2014/02/28

Und einmal in vier Jahren...

Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich in den beinahe sechs Jahren, seitdem dieser Blog existiert, noch nie über Politik geschrieben. Und auch diesmal tue ich es nur ansatzweise, denn in Wirklichkeit geht es in diesem Beitrag – wie so oft – um meine Gedanken und Gefühle. Und das in dem wohl längsten Eintrag, den dieser Blog bisher gesehen hat, schließlich handelt der Post indirekt von meinem – unserem – ganzen Leben.

Im Jahr 2002 durfte ich das erste Mal wählen gehen, zumindest im Rahmen der wichtigsten Stimmabgabe, also einer Parlamentswahl. Dieses Jahr im April wäre es also das vierte Mal, dass ich meine Stimme bei einer Parlamentswahl abgeben könnte. Könnte, denn so wie es jetzt aussieht, werde ich dieses Jahr nicht wählen gehen. Zumindest ist es das, was ich nun schon seit geraumer Zeit fühle und denke, aber bis zum April habe ich ja noch mehr als einen Monat Zeit zum Grübeln.
Nach dem, was wir von unserer Familie hier in Ungarn gehört und im Geschichtsunterricht gelernt haben, war es mehr als selbstverständlich, dass ich bisher von meinem Wahlrecht Gebrauch gemacht habe. Nach langen Jahrzehnten hatte unser Volk endlich die Möglichkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Dazu wollte ich natürlich stets meinen winzigen Beitrag leisten. Wahrscheinlich war es beim ersten, zweiten, ja vielleicht sogar beim dritten Mal vor vier Jahren der Reiz des Neuen, der mich zur Wahlurne trieb. Oder die Tatsache, dass man ja nicht jede Woche oder jeden Monat wählen geht.

Dieser Reiz ist verflogen, die Zeit des Kommunismus – die meine Generation sowieso fast nur mehr vom Hörensagen kannte –, ist verblasst, das Gespenst des Kommunismus geht nicht mehr um in Europa – oder zumindest nicht in unserem Land. Aus dem so oft versprochenen Aufstieg, dem Aufschließen zu den westlichen Ländern – oder gar nur zum benachbarten Österreich – ist trotz der Regierungen, die kamen und gingen, und trotz unseres EU-Beitritts nichts geworden. Stattdessen haben wir ein Europa der zwei (oder vielleicht sogar mehr) Geschwindigkeiten. George Orwell lässt schön grüßen: „Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.“
Die bisherigen Regierungen in Ungarn versprachen viel und hielten nur wenig – noch weniger, als es Politiker üblicherweise in anderen Ländern tun. Sozialisten und Rechtskonservative hatten gleichermaßen die Möglichkeit, Sympathien zu gewinnen, ihren Worten Taten folgen zu lassen, die Menschen zu überzeugen. Erstere acht Jahre am Stück und insgesamt zwölf Jahre lang (1994–1998, 2002–2010), die Rechtskonservativen in den letzten vier Jahren mit einer überaus seltenen und überragenden Zweidrittelmehrheit und – in Form von zwei verschiedenen Regierungsparteien – ebenfalls zwölf Jahre lang (1990–1994, 1998–2002, 2010–2014). Ein klassisches Unentschieden.

Auch in meinem Kopf. Die Gründe, warum ich die einen nie und die anderen nicht mehr wählen würde, reihen sich dicht aneinander. Neben den zwei großen Parteien wird die extreme Rechte immer stärker, die für mich ebenfalls nicht in Frage kommt. Und die drei-vier kleineren Mitte-Links-Parteien haben sich allesamt mit den Sozialisten verbündet, um zumindest irgendwie in Erscheinung zu treten und die Rechtskonservativen endlich abzulösen. Was übrig bleibt sind noch kleinere Splitterparteien, mit denen ich mich nicht oder nur teilweise identifizieren kann.
Von den zahlreichen Versprechen wurden auch in den letzten vier Jahren nur wenige gehalten. Die große Chance der Zweidrittelmehrheit wurde oftmals nur dazu genutzt, die eigenen Positionen zu stärken, überall die eigenen Gefolgsleute einzusetzen, die eigene Hosentasche zu füllen und die Möglichkeiten des Gegners so gut es geht zu schmälern. Viel zu selten stand das Volk im Mittelpunkt des Interesses. Maßnahmen, die scheinbar Geld in unserer Tasche ließen, stehen Maßnahmen gegenüber, die uns woanders Tag für Tag das Geld aus der Tasche ziehen. Was vor vier-fünf Jahren vehement bekämpft wurde, nur weil es der politische Gegner tat und wollte, wird jetzt ohne Wenn und Aber durchgesetzt, weil es endlich den eigenen Interessen dient.
Der Schein des Konservativismus, der Vertretung christlicher Werte trügt noch viele, mich aber nicht mehr. Aus dieser Sicht kann ich nunmehr immer klarer zwischen meiner Wertvorstellung und der Welt der Politik unterscheiden und wähle eine Partei nicht deshalb, weil sie mir vorgaukelt, meine Wertvorstellung zu vertreten. Was in aller Welt soll denn an Lügen, Stehlen, Betrügen und Schikanieren denn so christlich sein?

