hallo Wien!", den ich bisher in meinem ganzen Leben noch nicht im Zusammenhang mit diesem Fest gehört hatte, aber heute, unabhängig voneinander, gleich dreimal, davon einmal sogar ins Ungarische übersetzt und extra erklärt. Schrecklich!
Wie gesagt: Halloween und "Hallo Wien!" bitte ohne mich! Stattdessen gedenke ich in diesen ein-zwei Tagen -- auch wenn Halloween schon am 31. Oktober und Allerseelen erst am 2. November ist -- lieber derer, die nicht mehr unter uns sein können, die wir aber für immer in unser Herz geschlossen haben.

2008/10/25

Maroni

Eines der vielen Anzeichen dafür, dass der Herbst und bald auch der Winter in die Stadt Einzug hält, ist das Erscheinen der Maronianbieter in der Stadt, die ich früher nur aus Wien kannte, die aber seit einigen Jahren auch hier bei uns regelmäßig auftauchen. Die ersten Vorboten habe ich in dieser Woche bereits gesehen.
Obwohl ich Maroni sehr mag, habe ich heute das erste Mal abgepackte Esskastanien gegessen, also nicht von einem Straßenverkäufer gekaufte, sondern geschälte und gekochte aus einer Packung. Sie sehen -- wie man auf dem beigefügten Foto erkennen kann -- nicht nur aus, wie die von den Ständen, sondern schmecken auch genauso gut, auch wenn sie der Aufschrift zufolge aus China stammen. Ich hätte sie vielleicht vor dem Verzehr erwärmen können, damit der Geschmack noch mehr an die auf der Straße Verkauften erinnert, aber schließlich ist es ja draußen noch nicht so kalt, geschweige denn in unserer Wohnung.
Ich werde mir das Produkt für die Zukunft merken. Schmeckt wirklich sehr gut! Und übrigens, für alle Experimentierfreudigen da draußen: Der Aufschrift zufolge können die Maroni auch als Einlage in Suppen verwendet werden.