2025/03/15

Modern Talking

Jemand stellt einem unter vier Augen eine nicht allzu bedeutende Frage, man antwortet recht ausführlich, nach bestem Wissen und denkt, der andere wird darauf reagieren, seine eigene Meinung darlegen usw. Als dann aber just in dem Moment unerwartet ein Dritter in den Raum kommt, folgt keinerlei Reaktion oder Antwort seitens des Fragestellers, der sich sogleich dem Dritten zuwendet. Als hätte es das vorherige Gespräch und Thema gar nicht gegeben, obwohl es keineswegs peinlich, prekär oder geheim war. Da fragt man sich wirklich, wie manche Menschen gestrickt sind.

Überhaupt: In letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl – vielleicht auch nur, weil ich verstärkt darauf achte –, dass die Menschen im Grunde nur mit ihrem eigenen Leben, ihren eigenen kurz- und langfristigen Plänen, Problemen, Ängsten beschäftigt sind. Auch deshalb macht Smalltalk, wie der oben erwähnte, für mich nicht viel Sinn. Hat ehrlich gesagt noch nie viel Sinn für mich gemacht.

Ich weiß, ich weiß: Auf diese Weise entgehen mir einerseits diverse private und noch mehr berufliche Möglichkeiten. Schließlich sind Kontakte heutzutage sehr wichtig. Zweitens wird man für solch ein Verhalten sicherlich auch in eine gewisse Schublade gesteckt. Notgedrungen sitzt man dann nämlich lieber alleine herum, vertieft sich ins Handy oder ein Dokument und ist womöglich immer unter den ersten, die die entsprechende Veranstaltung zum nächstbesten Zeitpunkt verlassen. Aber zum Glück kann ich das alles links liegen lassen. Die Karriereleiter habe ich längst für mich abgehakt, sollte ich überhaupt jemals mit dem Gedanken gespielt haben, hoch hinaus zu wollen. Es gibt schließlich viel wichtigere Dinge im Leben. Und mit dem Älterwerden geht meines Erachtens bestenfalls auch eine gewisse, elegante Nonchalance einher, nicht wahr? Das ist eine durchaus angenehme Erfahrung des Alterns, muss ich sagen.

2025/02/28

Aufzeichnungen aus dem Kellerloch (3)

Unabhängig davon, wie sich der Gesundheitszustand von Papst Franziskus entwickeln wird: Ich finde es im Vergleich zum bisherigen Umgang mit der Gesundheit des jeweiligen Papstes und auch im Vergleich zum Konservativismus der katholischen Kirche sehr fortschrittlich und zeitgemäß, dass täglich – sogar nicht nur ein – offizielles Update über den Zustand und den Krankenhausaufenthalt veröffentlicht wird. In gewisser Weise spiegelt das auch seine Neuerungen und seinen neuen Ansatz innerhalb der Kirche wider.

Dann wären da noch, jeder kennt sie bestimmt, die Menschen, die einen wegen jeder Belanglosigkeit per Telefon anrufen (wollen) und dann womöglich auch noch einen viel zu langen Smalltalk anregen. Sind das dieselben, die wegen jeder Lappalie ein Meeting halten möchten? Frage für einen Freund...

Und noch eine Sorte von Menschen. Nun habe ich schon zum wiederholten Mal erlebt, dass man einem einen Gefallen tut, weil die Person eine Frist verpennt hat, eine Nachricht nicht (genau) gelesen hat, oder ganz einfach ein Schlendrian ist. Man gibt dem jungen Hüpfer eine zweite Chance, bügelt die Situation aus und würde dafür vielleicht doch ein klitzekleines Danke erwarten. Weil sich dadurch für ihn keine größeren Schwierigkeiten ergeben haben, weil es sich ganz einfach so gehört, oder weil der aufstrebende junge Hüpfer in der Hierarchie eindeutig unter einem steht. Die Reaktion? Nichts, null, nada. Da fragt man sich schon, ob Menschen noch normal ticken.

2025/02/23

Mitfahrgelegenheit, die zweite

Auch das Gefühl und das Mitfreuen, wenn der mittlere Spross zum ersten Mal offiziell auf dem Beifahrersitz im Auto neben einem Platz nehmen darf, ist unbezahlbar. Unabhängig davon, dass man als Vater eine Art Déjà-vu hat...

2025/02/18

Backe, backe Fladen

In der Unterstufe des Gymnasiums - das ist gefühlt schon eine Ewigkeit her - hatte ich einen arabischen Klassenkameraden. Ein netter Junge, so weit ich mich noch erinnern kann. Herkunfts- und familienbedingt hat der besagte Sami hin und wieder - leider viel zu selten - sehr leckere Fladenbrotstücke in die Schule mitgebracht, die er dann warmherzig auch mit der interessierten Gemeinschaft teilte.