In Kenntnis der Geschichte hielt ich es lange – so wie viele – für beschämend, nicht wählen zu gehen. Schließlich hatten unsere Eltern und Großeltern nicht oder nur begrenzt diese Möglichkeit, und auch heute noch gibt es Dutzende von Ländern auf der ganzen Welt, in denen bestenfalls eine einzige Partei auf dem Stimmzettel steht.
Genau ein Vierteljahrhundert ist seit der Wende vergangen, und ich muss sagen: Dass ich nicht wählen gehe – wenn es denn so kommen sollte –, ist nicht aus meiner Sicht eine Schande, sondern aus Sicht der politischen Vertreter meines Landes. Aus der Sicht all derjenigen Politiker, die uns hätten vertreten sollen, sich stets unsere Interessen hätten vor Augen halten müssen, und nicht ihr Wohl, ihre Karrierechancen, ihren Geldbeutel und die Bekämpfung – ja sogar politische Liquidierung – des Gegners.

In jedem „normalen“, „zivilisierten“ Land besteht die Chance, dass Links und Rechts miteinander reden, diskutieren, in Bezug auf die Eckpunkte der Entwicklung des Landes, auf das Leben der Menschen eine Übereinkunft treffen, ihren Standpunkt einander annähern, das  Land gemeinsam nach Außen vertreten. 
In Ungarn dagegen wird der politische Gegner im Ausland angeschwärzt, die politische Gespaltenheit spaltet auch die Menschen, nicht einmal in Eckpunkten der Sozialpolitik, Gesundheitspolitik, Bildung, des Umweltschutzes oder der ungarischen Geschichte kommt man zu einem Konsens. Da wird sogar Letztere aus zweierlei Gesichtspunkten interpretiert, je nach Zugehörigkeit zur politischen Ecke. Ein Dialog, ja selbst eine kultivierte Diskussion findet nicht statt, Fernsehduelle werden boykottiert, der Gegner wird stattdessen abgehört und unmöglich gemacht. Die Medien sind ebenfalls gespalten, berichten je nach Parteizugehörigkeit von den Geschehnissen und versuchen, die Menschen zu beeinflussen.
Was die Menschen von denen „da oben“ sehen, das tun und vertreten sie dann auch im Alltag – und wahrscheinlich auch umgekehrt. Den anderen anschwärzen, die eigenen Brötchen backen, Ellenbogenmentalität statt Menschlichkeit und Toleranz. Leben und sterben lassen statt leben und leben lassen. So sieht es leider aus, und das schon seit langen Jahren, Jahrzehnten.

Jeder kann denken, was er will, aber in solch einer Situation wundere ich mich persönlich ganz und gar nicht darüber, wo ich in meinen Gedanken allmählich angekommen bin. Klar könnte ich das kleinere Übel wählen, aber wie könnte ich dann die Taten, Worte und Gedanken rechtfertigen, die ich zutiefst verachte und mit denen ich ganz und gar nicht einverstanden bin? Die oft im Ernst betonten Argumente, dass die anderen nicht wiederkommen dürfen, weil sie ein Werk des Teufels sind, und dass die einen für immer und ewig abgewählt werden müssten, weil sie das Land ruinieren, sind wohl mehr als lächerlich. Ich bin immer mehr der Ansicht, dass die Ideen und Konzepte der einen mit denen der anderen vermengt werden müssten, um eine Synthese zu erzielen. Womit wir wieder bei der Wichtigkeit eines Dialogs wären, der aber leider nicht existiert.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Toten Hosen haben es aus der Sicht Deutschlands mit dem Lied Einmal in vier Jahren ein bisschen übertrieben, denke ich. Aber aus der Sicht Ungarns haben sie den Nagel leider auf den Kopf getroffen…

