Jemand stellt einem unter vier Augen eine nicht allzu bedeutende Frage, man antwortet recht ausführlich, nach bestem Wissen und denkt, der andere wird darauf reagieren, seine eigene Meinung darlegen usw. Als dann aber just in dem Moment unerwartet ein Dritter in den Raum kommt, folgt keinerlei Reaktion oder Antwort seitens des Fragestellers, der sich sogleich dem Dritten zuwendet. Als hätte es das vorherige Gespräch und Thema gar nicht gegeben, obwohl es keineswegs peinlich, prekär oder geheim war. Da fragt man sich wirklich, wie manche Menschen gestrickt sind.
Überhaupt: In letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl – vielleicht auch nur, weil ich verstärkt darauf achte –, dass die Menschen im Grunde nur mit ihrem eigenen Leben, ihren eigenen kurz- und langfristigen Plänen, Problemen, Ängsten beschäftigt sind. Auch deshalb macht Smalltalk, wie der oben erwähnte, für mich nicht viel Sinn. Hat ehrlich gesagt noch nie viel Sinn für mich gemacht.
Ich weiß, ich weiß: Auf diese Weise entgehen mir einerseits diverse private und noch mehr berufliche Möglichkeiten. Schließlich sind Kontakte heutzutage sehr wichtig. Zweitens wird man für solch ein Verhalten sicherlich auch in eine gewisse Schublade gesteckt. Notgedrungen sitzt man dann nämlich lieber alleine herum, vertieft sich ins Handy oder ein Dokument und ist womöglich immer unter den ersten, die die entsprechende Veranstaltung zum nächstbesten Zeitpunkt verlassen. Aber zum Glück kann ich das alles links liegen lassen. Die Karriereleiter habe ich längst für mich abgehakt, sollte ich überhaupt jemals mit dem Gedanken gespielt haben, hoch hinaus zu wollen. Es gibt schließlich viel wichtigere Dinge im Leben. Und mit dem Älterwerden geht meines Erachtens bestenfalls auch eine gewisse, elegante Nonchalance einher, nicht wahr? Das ist eine durchaus angenehme Erfahrung des Alterns, muss ich sagen.