Szenenwechsel. Beim Surfen im Internet, stets offen für neue Rezeptideen zum Ausprobieren, bin ich vor einiger Zeit auf ein Tortilla-Rezept aus Weizenmehl aufmerksam geworden: 30 dag Mehl, 4 EL Öl, 1 TL Salz, etwa 1,2 dl lauwarmes Wasser und Oregano je nach Belieben. Kneten, in 8 Stücke teilen, papierdünn ausrollen. In trockener Pfanne beide Seiten ca. 1 Minute lang backen und fertig. Es wurde natürlich für später gespeichert und nun vor kurzem ausprobiert. Am vorigen Wochenende übrigens bereits zum zweiten Mal, weil es so einfach klingt und ist. Es werden keine Eier, keine Hefe bzw. kein Sauerteig und auch keine Milch gebraucht.

Als ich das fertige Produkt zum ersten Mal gekostet habe, durchfuhr es mich wie ein Blitz. All die schönen Erinnerungen kamen wieder hoch: an meine ehemalige Schule, an einen anderen Ort, an eine quasi andere Welt und Zeitrechnung, an Sami und an sein legendäres Fladenbrot, das er Lavash nannte. In all den Jahren, die seither vergangen sind, habe ich schon das eine oder andere Mal an ihn und sein so leckeres Fladenbrot gedacht - aber ganz selten. Wie gut es wäre, wieder ein Stück davon abzureißen und zu genießen. Und ein wenig auch daran, wie schön es damals und dort war, trotz all der kindlichen und kindischen Streitereien und Probleme mit anderen, die jedoch aus heutiger Sicht ziemlich mickrig und unbedeutend erscheinen.

Was ein Rezept für Tortilla war, hat genauso geschmeckt, wie ich Lavash in Erinnerung hatte. Interessant, dass die englische Wiki-Partnerseite auch Hefe unter den Zutaten für Lavash nennt, die deutsche jedoch nicht. Nun gut, es scheint - wie es oft der Fall ist - so zu sein, dass sich die Bezeichnungen ein wenig überschneiden und auch die Zubereitung nicht immer nur auf eine Weise möglich ist und sich regional unterscheidet. Im Grunde könnte man aufgrund meiner Recherche das fertige Produkt auch Yufka nennen. Naan jedoch, an das es mich auch erinnert hat, weniger, weil dieses scheinbar tatsächlich mit Hefe zubereitet wird.

Beim zweiten Mal habe ich aufgrund der gefundenen Beschreibung das Öl vollkommen weggelassen, sowohl aus dem Teig als auch aus dem Backverfahren. Dadurch ist das Ergebnis etwas trockener ausgefallen, war aber geschmacklich immer noch top. Beim nächsten Mal werde ich es wohl mit der Hälfte der im Rezept vorgeschriebenen Ölmenge als goldene Mitte versuchen.

Es ist schon schier unglaublich, wie einfach es ist, bestimmte Dinge zu Hause zuzubereiten, und wie lecker ganz einfache Rezepte mit nur wenigen Zutaten schmecken können. Auch dieses hier wird selbstverständlich ins Repertoire aufgenommen, als perfekte Alternative zum Beispiel zur hausgemachten Pizza.

2025/02/15

Doppelt gemoppelt

Den heutigen ruhigen frühen Morgen, während der Rest der Familie noch geschlafen hat, habe ich teils damit verbracht, nicht mehr benötigte E-Mails aus dem beruflichen Postfach zu löschen. Das hätte ich schon vor einiger Zeit, am besten in den Weihnachtsferien machen müssen, aber was soll’s. Einerseits, weil sich zwischenzeitlich ziemlich viel angehäuft hat, andererseits weil ich zu der Spezies gehöre, die ihre E-Mails weder privat noch beruflich gerne hortet. Ich weiß, da scheiden sich die Geister

Was mich heute irgendwie am meisten geärgert hat, wohl wegen der diesmal bedeutend größeren Zahl an Mails, war die Tatsache, dass ich in meinem beruflichen Outl**k-Postfach die von mir versandten und nicht mehr benötigten Nachrichten zweimal löschen musste. Einmal aus der Mappe mit den verschickten Mails und dann aus der “Trash”-Mappe.

Ein vollständiger Verzicht auf die versandten Mails kommt aufgrund eventueller wichtiger Nachrichten natürlich nicht in Frage. Ich denke mir aber, dass es viel logischer und einfacher wäre, wenn ich selbst entscheiden könnte, wann ich eine von mir verschickte Nachricht in der “Gesendet”-Mappe aufbewahren möchte und wann nicht.

Ich habe danach ein bisschen im Internet gestöbert, aber noch keine Lösung für dieses Problem gefunden. Ich überlege, ob sich da vielleicht etwas mit dem Aufstellen von Regeln im Postfach machen lässt. Wenn einer meiner werten Mitleser eine Lösung dafür hat, bitte ich um einen diesbezüglichen Kommentar oder eine Nachricht.

Bis dahin bleibt mir nichts anderes übrig, als überflüssige Nachrichten meinerseits zweimal zu löschen. Und zwar am besten gleich nach dem Verschicken, damit sich zumindest diese nicht anhäufen und dann zuhauf gelöscht werden müssen.