„Jeden Tag wird uns erzählt, / dass die Stunde X bald kommt / und dass dann alles besser wird, / wir bräuchten nur Geduld. / Im Sessel weit zurückgelehnt verfolgt das ganze Land / jede Endlos-Nutzlos-Diskussion im Fernsehprogramm.

Wir sitzen in der ersten Reihe, als ob wir alle scheintot sind, / hör’n auf leere Worte und klammern uns daran fest. / Wie letztes Mal, wie letztes Mal...

Wir lassen uns gern für dumm erklär’n, / als würden wir nichts verstehen / von den ungeschriebenen Gesetzen, / um die die Welt sich dreht. / Keinen Reichtum ohne Armut, / kein Gewinn ohne Betrug, / und ständig redet man uns ein, / dass man alles dagegen tut. / Beim nächsten Mal, beim nächsten Mal…

Und einmal in vier Jahren / kriegt man einen Zettel in die Hand, / um ein kleines Kreuz zu malen, / damit alles seine Ordnung hat.

Danach werden wir wieder nach Hause geschickt, / mit der Bitte, jetzt ruhig zu sein, / denn es ist unsere Entscheidung, / wer uns die nächste Krise zeigt.

Friede, Freude, Eierkuchen / heißt das Wahlprogramm, / das immer noch am besten zieht / in diesem schönen Land. / Wie jedes Mal, wie jedes Mal...“

2014/02/14

Böse

Wer auch nur ein bisschen was mit Rockmusik und insbesondere deutscher Rockmusik am Hut hat, der konnte dem regelrechten Hype in den letzten Wochen gar nicht entgehen. Über alle Kanäle konnte man darüber erfahren, dass die Kultband Böhse Onkelz erst eine geheimnisvolle Ankündigung plant und dann – wie erwartet – ihr furioses Comeback im Sommer auf dem Hockenheimring bekannt gab. Das nach neun Jahren Pause, denn 2005 hatten sie sich nach einem Vierteljahrhundert Skandalen und Erfolgen aufgelöst.
Ich muss ehrlich gestehen, obwohl ich den Namen der Band und ihren Ruf kannte, dass ich zuvor noch nie ein Lied von ihnen gehört habe. Das hat sich mit der jetzigen Euphorie und Medienpräsenz natürlich geändert, schließlich wollte ich im Bild sein und mir eine eigene Meinung über sie bilden.

Nun, ich muss nach meiner Recherchearbeit feststellen, dass man über die Band ganze Wälzer verfassen könnte. Über ihre Nähe zur rechtsradikalen Szene zu Beginn ihrer Karriere, ihre Texte und ihre Musik, ihre 25 Jahre währende Karriere, die Talfahrt ihres Sängers Kevin Russell auf dem Weg in den Drogensumpf, das daraus resultierende fulminante Abschiedskonzert vor über 100.000 Fans auf dem Lausitzring, die Amokfahrt und Fahrerflucht Russells in der Silvesternacht 2009 unter Drogeneinfluss und und und. Schließlich natürlich ihr jetziges Comeback mit inzwischen zwei ausverkauften Konzerten, das erneut für Aufsehen sorgt, schließlich sollte ja der Abschied vor neun Jahren für immer und ewig sein.