2025/01/08

Ein Virus ist entwichen

In diesen Tagen, in denen wieder die Nachricht von einem – vorerst scheinbar wenig besorgniserregenden – Atemwegsinfekt in China die Runde macht, sollten wir uns ein wenig erfreuliches kleines Jubiläum vor Augen halten. Unglaublich, dass der Ausbruch der Pandemie in diesen Wochen bereits ein halbes Jahrzehnt her ist. Die Kinder, die um die Monate des Ausbruchs des Virus herum geboren wurden, kommen so langsam in die Schule. Und mir schwirrt in letzter Zeit immer wieder der Gedanke im Kopf herum, wie viel ich von meinen Vorhaben schon damals hätte realisieren können, als wir monatelang zu Hause hockten und – zumindest einige Zeit lang – reichlich weniger Arbeit ins Haus stand und noch dazu Homeoffice angesagt war. Aber die Unsicherheit, Angespanntheit, ja Angst damals – und dann meine Erkrankung – drückten dieser Zeit ihren Stempel auf und lähmten meine Gedanken und Handlungen.

Andererseits bedurfte es, wie ich im Nachhinein unschwer erkennen kann, ebendieser Erkrankung und Schwächephase, um zu realisieren, dass ich beruflich in jeder Hinsicht kürzer treten muss, mich nicht mehr jedem Projekt widmen kann, das an mich herangetragen wird oder an dem ich gerne arbeiten würde. Gemeinplatz hin, Gemeinplatz her: Gesundheit und Familie müssen ganz einfach vorgehen, sonst bleiben mit der Zeit notgedrungen beide auf der Strecke. In diesem Sinne habe ich, glaube ich, das Beste aus der Situation von damals herausgeholt: Ich habe daraus meine Lehren gezogen und mein Leben zwar nicht umgekrempelt, aber entsprechend angepasst.

Fünf Jahre sind nun schon seit den ersten Meldungen über das Coronavirus ins Land gezogen. Die Menschheit hat aus der damaligen Situation allem Anschein nach gar nichts gelernt – auch das müssen wir an dieser Stelle eindeutig konstatieren. Nur noch minimale Hygienemaßnahmen sind im Vergleich zu damals auch heute noch in der Gesellschaft anzutreffen, vieles scheint ganz einfach vergessen. Die Menschen reisen zudem wieder so viel in der Welt herum, als hätte es die Pandemie, Quarantänen und Ausgehverbote nie gegeben. Auch wenn die Zeit jetzt, zum Zeitpunkt der Meldungen über das sich ausbreitende Virus HMPV hoffentlich noch nicht reif ist: Die nächste weltweite Epidemie ist – auch aufgrund der Meinung der Experten – nur eine Frage der Zeit, was infolge der oben geschilderten Verhaltensmuster unserer Gesellschaft überhaupt nicht überraschend ist. Wollen wir einerseits hoffen, dass wir noch möglichst viel Zeit bis zum Ausbruch dieser haben, und dass sie, wenn sie kommt, weniger großflächig und tragisch ausfallen wird, als vor fünf Jahren.

2024/12/31

Ade 2024

In wenigen Stunden ist auch dieses Jahr wieder Geschichte, und wir müssen uns wieder einmal an eine neue Jahreszahl gewöhnen. Was in den ersten Wochen hin und wieder sicherlich Fehler nach sich ziehen wird.

Wie das Jahr 2024 war? Ich werde es als ein schönes Jahr in Erinnerung behalten. Privat sind einige angenehme Erinnerungen, abgeschlossene Projekte und verwirklichte Vorhaben dabei, die mich das sagen lassen. Beruflich habe ich auch weiterhin erfolgreich versucht, kürzer zu treten und zuzulassen, dass das Berufsleben seine Wendungen nimmt. Die körperliche und seelische Gesundheit geht immer noch vor, was ich früher am eigenen Leib habe erfahren müssen. Auch aus gesundheitlicher Sicht war aber das heute zu Ende gehende Jahr gut, mit recht wenigen Krankheiten und Wehwehchen in der Familie.

Was 2025 bringen wird? Wir werden es sehen. Auf und Abs kommen und gehen im Leben, alles ist fast ständig in Bewegung, deshalb sollten wir uns nichts vormachen. Es gilt, mit den sich gerade ergebenen Situationen und Ereignissen – so gut es geht – fertig zu werden und das Beste aus diesen herauszuholen. Wie sich dann die Dinge entwickeln werden, steht nicht mehr in unserer Macht und sollte einen nach Möglichkeit auch nicht weiter wurmen.

Ich danke hiermit allen werten Lesern meines Blogs für die Treue in diesem Jahr und wünsche ein möglichst gesundes, schönes und aus Sicht der eigenen Ziele erfolgreiches neues Jahr. Mögen so viele Projekte, Vorhaben, Ziele und eventuelle Vorsätze von uns wie nur möglich in Erfüllung gehen. Wir lesen uns 2025, wenn Sie es so wollen!