Obwohl mir einige Lieder und Texte, die ich in den letzten Wochen gehört und gelesen habe, gar nicht gefallen, gibt es ehrlich gesagt eine Reihe von Songs, mit denen ich mich sehr wohl identifizieren kann und die ich gut finde: Ihr hättet es wissen müssen, Hier sind die Onkelz, Terpentin, Mexiko oder Kneipenterroristen sind einfach nur klasse Rocksongs, die mir gut gefallen. Soweit ich das beurteilen kann, hat die Band nach den Anfangsjahren mit der rechtsradikalen Szene gebrochen und dies als einen Fehler eingesehen, ja sich sogar an Konzerten gegen Rechts beteiligt. Ich denke sowieso, dass jeder eine zweite Chance verdient, so auch in diesem Fall, zumal die Mitglieder damals erst 18-20 Jahre alt waren! Die Band hat bewiesen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat.
Das gleiche gilt für das Abschiedskonzert und die jetzige Reunion: Wie sie selbst verkündet haben, mussten sie damals wegen den Alkohol- und Drogeneskapaden des Sängers die Reißleine ziehen und wollen jetzt den angeschlagenen Ruf der Band nach dem folgenschweren Autounfall Russells aufpolieren. Auch diesbezüglich muss ich sagen: jeder kann sich mal irren. Besonders dann, wenn es damals der einzig richtige Schritt zu sein schien. Ich denke, eine zweite Chance ist in diesem Fall mehr als angebracht.

Was den viel zitierten Unfall und die Fahrerflucht betrifft, steht die Schuld des Sängers außer Zweifel. Er wurde dafür bestraft, hat seine Strafe abgebüßt, wobei natürlich in solchen Fällen immer die Frage aufkommt, ob sie nicht hätte strenger ausfallen müssen. All das hat aber mit der Band und der Musik nichts zu tun, denke ich. Auch wenn sie jetzt denken, sie müssten etwas wiedergutmachen.

2014/02/06

Plagues of Budapest

Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass ich die amerikanische Heavy Metal-Truppe Iced Earth zum ersten Mal live sehen durfte. Gestern war eine Reprise angesagt, denn die Mannen um Gitarrist Jon Schaffer gaben erneut ein Gastspiel in Budapest, und zwar im selben kleinen Club, in dem sie schon im November 2011 aufgetreten sind.
Anlass war wiederum ein neues Album, das diesmal den Titel Plagues of Babylon trägt. Der neue Sänger Stu Block konnte damit bereits auf der zweiten Platte mitwirken, und wiederum beweist er – auch mit seinem energischen Auftritt gestern Abend –, dass er sehr wohl in die Fußstapfen des großen Matt Barlow treten und die Band anführen kann.

Insgesamt neunzehn Songs wurden gestern den Chronisten im Internet zufolge zum Besten gegeben, darunter erneut Klassiker aus den achtziger und neunziger Jahren, die nicht fehlen dürfen: The Hunter, Watching Over Me, My Own Savior oder das Lied Iced Earth. Daneben bildete natürlich das neue Album das Grundgerüst des Konzerts, denn sechs der zwölf Lieder von der Platte wurden präsentiert. Mit Red Baron und A Question of Heaven waren auch diesmal ein-zwei „Schmankerl“ im Gepäck des Quintetts.
Ungefähr eine Stunde und vierzig Minuten gaben die Jungs alles, und das ungarische Publikum dankte es ihnen mit reichlich Applaus und Jubelschreien. Zwar passen nur einige Hundert Leute in den Club, doch das tat weder der Produktion der Band, noch dem Enthusiasmus der Anwesenden einen Abbruch. Wir durften auch diesmal eine gut gelungene Darbietung erleben. Auf ein Neues irgendwann in naher Zukunft, schließlich wird die Band im nächsten Jahr runde dreißig Jahre alt!

2014/01/31

Freiwillig einfach

Über das gute Gefühl, wenn man die Wohnung anlässlich des jährlichen Frühjahrsputzes sauber gemacht hat, habe ich hier im Blog bereits geschrieben. Es tut einfach gut, wenn man die Früchte der harten Arbeit sieht, wenn alles glänzt und sich wie neu anfühlt.
Ein ähnlich angenehmes Gefühl ist es, wenn die Wohnung aufgeräumt wird. Wenn unnötige Sachen wegkommen, über kurz oder lang Gehortetes ausgemistet wird, Dinge endlich an ihren Platz kommen, wofür im Alltagstrott – und manchmal auch am Wochenende – keine Zeit bleibt. Wenn Mappen, Schachteln und Schubladen durchgesehen und ausgemistet werden.
All das mache ich im Allgemeinen zweimal pro Jahr: Mich quasi an das bei uns übliche und vom deutschen ein wenig abweichende Studienjahr bzw. dessen Ende richtend einmal um den Januar und einmal um den Juli herum, plusminus einige Wochen.

Dieses Jahr ist das ganze so wie bisher, aber doch ein bisschen anders. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mit dem Ende der Doktorstudien unlängst ein großes Kapitel in meinem Leben abgeschlossen habe, oder auch damit, dass sich meine und unsere Prioritäten mit den Kindern und dem Älterwerden naturgemäß verschieben.
Auf jeden Fall beschäftigt mich in den letzten Tagen und Wochen eine etwas extremere Form des Aufräumens und der Ordnung, die unter dem Begriff Einfaches Leben (Simple Living) oder Freiwillige Einfachheit (Voluntary Simplicity) zusammengefasst werden kann. Wie im einschlägigen Wiki-Artikel steht, kann man das ganze auch neudeutsch als Downshifting bezeichnen. Den Begriff Minimalismus finde ich dagegen weniger passend, da ich damit in Gedanken eher eine Extremvariante verbinde, bei der man all seine Alltagsgegenstände und Habseligkeiten auf – sagen wir mal – genau einhundert Stück reduziert.

Bei der oben genannten Richtung gibt es dagegen keine fest vorgeschriebenen Kriterien, die muss jeder selber ausklügeln und sich zusammenstellen. Die Bereiche, in denen diese angewandt werden können, sind so vielfältig wie das Leben selbst: Besitztümer, Ernährung, Kleidung, Mediennutzung, Handwerk, Umweltschutz und natürlich das geistige Leben. Warum mich das ganze zurzeit besonders interessiert, ist die Tatsache, dass wir vieles davon bereits mehr oder weniger bewusst seit Jahren anwenden, wie ich hiervon schon teilweise berichtet habe, zum Beispiel im Fall einiger Haushaltsgeräte oder unlängst im Fall meiner E-Mails.
Nun habe ich mir also vorgenommen, das ganze noch etwas bewusster zu tun und im Alltag zu leben. Den Gedanken zu einem zentralen, integralen Teil meines Lebens zu machen. Dabei geht es keinesfalls darum, auf die guten Dinge zu verzichten und sich nichts zu gönnen. Ganz im Gegenteil: Wenn man weniger hat, auf weniger Acht geben, weniger beschützen, weniger sauber machen, weniger speichern, um weniger Angst haben muss, kann man das Wenigere mehr und bewusster genießen und mehr darauf eingehen. Sei es ein Gegenstand, das Essen, ein Getränk oder ein Gefühl.
Es geht auch nicht darum, asketisch zu leben, sich von der Welt abzuschotten oder im Bereich Kleidung, Aussehen oder Hygiene vollkommen anspruchslos zu sein. Vielmehr sehe ich den Sinn darin, den eigenen Konsum jedes Mal zu überdenken, auf Unnützes rechtzeitig oder zumindest möglichst schnell zu verzichten, das Vorhandene so gut und so lange es geht zu nutzen und Ordnung zu halten – sowohl im Alltag, als auch in den Gedanken.

In den vergangen Tagen habe ich beim laufenden Ausmisten und Sortieren bereits diese Ideen im Hinterkopf behalten und bin dementsprechend vorgegangen. Ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer schaffen werde, aber auf Grund unserer bisherigen Lebensweise denke ich, dass wir eine gute Chance haben, diese Prinzipien fortlaufend im Alltag umzusetzen. Ohne Neujahrsvorsätze machen zu wollen, von denen ich noch nie viel gehalten habe, eignet sich der jetzige Jahresanfang perfekt für solch ein Unterfangen, das nicht wirklich einen radikalen Einschnitt, aber zweifelsohne viel Disziplin in unserem Leben bedeuten würde.

2014/01/16

Zappenduster

Schon lange gab es hier im Blog keine Buchrezension, was nicht damit zusammenhängt, dass ich nichts gelesen hätte, sondern gleich zwei gute Gründe hat. Einerseits habe ich in letzter Zeit zwei Bücher von Stephen King ein zweites Mal gelesen, über die ich hier schon berichtet habe: Lisey’s Story (dt. Love), über das ich im Jahr 2008 geschrieben habe, und Duma Key (dt. Wahn), das 2009 an der Tagesordnung stand. Andererseits auch ein ungarisches Buch, das mir sehr gut gefallen hat, über das ich mir den Bericht hier aber spare.
Nach einer kleinen „Exkursion“ bin ich mit dem gerade fertig gelesenen Buch wieder zu meinem Lieblingsschriftsteller zurückgekehrt. Es galt, das im Jahr 2010 erschienene, aber in Ungarisch erst vor kurzem publizierte Werk Full Dark, No Stars (dt. Zwischen Nacht und Dunkel) zu lesen. Dabei handelt es sich um die dritte Novellensammlung des Meisters, die wie die Vorgänger vier Novellen enthält. Für mich überraschender Weise sind alle vier Werke – dem Titel der Sammlung entsprechend – nicht nur ziemlich düster, sondern auch alle im Grunde Krimis. Den Inhalt und insbesondere das Ende der Geschichten will ich hier im Blog nicht preisgeben, aber eine kurze Beleuchtung der Handlung ist wohl angebracht:

Bei der Novelle 1922 handelt es sich um das schriftliche Geständnis eines Farmers, der die Ermordung seiner Frau schildert, für die er und sein Sohn verantwortlich sind. Die Geschichte Big Driver beschreibt die Rache einer vergewaltigten Frau an dem Täter und wie sie dem Täter überhaupt auf die Schliche kommt. In Fair Extension (dt. Faire Verlängerung) schließt ein krebskranker Mann einen Pakt mit einem überaus komischen Mann, um wieder gesund zu werden und sein Leben zu verlängern. Die letzte und kürzeste Novelle mit dem Titel A Good Marriage (dt. Eine gute Ehe) deckt das dunkle Geheimnis eines dem Anschein nach ganz alltäglichen Ehemannes auf, dem seine Ehefrau durch Zufall auf die Schliche kommt.

Alle vier Geschichten haben mir sehr gut gefallen, und ich fand sie einerseits sehr spannend, andererseits – wie bereits geschrieben – sogar für den Stil von King ungewohnt düster. Trotzdem behandeln sie alle ganz alltägliche Menschen und Schicksale, die im Leben von vielen von uns Realität werden könnten. Sie beschreiben, wie Menschen in solchen Extremsituationen reagieren können, und das ist eben nicht immer positiv und tadellos.
Das Buch steht bei mir sicherlich auf der Liste derjenigen Werke, die es sich lohnt, ein zweites Mal zu lesen und auf weitere Details aufmerksam zu werden. Ich denke, dass sich die Novellen nach einiger Zeit ähnlich spannend lesen lassen, wie beim ersten Mal, auch wenn man bestimmte Details der Geschichten schon kennt.

2014/01/05

Der Hobbit-Saga zweiter Teil

Die freien Tage zum Ende des vergangenen Jahres eigneten sich perfekt, um den zweiten Teil der Hobbit-Trilogie (Smaugs Einöde) – auch diesmal in 3D – anzusehen. Das Werk war, genauso wie der erste Teil, über den ich hier Anfang des Vorjahres ebenfalls berichtet hatte, ein Augenschmaus.
Erneut muss ich für mich persönlich feststellen, dass es zum Glück nicht langatmig oder gar langweilig war, die Ereignisse prasseln nur so auf einen ein. Zudem wird im letzten Teil des aktuellen zweiten Films ziemlich oft zwischen den drei Orten des Geschehens bzw. zwischen den drei Handlungssträngen – Festung Dol Goldur mit Gandalf, Seestadt Esgaroth mit den zurückbleibenden Zwergen und Zwergenreich mit den restlichen Zwergen und dem Drachen Smaug – hin- und hergewechselt, was die Spannung beträchtlich erhöht.
Interessanter Weise verzichtet der Film – im Gegensatz zum ersten Teil – fast vollständig auf den Humor. Und auch Gollum wird nach dem Auftakt vor einem Jahr schmerzlich vermisst, auch wenn er natürlich in der Ereigniskette diesmal keine Rolle spielt. Was dem Zuschauer jedoch in den mehr als zweieinhalb Stunden geboten wird, ist wirklich allererste Sahne. Unglaubliche Orte mit atemberaubenden Details, Action pur und fantastische Spezialeffekte.
Vor dem Kinobesuch dachte ich, Smaug wird diesmal noch eine ziemlich kleine Rolle spielen, da er auch im ersten Teil nur andeutungsweise am Ende erscheint. Zum Glück kam ich aber in dieser Hinsicht voll auf meine Kosten, was auch das Fehlen von Gollum ein wenig erträglicher macht.

Jetzt heißt es also noch ein Jahr warten, bevor die Geschichte endgültig zu Ende geht. Was ich oben über diesen Teil geschrieben habe, wird wohl auch in ungefähr einem Jahr wiederholt werden können. Schließlich können der Angriff Smaugs auf die Seestadt Esgaroth, der Kampf gegen ihn sowie die Schlacht mit den Orks – darum wird es wohl im dritten Teil größtenteils gehen – nichts anderes sein, als spektakulär und atemberaubend. Peter Jacksons Name und die bisherigen Filme sind geradezu ein Garant hierfür.
Schließlich bleibt da noch die Heimkehr der Abenteurer, mit dem der erst im Nachhinein eingeplante dritte Teil vermutlich seinen Abschluss finden und die Geschichte als Prequel womöglich mit dem Sequel Herr der Ringe verbinden wird. Ich persönlich kann es kaum mehr erwarten!

2013/12/31

Ade 2013

Bevor sich auch dieses Jahr dem Ende zuneigt, ist es an dieser Stelle wieder einmal Zeit, ein Fazit zu ziehen. Auch dieses Jahr ist, wenn ich zurückblicke, sehr schnell vorübergegangen. Je älter ich werde, desto mehr habe ich dieses Gefühl. Wobei natürlich zwei Meilensteine dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.

Einerseits die Geburt unseres zweiten Sohnemanns im Februar und selbstredend seine stetige Entwicklung seitdem. Die zwei kleinen Kinder halten uns natürlich ziemlich auf Trab, und da vergehen die Tage zweifelsohne sehr flott.
Auch wenn es hin und wieder schwierige Momente und Situationen, anstrengende Tage und reichlich Grund dazu gibt, sich die Haare zu raufen: Es ist immer wieder ein Augenschmaus, ihnen und ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung zuzusehen, zumal sie auch miteinander immer mehr in Interaktion treten. Oder sich mit dem älteren Junior zu unterhalten und (mit) ihm die Welt zu erschließen. Und wenn man sich die Fotos von vor einigen Monaten anschaut, merkt man so richtig, wie schnell sie wachsen und sich verändern.

Das andere prägende Ereignis in diesem Jahr war natürlich der Abschluss und die Verteidigung meiner Doktorarbeit. Ich kann es immer noch nicht fassen, wie schnell am Ende alles gelaufen ist. Ursprünglich hatte ich geplant, meine Arbeit im Sommer oder spätestens im Frühherbst zu beenden, dann einzureichen und schließlich irgendwann Anfang 2014 zu verteidigen. Demgegenüber bin ich noch vor dem Sommer fertig geworden, konnte sie – ohne größere Ergänzungen oder Verbesserungen aufgebürdet zu bekommen – noch vor den Sommerferien einreichen und im Oktober sogar erfolgreich verteidigen.
Noch immer erinnere ich mich ganz klar an den Augenblick, als ich am Tag der Prüfung an meinem Tisch im Prüfungsraum gesessen bin und die Vorsitzende der Prüfungskommission die Prüfung eröffnet hat. Das war der Moment, in dem ich so richtig realisiert habe, dass ich in der Zielgeraden bin und es in wenigen Stunden vorbei ist.

Was 2014 auf uns alle zukommt, steht natürlich in den Sternen, aber ich hoffe, dass es sowohl privat, als auch beruflich annähernd ein so erfolgreiches Jahr für uns wird, wie das, das sich so langsam dem Ende zuneigt. Nächstes Jahr um dieselbe Zeit werden wir es bereits wissen.
Bis dahin danke ich – wie immer – all jenen, die hier noch in Zeiten von Faceb**k und medialer Überflutung unerschütterlich mitlesen, ja hin und wieder sich sogar die Zeit nehmen, zu kommentieren. Es ist gut zu wissen, dass ich das ganze hier nicht nur für mich selber schreibe. Ich danke euch allen und wünsche ein erfolgreiches Neues, alles Schöne und Gute, vor allen Dingen Gesundheit! Wir lesen uns!